Altstadt 2.0 / Spitzgiebel 2.0

  • Zurück in die Zukunft…


    Die „neue“ Altstadt, also mit der

    „Altstadt 2.0“ scheint sich ein neues Stadtbild so langsam abzuzeichnen.


    Nicht nur im Online-Dialog zur Neugestaltung der Fußgängerzone / das Sanierungsgebiet (insbesondere im Wengenviertel) wird das deutlich.


    Sondern bereits gebaute Beispiele schicken einige Vorboten voraus:

  • Wie ich vor längerer Zeit in einem anderen Thread schonmal gesagt habe: Ohne Dachüberstände sieht das einfach so richtig unpassend, fast steril aus. Mit wenig Aufwand könnte da große Wirkung erzielt werden, wenn man einfach das Dach auf allen Seiten etwas auskragen ließe und so ein "traditionelles" Erscheinungsbild erzeugen würde. Dazu würden dann die modernen Fassaden, wie sie sind, auch so richtig gut passen.


    Aber diese glattgebügelten Dinger... nee, nix für mich.

  • Gutes neues Strangthema, um die Entwicklung deutlich wahrnehmbar zu machen. Wenn nicht andere schneller sind, mache ich auch eine Runde mit Giebelhäusern, die ich noch im Kopf habe.


    Sputnick Ich denke auch, dass die formulierte Kritik abseits von geschmacklicher Fragen durchaus treffend ist. Jedoch muss man sich vergegenwärtigen, was häufig alternativ gebaut wird. Schau auf Dim Dims vorletztes Bild, das Gebäude Ecke Frauenstraße. So wird stattdessen dann gebaut, wenn nicht durch Bebauungspläne eine Dachgestaltung vorgeschrieben wird. (Ich weiß an dem Gebäude Richtung Frauenstraße schließen dann noch Giebel an) Das ist vollkommen austauschbar und kann so in jeder Stadt stehen. Die Giebelhäuser könnten definitiv noch mehr Originalität aufbringen, so werden beispielsweise in Lübeck nicht unähnlich Giebelhäuser errichtet. Da würde der Dachüberhang schon helfen, den es im Norden nicht gibt. Oder eventuell sogar überkragende Stockwerke? Sowas sieht man nun wirklich nicht häufig heute in modernen Bauten.

  • Sputnick Ich denke auch, dass die formulierte Kritik abseits von geschmacklicher Fragen durchaus treffend ist. Jedoch muss man sich vergegenwärtigen, was häufig alternativ gebaut wird. Schau auf Dim Dims vorletztes Bild, das Gebäude Ecke Frauenstraße. So wird stattdessen dann gebaut, wenn nicht durch Bebauungspläne eine Dachgestaltung vorgeschrieben wird. (Ich weiß an dem Gebäude Richtung Frauenstraße schließen dann noch Giebel an) Das ist vollkommen austauschbar und kann so in jeder Stadt stehen. Die Giebelhäuser könnten definitiv noch mehr Originalität aufbringen, so werden beispielsweise in Lübeck nicht unähnlich Giebelhäuser errichtet. Da würde der Dachüberhang schon helfen, den es im Norden nicht gibt. Oder eventuell sogar überkragende Stockwerke? Sowas sieht man nun wirklich nicht häufig heute in modernen Bauten.

    Ja, ich bin auch eigentlich voll für moderne Giebelhäuser, weil ich die ganzen Kuben, Kästen und was sonst so in die Innenstädte gerotzt wird auch nicht mehr sehen kann. Es ist ja auch in gewisser Weise eine Ulmer Spezialität. Ich ärgere mich nur, dass man mit wenig Aufwand das ganze einfach noch viel schöner und abwechslungsreicher gestalten könnte, wenn man nur wollte.


