Altstadt 2.0 / Spitzgiebel 2.0

  • Weitere Überlegungen:


    - Bei Sanierungen kann ich mit einer einzigen Ladenzeile im EG noch leben…


    - Wenn man aber die Nebenlagen stärker zu der Fußgängerzone verweben möchte, braucht man vielleicht mindestens noch das 1. Stockwerk dazu. Das könnte man dann auch für Büronutzung verwenden. Wenn aber die Altstadt sich gut entwickelt. Hat man schon Mal für eine höhere Nachfrage vorgesorgt. Also ein grundsätzliche Frage ob, Selbst die Bürgerhäuser ihren Beitrag / einem Mehrwert liefern sollten.


    - Anhand der aufgezählten Beispiele wirkt es „teilweise“ auch zu sehr nach irgendeinem Neubaugebiet im Nirgendwo. Man kann ja sagen gefällt / gefällt mir nicht. Aber irgendwann muss sich auch entscheiden, wie man baut bzw. welche Vision man verfolgt und mir ist das einfach zu oft nicht gut genug für Ulm…


    - Das Argument solche Gebäude würden nur boutiquenhafte Ladenzeilen ermöglichen ist vielleicht gar nicht zutreffend. An 2- und 3-Giebelhäuser sieht man, dass die Ladenzeilen sich auch strecken lassen. Und im Stadtbild waren diese Gebäude schon immer was besonderes…


    - Für die großen Ketten die auch große Handelsflächen benötigen, könnte man auch den Altstadtring (Olgastraße/Münchner Str/Neue Straße/Friedrich-Ebert-Straße) aber auch die „Neutorstraße“ fokussieren. Straßenanbindung + kostenloses Wochenende…


    - Die Touristen erwarten von einer mittelalterlichen Reichsstadt wie Ulm auch Fachwerkhäuser / Giebelhäuser. Ulm könnte sich durch die modernen Giebelhäuser 2.0 neu definieren. Also die Touristen die nach Deutschland wegen der historischen Altstadt kommen, kommen dann auch nach Ulm, um zu sehen wie Ulm für Deutschland die Frage beantwortet, wie man den „verlorenen Charme“ der zerstörten / historischen Altstadt zurückbringen könnte…


    - Man darf halt nicht vergessen, wo die Fußgängerzone sich befindet. Das ist ein sehr alter Boden, vielleicht auch heiliger Boden (wer weiß was für unentdeckte Geschichten nur geradezu warten, zutage gefördert zu werden). Dann aber kommen irgendwelche Investoren aus Düsseldorf oder Hamburg und entscheiden wie hier gebaut werden soll oder was. Das ist immer noch „die Altstadt“. Da hebt man die Ulmer Bodenpolitik immer hoch und dann hat man gar kein Mitspracherecht / nur ein Wörtchen mitzureden oder was?


    - Denke es wird darauf hinauslaufen: Das man viel saniert / aufstockt (in Form von Wengengasse / Motel One). Neue Giebelhäuser werden sich natürlich dazugesellen. Hoffe viel in Form von Keltergasse / Wengengasse und Fischergasse / Saumarkt.
    Und in der Hirschstraße und an der Blau in Form der ersten 3 Beispiele. Auch in Verbindung mit 2- und 3-Giebelhäuser. Diese mögen vielleicht „Schmutzfahnen“ oder nicht besonders praktisch sein. Aber ein „Porsche“ ist auch nicht gerade praktisch. Es ist also nicht für Leute die „Kinder haben“. Es ist mehr fürs „Kinder kriegen“. Dieses Gebäude (Hirschstraße / Pfauengasse) finde ich sehr sexy… 🙂

  • Ich glaube der Sparkassenbau ist nun so wie er ist. Es ist schon ein riesen Turm, da wäre ein anderes Dach wohl noch gewaltiger und würde wahrscheinlich auch dem Architekten unrecht tun, der das Gebäude so wie es ist entworfen hat. Das ist immer das Schwierige, wenn ein Neubau nicht so funktioniert, der steht dann erstmal genau so 40 Jahre mindestens. Deshalb ist Sorgfalt und viel Auseinandersetzung ganz enorm wichtig bei jedem einzelnen Objekt bevor man genehmigt.

    Würde sich nur dazugesellen, also zum Max-Dudler-Bau. Auch kann man ja mit dem Architekten nochmals sprechen, noch ist „nichts verloren“… 🙂



    https://www.maxdudler.de/en/pr…r--und-jugendtheater-ulm/

  • Ich mag an sich jeden Baustil, aber nicht jedes Gebäude gefällt mir. Aber klar habe ich auch Favoriten. Am liebsten mag ich bei eine eher innenstädtischeren Bebauung

    den Historismus und Jugendstil, aber auch der Spätklassizismus oder noch Art déco. Bei eher vorstädtischer Bebauung mag ich klar den Bauhausstil.


