Sanierung/Ausbau/Neubau Haupttribüne Donaustadion | Friedrichsau

  • Ich denke, das Vorhaben ist groß genug, um einen eigenen Thread zu verdienen.


    Die Verwaltung hat den Mitgliedern im Bildungsausschuss mögliche Varianten für eine (teilweise) Sanierung, einen Ausbau oder einen Neubau der Haupttribüne im Donaustadion vorgelegt. Die Dokumente sind hier einsehbar.


    Der Hintergrund ist, dass sich Ulm als Austragungsstandort der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften etabliert hat und die Veranstaltungen sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Im Vergleich mit den anderen Standorten fällt das Donaustadion in zwei Bereichen deutlich ab: Die Zahl der überdachten Sitzplätze auf der Haupttribüne sowie die infrastrukturelle Ausstattung.


    Die Haupttribüne verfügt nur über knapp unter 1300 überdachte Plätze (Gegentribüne ca. 3000 Plätze). Da das Leichtathletikpublikum solche Plätze stark bevorzugt, waren die Tribünen 2013 und 2014 durchgängig ausverkauft. Die Situation mit den Nebenräumen wird stark kritisiert: Es fehlen Funktionsräume, Duschen, Umkleiden, sowie Räumlichkeiten für Presse, VIPs und Catering. Auch Kassenhaus und Flutlichtanlage könnten in diesem Zuge erneuert werden.


    Die Verwaltung hat drei Varianten vorgeschlagen, die diskutiert werden sollen. Ausgearbeitet worden sind sie von nps, also Nething.
    #1: Grundsanierung Haupttribüne ohne größere Änderungen: ~1,5 Millionen Euro
    #2: Grundsanierung Haupttribüne + Erweiterung der Sitzplätze in die Blöcke D und H hinein, darunter neue Räumlichkeiten: ~13 Millionen Euro
    #3: Abriss Haupttribüne, Blöcke D und H, Neubau einer neuen überdachten Haupttribüne, komplett neuer Funktionsbereich im Bauch: ~16 Millionen Euro


    Die Verwaltung scheint Variante #1 eher pro forma drinzuhaben, es läuft auf eine größere Aktion hinaus. Der Zugewinn an Sitzplätzen wäre allerdings in beiden Fällen eher mager. Aus heute insgesamt ~4.300 überdachten Sitzplätzen sollen 4.700 (#2) oder 5.000 (#3) werden. Durch den Verlust von Stehplätzen sänke die Gesamtkapazität von knapp unter 19.000 Plätzen auf unter 17.000 - wobei das eher eine Randnotiz ist, da die Fußballer keine Aussicht haben, auch nur mittelfristig jemals wieder das Stadion auszuverkaufen :|.


    Persönlich trauriger würde ich den Verlust des legendären D-Blocks finden... :(


    Jedenfalls, es deutet sich an, dass wir hier recht bald Action zu sehen kriegen. Die Stadt gefällt sich in ihrer Rolle als wichtigster Leichtathletikstandort im Süden und hat sich um die DM 2018 beworben - bis dahin muss die neue/sanierte/ausgebaute Tribüne stehen. Da der SSV parallel an einem eventuellen Neubau der Jahnhalle tüftelt, könnte die Herzkammer des Ulmer Sports in ein paar Jahren gänzlich anders aussehen.

  • Fußball-Arena für die Spatzen? [SWP]

    Zitat

    Ein paar Jahre war es relativ ruhig um den Ulmer Fußball, die Verantwortlichen hatten sich nach der dritten Insolvenz ihrer Vorgänger Demut auferlegt. Jetzt setzt dafür FWG-Stadtrat Reinhold Eichhorn nur eine Woche vor dem Pokalhit der Ulmer Spatzen gegen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Sturmlauf an und bringt die Idee eines reinen Fußballstadions in die kommunalpolitische Diskussion. Es soll mittel- bis langfristig neu gebaut werden.

    Zeitlich-taktisch prima platzierte Meldung, vor dem ausverkauften Pokalspiel am Wochenende. Gleichzeitig denke ich an die tollen Bilder aus Berlin, von der Leichtathletik-Europameisterschaft, unter anderem mit einer sehr guten Alina Reh und einem neuen Europameister im Zehnkampf, Arthur Abele, beide vom SSV Ulm 1846.