    Ich erinnere mich noch, als ich im Jahre 2011/2012 neu zugezogen bin, wohnte ich eine Zeit lang in der Fischergasse 20. Ein paar Häuser weiter Richtung Donau, an der Ecke zum Saumarkt, wurde zu der Zeit ein neues Haus errichtet (ich kann mich auch noch an die archäologischen Vorarbeiten erinnern). Als der Rohbau dann die Giebelhöhe erreicht hatte, habe ich zum ersten Mal bewußt diese Bauform wahrgenommen, die ich ja aus Karlsruhe überhaupt nicht kannte. Ich fand das sehr faszinierend, auch mit dem Doppelgiebel und mit dem vermutlich historisch bedingten Knick in der Südostfassade. Ich erinnere mich noch gut, wie ich sehr darauf gespannt war, wie man diese Giebel wohl am Ende in Szene setzen würde, und mich darüber gefreut hatte, dass man wohl einen Neubau in den Flair der Altstadt einpassen wollte.

    Das Ergebnis war dann eher niederschmetternd, weil der fertige Kasten mit seiner weißen Fassade, den großen, dunklen Fenstern als Kontrast und den nicht vorhandenen Dachüberhängen (meiner Meinung nach, natürlich) so ganz und gar nicht ins Ensemble passt, und auch heute noch wie ein Fremdkörper wirkt. Auch da hätte man aus der schönen Grundform in exponierter Lage so viel rausholen können durch eine passende Fassadengestaltung und einer Dachtraufe, die zur Umgebung passt.


    Klar, besser als ein Nullachtfünfzehn-Kubus. Aber ich werd einfach nicht warm mit der Ästhetik.

  • An Dim Dims letztem Bild kann man sehr schön erkennen, daß ein Dachüberstand nicht nur ästhetische Gründe hat, sondern auch eine Funktion erfüllt. Das Gebäude ist noch nicht sehr alt und hat schon Schmutzfahnen an der linken Kante. Das sieht man so oft, dass Designer minimalistisch sein wollen, aber keine Ahnung mehr von der Funktion traditioneller Elemente haben, z.B. wenn Eisenbahnwagen auf dem Dach nicht mehr grau lackiert werden, und man dann ständig sichtbare Verschmutzungen durch den Kohleabrieb des Stromabnehmers hat.

  • An Dim Dims letztem Bild kann man sehr schön erkennen, daß ein Dachüberstand nicht nur ästhetische Gründe hat, sondern auch eine Funktion erfüllt. Das Gebäude ist noch nicht sehr alt und hat schon Schmutzfahnen an der linken Kante. Das sieht man so oft, dass Designer minimalistisch sein wollen, aber keine Ahnung mehr von der Funktion traditioneller Elemente haben, z.B. wenn Eisenbahnwagen auf dem Dach nicht mehr grau lackiert werden, und man dann ständig sichtbare Verschmutzungen durch den Kohleabrieb des Stromabnehmers hat.

    Dazu kommt dann die obligatorische Dachrinnenheizung wenn das Minimalismus-Giebelhaus auch noch mit einer innenliegenden Dachrinne ausgestattet ist.


    Optik ist halt manchmal wichtiger als Funktionalität.

  • Dazu kommt dann die obligatorische Dachrinnenheizung wenn das Minimalismus-Giebelhaus auch noch mit einer innenliegenden Dachrinne ausgestattet ist.


    Optik ist halt manchmal wichtiger als Funktionalität.

    Schon paradox, wenn minimalistische Anmutung mit vielen technischen Extraeinbauten gelöst werden will. Aber die Heizung ist glaube ich nicht die Regel, es gibt auch unsichtbare Dachrinnenlösungen, die ohne auskommen.