    Es gibt auch schöne Spitzgiebelhäuser in Ulm, keine Frage, aber ich finde es nimmt überhand und die Gebäude ähneln sich oft sehr. Gestalterisch könnte man da mehr machen. Sie wirken auch sehr steril.

  • Aki Da könnten wir auch für den ein oder anderen Stil Sammlungen anlegen, wie in dem guten Brutalismus Thread. Ich habe ja auch schon irgendwo im Forum ein wenig Renaissancebauten gesammelt (auch wenn das nicht zwangläufig ein Baustil ist). Ich finde diese Kollektionen sehr bereichernd, z.B. auch was Dim Dim hier quasi im Alleingang gesammelt hat, weil man manches Potential erst durch den neuen Zusammenhang erkennt.

  • Es gibt auch schöne Spitzgiebelhäuser in Ulm, keine Frage, aber ich finde es nimmt überhand und die Gebäude ähneln sich oft sehr. Gestalterisch könnte man da mehr machen. Sie wirken auch sehr steril.

    Naja, die bisher genannten Beispiele sind ja meist verstreut zu finden und auch haben „eher“ die Folgen der Kriegswirren im Stadtbild überhandgenommen…


    Mir gefallen 90% der Beispiele ja auch nicht. Aber Puquio bringt es auf den Punkt. Durch einem groben Überblick, bis hin zur genaueren Betrachtung werden erst langsam die feinen Unterschiede deutlich…


    Vielleicht wird es ja helfen, ganze Straßenzüge diesmal zu transformieren (Neugestaltung Fußgängerzone / Sanierungsgebiet). Durch Rosinenpickerei wie markante Eckgebäude, bleibt dem Bürger das (fehlende) große Ganze undurchschaubar…

  • Weitere Überlegungen:


    - (Zum Argument: zu minimalistisch/steril, wenig Abwechslung): Anzüge scheinen sich auch zu gleichen. Die Farbauswahl ist (bei gutem Geschmack) genauso „limitiert“.

    Ulm muss halt einem stilprägenden / stilsichere / „ulmische Baukultur“ entwickeln. Werden dafür das Rad nicht neu erfinden müssen. Ein Spitzgiebel bleibt aber halt auch die Urform eines Hauses, heutige Kindern lernen das in Form des Spieles: „Haus vom Nikolaus“… 🙂


    - Natürlich kann man nicht viel von einem „normalen Bürgerhaus“ erwarten. Befürchte aber, dass in Zukunft dann diese Häuser einen Stellenwert „genießen“, wie Heute die Nachkriegsbauten. Muss man es also so nicht zweimal anfassen(Baustellen)? Oder fehlt da einfach das große Ganze oder besser gesagt, eine gemeinsame Vision der Altstadt von Morgen?


    - Der „verlorene Charme“ der Altstadt bestand auch durch die „engen Gassen“. Das könnte man insbesondere entlang der Hirschstraße wiederherstellen (auf Straßen die sowieso aufs Münster zulaufen), indem man (teilweise sehr) hohe Giebelhäuser baut. Also die engen Gassen in einem anderen Maßstab neu interpretieren. So hat man den Look / die Stimmung aufgenommen. Jedoch ohne das man wirklich an Straßenbreite verloren hat. Und als Trumpf würde es sich nicht so extrem aufheizen. Verschattung, Mircoklima…


    - Das Problem der ausufernden Außenbestuhlung könnte man lösen, wenn man zum Beispiel das 1.Stock / 2 Stock, also mit einem nach innen gerichteten Wintergarten, mit einem offenen Grundriss im voraus konzipiert. Besonders in verengten Bereichen der Hirschstraße, Münsterplatz, an der Blau könnte man so zusätzlichen / multifunktionalen Platz schaffen…



    - Auch ist das eine Frage des historischen Erbes. Sollte echt mal in einem DeLorean DMC-12 mit Zeitmaschine einsteigen und dann in die Blütezeit Ulms (zwischen den Jahren 1250-1500) reisen und

    bißle erzählen /aufzeigen…

    Nachdem das alte Ulm ein Votum für die Neugestaltung der Fußgängerzone / das Sanierungsgebiet mir mitgegeben hat. Geht es weiter ins Jahr 1890 zur Fertigstellung des Ulmer Münsters, während des zweiten Votums fahre ich noch eine Runde in der Straßenbahn und denke vielleicht wäre eine Straßenbahnfahrt durch die zukünftige Altstadt 2.0 ein ähnliches Abenteuer…