    Nun mache ich persönlich die Sportförderung auch davon abhängig, wie gut die Vereine wirtschaften und wie seriös sie auftreten. Da hatten sich die Fußballer in früheren Jahren nicht mit Ruhm bekleckert, zuletzt aber Besserung gezeigt. Insofern kann man für solche Ideen (auch wenn sie jetzt nicht aus dem Verein kommt) schon mal aufgeschlossener sein.


    Ich fände es aber falsch, das Donaustadion zu einem reinen Fußballstadion umzubauen. Das ginge extrem auf Kosten vieler anderer Sportarten, die eh schon unter der Dominanz des Fußballs zu leiden haben. Wenn es ein reines Fußballstadion geben soll, dann bitte an einem (auch verkehrlich) besser geeigneten Standort, finanziert durch den Fußballverein und seine Sponsoren und nur mit denselben kommunalen Zuschüssen, wie sie die anderen Vereine unter der Sportförderrichtlinie erhalten.


    Nebenbei, wo ich das Luftbild im SWP-Artikel sehe: Ich fände es immer noch sehr charmant, die angedachte Verlängerung der SSV-Hallenbahnen mit der Tribünensanierung zu kombinieren und die Schwimmbahn einfach in den Unterbau der Tribüne zu legen :D . In den Tribünenneubau sollen ja wettkampftaugliche Umkleiden verbaut werden.

  • Das ist auch so ein Sommerloch-Thema. Lassen wir mal die Kirche im Dorf. Nur weil man nach fast zwei Jahrzehnten des Duchschreitens von Jammertälern mit mehreren Insolventen jetzt endlich mal die Bude im DFB-Pokal voll hat und in der vierten Liga gut gestartet ist gleich das Thema "Reines Fussballstadion" aus der Versenkung zu kramen halte ich schon für vermessen. Das zarte Pflänzchen soll erst einmal gedeihen, heisst Aufstieg und Klassenerhalt in mindestens der dritten Liga und man kann über deutliche strukturelle Verbesserungen nachdenken. Das sage ich als ausgemachter Fußballanhänger!


    Das heißt natürlich nicht, dass das marode Donaustadion nicht einer Frischzellenkur unterzogen werden muss. Hier halte ich einen Kompromiss, welcher den Leichtathleten und Fußballern entgegenkommt für machbar. Konkret meine ich eine moderne Haupttribüne mit allen heute unabdingbaren Einrichtungen (Sicherheitszentralen, Umkleiden, Logen und Businessbereiche mit Gastronomie) sowie 5000 Sitzplätzen. Daneben könnten in Abschnitten auch die beiden Stehkurven modernisiert und überdacht werden. Das ergibt bessere Stimmung, mehr Komfort und besseren Lärmschutz der Anlieger. Anschauungsprojekt ist die Steigerwaldarena in Erfurt. Die Gegentribüne bleibt wie sie ist.

  • Nein der eine Sieg gilt für mich nicht. Sowohl der Verein mit seinen Verantwortlichen als auch der stolze Fußballfan soll den Augenblick dieses Sieges genießen aber die Kirche im Dorf lassen. Es war nach zwei Jahrzehnten ein Sieg und die wahrgenommene Chance wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Noch ist es eine Momentaufnahme. Jetzt gilt es diesem Erfolg eine dauerhafte Basis zu geben.


    Das war ein tolles Fußballfest und hat gezeigt, dass die Fanbasis für den Rasensport zweifelsfrei vorhanden ist. Es hat auch gezeigt, dass die Infrastruktur im betagten Donaustadion für heutigen Verhältnisse, insbesondere was die Sicherheitsbestimmungen des DFB anbelangt nicht vorhanden ist. Sollte sich eine dauerhafte Erfolgsgeschichte mit Aufstieg in den Profibereich abzeichnen wird man ohnehin über Lösungen nachdenken müssen. Ein neues Stadion kostet, wenn man Projekte in Deutschland betrachtet ohne Erschließungen (Parkplätze, ÖPNV etc.) rund 30 - 40 Mio. reine Baukosten. Bin mal gespannt wie die euphorisierten Herren das stemmen wollen.