    Was mir noch gar nicht so ganz bewusst war, dass die Giebel wirklich nahezu gleich ausgeführt werden. Auch das Farbschema ist sehr limitiert. Was meint ihr, ist das eher ein Vorteil oder ein Nachteil? Vorteil sehe ich darin, dass so natürlich die Charakteristik sehr klar ist. Dazu kommt, dass uns viele historischen Städte, aber auch Viertel z.B. von Anfang des 20. Jhds so stimmig und angenehm vorkommen, weil sie über Jahrzehnte teils über Jahrhunderte immer gleiche Formen verarbeitet haben, oft natürlich bautechnisch bedingt, wie bei den Fachwerkhäusern. So entstehen zusätzlich gewisse Ensemblewirkungen. Nachteil ist, dass heute diese reduzierte Bauweise viel weniger Spiel für Variation lässt -zumindest unter den heutigen ökonomischen Mechanismen, was bei den Altbauten trotz gleicher Formensprache nie der Fall war. Das kann schnell zu Reizarmut führen.


    Persönlich sehe ich eher den Nachteil schwächer, als den Vorteil, weil Städte in der Postmoderne z.B. hoch abwechslungsreich ergänzt wurden, jedoch dieser riesige Mischmasch an Formen und Stilen keineswegs ein angenehmes Umfeld generiert hat. Im Prinzip wäre meine These, dass auch die Hirsch-/Bahnhofstraße unter diesem wilden Mix leidet und nicht profitiert.

    Umgekehrt wird die Alterung der Gebäude zu einer Individualisierung beitragen, wie man es von alten Städten kennt: Da mal ein Anbau, hier ein Fenster nicht mehr ganz im Raster. Dazu müssen jedoch die Häuser auch so alt werden dürfen, was in der fortwährenden Abrisskultur nicht immer gegeben ist.

  • Was mir noch gar nicht so ganz bewusst war, dass die Giebel wirklich nahezu gleich ausgeführt werden. Auch das Farbschema ist sehr limitiert. Was meint ihr, ist das eher ein Vorteil oder ein Nachteil? Vorteil sehe ich darin, dass so natürlich die Charakteristik sehr klar ist. Dazu kommt, dass uns viele historischen Städte, aber auch Viertel z.B. von Anfang des 20. Jhds so stimmig und angenehm vorkommen, weil sie über Jahrzehnte teils über Jahrhunderte immer gleiche Formen verarbeitet haben, oft natürlich bautechnisch bedingt, wie bei den Fachwerkhäusern. So entstehen zusätzlich gewisse Ensemblewirkungen. Nachteil ist, dass heute diese reduzierte Bauweise viel weniger Spiel für Variation lässt -zumindest unter den heutigen ökonomischen Mechanismen, was bei den Altbauten trotz gleicher Formensprache nie der Fall war. Das kann schnell zu Reizarmut führen.


    Persönlich sehe ich eher den Nachteil schwächer, als den Vorteil, weil Städte in der Postmoderne z.B. hoch abwechslungsreich ergänzt wurden, jedoch dieser riesige Mischmasch an Formen und Stilen keineswegs ein angenehmes Umfeld generiert hat. Im Prinzip wäre meine These, dass auch die Hirsch-/Bahnhofstraße unter diesem wilden Mix leidet und nicht profitiert.

    Die Schwierigste Aufgabe ist doch die Einfache Lösung. Diese Philosophie erklärt eine reduzierte / minimalistische Formensprache ganz gut.


    Der Bauhausstil hat sich dazu ja auch aus Deutschland heraus entwickelt. Umso interessanter, wie man eine so altehrwürdige Altstadt neu definieren möchte… 🙂


    Diese Entwicklung und der Städtebau allgemein, verläuft aber in anderen Dekaden. Denke daher die (Haupt-)Aufgabe unserer Zeit ist es, die Altstadt der Nachkriegszeit, weiter durch Sanierung / Aufstockung auf die Höhe der Zeit zu bringen. Stellenweise kann man natürlich auch größer Denken. Aber das eine oder andere wird bestimmt auch „unsere Zeit“ überdauern… 🙂


    Ja, versuche durch die Bilderreihen einen sinnvollen Zusammenhang zu veranschaulichen. Habe bisher 3-4 Stilrichtungen ausmachen können. Wobei die letzten und folgende sich sehr ähnlich sind: