Wohnungen, Einzelhandel | Söflinger Straße 120/124

    • Wohnungen, Einzelhandel | Söflinger Straße 120/124

      Die UWS hat die Grundstücke Söflinger Straße 120 und 124 an der Ecke Kässbohrer Straße erworben und will dort (überwiegend) sozialen Wohnungbau realisieren. Der Netto-Markt, der den Großteil der zu überbauenden Grundstücke einnimmt, soll dabei als Nahversorger erhalten bleiben.


      (Quelle: Stadt Ulm; Hinweis: die UWS plant nur auf den hier mit "120" und "124" markierten Grundstücken (plus zugehörigen Parkierungsflächen) innerhalb des geplanten neuen Mischgebiets unter neuem Bebauungsplan)

      Das Problem hier ist, dass der Betreiber des "bordellartigen Gewerbebetriebs" in der benachbarten Kässbohrer Straße 9 fast zeitgleich einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt hat, um seinen Betrieb von sechs auf 22 Zimmer zu erweitern. Darauf hat man bei der Stadt aus verschiedenen sehr guten Gründen keinen Bock, wie man bei der Bürgerinfo nachlesen kann. Deswegen will die Stadt zunächst mal einen neuen Bebauungsplan für das Gebiet aufstellen, der die bisher gültigen aus den Jahren 1907, 1911 und 1923 ablösen soll, nach deren Bestimmungen man keine Handhabe gegen dieses Vorhaben hätte. Die Verwaltung schreibt dazu:

      Bordelle bzw. bordellartige Betriebe stellen nach einschlägiger Rechtsprechung zwar keine Vergnügungsstätten dar und werden planungsrechtlich als Gewerbebetriebe eigener Art qualifiziert, sind diesen jedoch hinsichtlich ihres Störpotentials vergleichbar und unterliegen damit grundsätzlich auch einer vergleichbaren städtebaulichen Bewertung. Es ist offenkundig, dass eine Ausweitung der bestehenden Vergnügungsstätten und des bordellartigen Betriebes insbesondere im Hinblick auf Betriebszeiten, Verkehrsbelastung vor allem in den Nachtstunden und an Wochenenden, milieubedingte Unruhe (häufig stark alkoholisierte Besucher, Belästigung von Passanten) und zu erwartende Trading-Down-Effekte mit dem Sanierungsziel einer verstärkten Wohnnutzung und der Aufwertung des Umfeldes unvereinbar ist. Solche Vorhaben würden die Durchführung der Sanierung wesentlich erschweren oder diese gar unmöglich machen. Ergebnis dieser Entwicklungen sind letzten Endes städtebaulich-funktionale Missstände mit negativer Ausstrahlung auf das gesamte Quartier.
      Finde ich nachvollziehbar.

      Die Gegend ist auch abgesehen vom Puff in der Kässbohrer Straße ein ziemliches Gerümpel. Hatte zwar so seinen ranzigen Charme, den ich in den 90ern immer mit der Weststadt verbunden habe :D , aber es wird wohl Zeit für Neues, und dem Sozialgefüge im Quartier kann es nur guttun. Insofern vollkommen okay, dass die Stadt jetzt ihre bauplanungsrechtlichen Daumenschrauben aus dem Arsenal holt. Freut mich auch, dass es die UWS ist, die hier Wohnraum schaffen will. Das Gelände ist einigermaßen riesig; wenn man eine Blockrandbebauung annimmt, wie sie sie in der Weststadt üblich ist, dann kann hier sehr viel Wohnraum geschaffen werden. Herausfordernd wird natürlich sein, den Discounter, seine Anlieferung und die von ihm benötigten Parkierungsflächen geschickt unterzubringen und für etwas Auflockerung (kleiner Platz mit größerem Baum an der Straßenecke?) zu sorgen.

      Aus dem Vorhaben lese ich auch heraus -- und hoffentlich nicht zu viel hinein --, dass die Stadt in dieser Ecke Dampf machen will. Natürlich müssen und sollen die (sauberen und nicht-störenden) Kleinbetriebe im Block bleiben können, wenn sie wollen; aber in diesem Block zwischen Söflinger Straße, Scheffoltgasse, Bauhoferstraße/SWU-Betriebshof und Kässbohrerstraße ist viel Potential für Wohnungsbau in fast unmittelbarer Nähe an einer Straßenbahnhaltestelle, wie städtebaupolitisch eben erwünscht.
    • Ulm will neue Sozialwohnungen – Und kein größeres Bordell [SWP]

      Neue Sozialwohnungen bauen, die Erweiterung eines Bordells verhindern: Das soll durch einen Bebauungsplan in Ulm gelingen.

      Unerwünscht: Größeres Bordell in Weststadt [SWP]
      Neue Sozialwohnungen bauen, die Erweiterung eines Bordells verhindern: Das soll durch einen Bebauungsplan an der Söflinger Straße gelingen.

      Der Thierer -- also der andere ;) -- ist dran am Thema.
    • Die UWS hat sich für einen Entwurf für dieses Vorhaben entschieden:


      (Quelle: UWS; Bildrechte: Arbeitsgemeinschaft h4a | bwb architekten h4a Gessert + Randecker Architekten PartG mbB + bwb backeweberbleyle architekten PartGmbB aus Stuttgart)

      Ich finde den Entwurf, den man hier detailliert einsehen kann, sehr gut. Der Riegel zur Straße hin hat sechs Geschosse, die nach innen liegenden Gebäudeteile vier. Mir gefällt der relativ große Anteil an Glas in den kleinen Quasi-Loggien/Wintergärten. Das Viertel ist historisch vom Baumaterial Stein geprägt, oft mit eher kleinen Fenstern. Sorgt sicherlich für etwas mehr Transparenz und Offenheit an dieser Stelle.

      Die Stellplätze für den Discounter sind im UG1 der Tiefgarage untergebracht. Das finde nicht ganz optimal, aber wenn man das Grundstück ausreizen und eine angemessene Zahl an WE -- gute 56 -- herstellen will, geht es wohl nicht anders. Andererseits: Der Anteil an Einkäufern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, dürfte hier auch sehr hoch sein. Mit einer Verkaufsfläche von knapp 1.000 Quadratmeter wird der Laden als Harddiscounter eher eine Nahversorgerfunktion wahrnehmen. Wird schon passen.

      Der Innenhof der Wohnungen setzt auf dem Supermarkt auf. Das reduziert die Höhenwirkung des Gebäudes nach innen; zwei bis vier Obergeschosse um einen Hof herum wirken halt doch anders als drei bis fünf. Die stumpfen Winkel nach innen lockern den Eindruck auf und sorgen für ein bisschen mehr Privatatmosphäre, wenn nicht jede Wohnung von wirklich jeder anderen eingesehen werden kann.

      Vorbildlich: Die UWS hat auch sämtliche anderen Einreichungen aus der Mehrfachbeauftragung online gestellt. Da sind teilweise sehr interessante Ansätze dabei. Vielleicht nicht unter den besten weiteren Entwürfen, aber mir sympathisch: Eine Einreichung schlug Blechelemente in der Fassade und ein Mansarddach mit Bleckverkleidung vor :) . Ganz nett. In jedem Fall prima, wie die UWS sich um die Dokumentation ihrer Vorhaben bemüht.

      Zuletzt noch die SWP-Meldung:

      UWS plant Bau von 56 Mietwohnungen [SWP]
      Die städtische Wohnungsgesellschaft UWS investiert weiter in bezahlbare Wohnungen. In der Weststadt wurde für das Projekt Söflinger Straße 120 ein Gutachterverfahren ausgelobt und jetzt entschieden. Im geplanten vier- bis sechsgeschossigen Gebäude sollen insgesamt 56 Wohnungen entstehen und im Erdgeschoss ein Verbrauchermarkt einziehen.
    • Gute Lösung um die Schmuddelecke aufzuwerten.
      Ich darf das sagen, denn ich bin in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen. Nach vier Jahren Berlin und Hamburg bin ich dort erstmals vor fünf Jahren mal wieder durchgefahren und empfand es schlimmer als je zuvor. Dazu die immer noch unbefriedigende Parksituation im gesamten Quartier zwischen Söflinger- und Wagnerstraße. Die ist allerdings großteils auf Versäumnisse der 70/80er Jahre zurückzuführen.
      Der von Finn angesprochene Supermarktparkplatz war meiner Meinung nach sowieso ein Schandfleck. Mißbraucht wurde er vor allem von Mitarbeitern der umliegenden Firmen zum billigen Parken. Kam man da hin war als Supermarktkunde so gut wie nie ein Parkplatz zu finden. Insofern finde ich die zukünftige Lösung besser.