  • Es hat auch gezeigt, dass die Infrastruktur im betagten Donaustadion für heutigen Verhältnisse, insbesondere was die Sicherheitsbestimmungen des DFB anbelangt nicht vorhanden ist. Sollte sich eine dauerhafte Erfolgsgeschichte mit Aufstieg in den Profibereich abzeichnen wird man ohnehin über Lösungen nachdenken müssen.

    Interessanterweise meint das auch der Sportvorstand der Fußballer:


    „Phasenweise chaotisch“: Kritik an Organisation im Donaustadion [SWP]

    Zitat

    Ausgelassen wurde der Sieg des SSV Ulm 1846 Fußball gefeiert. Doch es gab auch Kritik an der Organisation – und ein Eingeständnis.

    Aber jetzt sollen sie erstmal schauen, dass sie sich im Pokal und in der RL gut verkaufen. Wenn sie dauerhaft vernünftige Arbeit leisten, wird das Wunschvorhaben schon irgendwann konkrete Formen annehmen. (Und ich würde mir wünschen, dass man bei all der Euphorie nicht vergisst, dass man ein ungelöstes Problem mit rechtsradikalen Fans hat; aber das ist offtopic.)

  • Ein neues Stadion kostet, wenn man Projekte in Deutschland betrachtet ohne Erschließungen (Parkplätze, ÖPNV etc.) rund 30 - 40 Mio. reine Baukosten.

    Hallo Wolfe,
    mit den Beträgen war man schon 1999/2000 dabei, als zu unglückseligen Bundesligazeiten der windige KinoWelt-Konzern ein solches Angebot machte. Fußball-"Arena" (Stadien sterben ja langsam aus) für 35 - 40.000 Zuschauer, Kostenpunkt damals nach Komplettabriss Donaustadion ca. 40 Millionen DM. Inflationsbedingt und mit Baukostensteigerung bestimmt ähnlich viel in Euro heutzutage. Ein Stadion ähnlicher Dimension steht heute in Augsburg.
    Das Spielfeld sollte um 90° gedreht werden, Haupteingang an der Front zur Trambahnhaltestelle zu liegen kommen. Dazu wäre ein Teil der Gänswiese mit überbaut worden, mit entsprechenden Einbussen auf die Trainingsplatzkapazität dort. Der Bau einer Leichtathletikanlage hätte ebenfalls verlegt werden müssen, was den Verlust von Veranstaltungen wie der Leichtathletik-DM bedeutet hätte.
    Und das nur um alles dem Götzen Fußball und den Geldgeschäften drumherum unterzuordnen. Mit den bekannten Folgen für Ulm: Mrhrmalige Insolvenzen und ein an den Rand des Ruins geführten Gesamtverein.

  • Klar wäre ein Neubau an der Donau eine schöne Sache. Aber rechnet sich das in der Regionalliga überhaupt? Bin jetzt wahrlich kein Insider aber aus der Distanz betrachtet hat der SSV 1846 nicht immer bewiesen mit Verbindlichkeiten verantwortlich umzugehen.

    Obwohl die Probleme der Welt immer komplexer werden, bleiben die Lösungen beschämend einfach.
    Bill Mollision

  • Wie wäre es mit einer Symbiose zwischen beiden Vostellungen? Wenn jeder Kompromisse bereit ist zu machen kann das eine runde Sache geben.


    Neubau einer Haupttribüne mit der ganzen Infrastruktur (VIP-Bereich und Logen, Sicherheitszentrale, Pressebereich), dazu etwa 5000 - 6000 Sitzplätze. Die Kurvenbereiche werden ebenfalls neu gebaut als überdachte Stehränge. Die neuen Tribüne werden steil gebaut. Der Innenraum wird neu gemacht. Die Stabhochsprunganlage wird wieder ins Infield der Tartanbahn verlegt (wie bei den meisten internationalen Anlagen), somit kann die Leichtathletikbahn und das Spielfeld und letztlich auch die neue Haupttribüne mehr zur Gegentribüne verschoben werden. Die Zuschauerränge werden direkt an die Tartanbahn angeschlossen und fußen auf einem erhöhten Fundament (ca. 70 cm über Niveau Innenraum zur besseren Sicht und die neuen Tribünen ragen steil auf). Durch die Verschiebung wäre hinter der Haupttribüne (zur Stadionstraße) mehr Platz (TV-Logistik und Mannschaftsbusse). Das Stadion ist komplett zu umlaufenden, weil die neuen Kurven nicht mehr als Erdwall ausgeführt sind. Die Gegentribüne bleibt wie sie ist. Damit hätte man eine moderne Arena für beide Seiten mit ca. 18000 Plätzen Gesamt.


    Nur für die Leichtathletik halte ich von einer teuren Sanierung wenig. 20 Millionen dafür, dass man alle vier Jahre deutsche Meisterschaften oder mal eine Jugendeuropameisterschaft ausrichten darf ist purer Luxus. Wer das befürwortet darf über Pläne der Fußballer nicht schimpfen und urteilen. Da finden zumindest 17 Ligaspiele Plus Pikal statt. Zusammen wäre das eine solide Grundauslastung. Gerne kann dann auch mal ein Konzert stattfinden. Der Münsterplatz ist hierzu ohnehin längst ausgereizt.

  • Hui, das ist ein so durchdachter und praktischer Plan, dass man kaum etwas dagegen sagen kann. Wenn man die Nutzungen im Innenbereich geschickt arrangiert, wie von dir beschrieben, kann man einen qualitätvollen Kompromiss produzieren. Du hast natürlich recht, die Kosten wären "nur" für ein mehr oder weniger reines Leichtathletikstadion zu wenig, und ~20 Spiele pro Saison stünden für eine gute Grundauslastung. Es schadet aber sicher nicht, so oder so die Hand zu heben, wenn das Land aber einen Topf füllt; die Gelder fließen ja eh irgendwohin ab.


    Ob die Fußballer mit diesem Kompromiss leben würden, weiß ich nicht; der Trend geht ja seit langem zu reinen Fußballarenen ohne Laufbahnen zwischen Rängen und Spielfeld. Ihr Nachwuchszentrum steht ja nun in der Friedrichsau. Sollten sie eine neue, eigene Spielstätte wollen, steht es ihnen natürlich offen, eine umzusetzen. Seit dem Orange Campus kennen wir ja die Zuschussregularien zur Genüge.

  • Bei einem reinen Fußballstadion reden wir derzeit von alleinigen Baukosten in Höhe von mindestens 30 Millionen. Da ist weder Grundstück noch die Erschließung dabei. Bei den Grundstücks- und Erschließungskosten werden sich öffentlichen Partner auch sehr vornehm zurückhalten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Partner bzw. Investoren gefunden werden, welche eine Arena für Gesamtkosten von 45 Millionen bereit sind zu stemmen. Das setzt auch voraus, dass der Nutzer im Profifußball etabliert ist. Von Beidem ist man weit entfernt, auch wenn seit fünf Jahren wirklich gute und finanziell solide Arbeit geleistet wird. Ich denke mein Vorschlag mit einem modernen Donaustadion, bei dem die Tribünen so nah wie möglich und steil, das Dach weit hereingezogen wird, erfüllt für Jahre die Voraussetzungen an Komfort, Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und letztlich auch Stimmung und damit weitgehend die Voraussetzung der Verbände. Bei einem anvisierten Aufstieg in die dritte Liga müssten ohnehin schon sehr zeitnah erhebliche Verbesserungen im Bereich Sicherheit und Presse- und TV-Bereich sofort umgesetzt werden. Das wäre am ehesten im Donaustadion möglich. Ich sehe das Ganze als win-win-Situation für Stadt, Gesamtverein und Fußballabteilung an, wenn man sich an einen Tisch setzt und eine gemeinsame Kompromissformel sucht.

  • Darauf wird es ja schon hinauslaufen müssen, da der sportliche Erfolg der Fußballer alles andere als plan-, forcier- oder verstetigbar ist. Mit einem wie von dir beschrieben umgebauten und optimierten Donaustadion käme man dicke aus.


    ***


    Kommentar zur Stadion-Frage: Visionen darf man haben [SWP]

    Zitat

    Visionen müssen erlaubt sein, wenn es um eine mögliche Sanierung des Donausdaion geht, findet Magdi Aboul-Kheir.