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    - Danach geht es zurück ins gegenwärtige Ulm, auf dem Weinhof angekommen, merke ich die Magie des Schwörhauses ist verflogen. Ein Kopie versucht das schmerzliche Fehlen „gekonnt“ zu verdecken. Mit gesenktem Kopf laufe ich zur Dreifaltigkeitskirche, das könnte genauso in Disneyland Paris so stehen, dabei denke ich an folgende Doku und dass es diese Frankfurter noch schlimmer erwischt hat:


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    - An dieser Doku sieht man diese armselige Einstellung schon wieder. Der Denkfehler dabei ist: So kann die Vergangenheit nicht in Friede ruhen, man holt sie wie Frankenstein vermeintlich zurück, wird aber dadurch nur jedes Mal daran erinnert, was man verloren hat, was man eigentlich vergessen möchte…

  • Puquio Wir können gerne auch zu anderen Baustilen Threads. Hier in der Region gibt es ja auch viele Beispiele der unterschiedlichsten Stilrichtungen

    aus vielen früheren Epochen


    Die neue Frankfurter Altstadt wirkt eher wie eine Art Freizeitpark, alles eher so Kulissenhaft aufgebaut. Klar fehlt auch die nötige Patina,

    aber für mich wirkt sie eher künstlich, wie die Häuser im Europapark zum Beispiel. Für so einen Park ist das ja gut, aber für eine "Altstadt"

    nicht das richtige Flair. Allerdings muss man auch sagen, die Situation in Frankfurt ist eine andere. Dort ist viel mehr zerstört worden

    und auch viel weniger wieder aufgebaut worden in der Nachkriegszeit.

    Die Idee dahinter finde ich im Gegensatz zur Umsetzung eigentlich gut. Man könnte auch in Ulm gerne ein paar Häuser wieder rekonstruieren.

    Es sind auch hier in der Nachkriegszeit einige Häuser, die sogar geringer beschädigt waren, abgerissen worden.

    Was ich mir auch vorstellen könnte ist, wenn schöne Gebäude anderswo nicht mehr genutzt werden und diese von Zerfall oder abriss bedroht werden,

    sie transloszieren und so an anderen stellen, zum Beispiel in Ulm, wieder aufzubauen. Diese sollten dann natürlich baulich auch zu Ulm passen.

    Allerdings ist da die Wirtschaftlichkeit natürlich geringer, als bei einem Neubau. daher kann das nicht die normale Privatwirtschaft umsetzen.

  • Der „verlorene Charme“ der Altstadt bestand auch durch die „engen Gassen“. Das könnte man insbesondere entlang der Hirschstraße wiederherstellen (auf Straßen die sowieso aufs Münster zulaufen), indem man (teilweise sehr) hohe Giebelhäuser baut. Also die engen Gassen in einem anderen Maßstab neu interpretieren. So hat man den Look / die Stimmung aufgenommen. Jedoch ohne das man wirklich an Straßenbreite verloren hat. Und als Trumpf würde es sich nicht so extrem aufheizen. Verschattung, Mircoklima...

    die engen Gassen verbreiten ihren Charme aber nur durch ihre 'krumme' Bebauung, durch das Fachwerk, durch die schöne, organische Unregelmäßigkeit der Häuser, die aber trotzdem ein ganzes stilistisches Ensemble ergeben....ja, auch durch eine entsprechende unregelmäßige Bepflasterung der Wege. Sowas lässt sich nicht durch moderne, sterile und per copy&paste entworfene Gebäude erreichen. Bei den heutigen Gibelhäusern ist mehr Platz, mehr Luft, mehr Abstand notwendig, denn sonst droht die Bebauung einen zu erdrücken. Die organische Komponente in der heutigen Architektur ist ja fast völlig abhanden gekommen

  • Weitere Überlegungen:


    - Eine Anlehnung an die mittelalterlichen "Hausschilder" (wie in der Platzgasse), also als prägnantes Stilelement:



    - Denke eine puristische/minimalistische Formensprache entspricht genau dem Zeitgeist. Siehe die aktuelle IAA (München). Ein Konzeptfahrzeug wirkt auch sehr futuristisch. Und doch sind die kommenden „Serienfahrzeugen“ gar nicht so weit weg davon. Insbesondere die Elektroautos
    läuten langsam die Zukunft ein, werden das Straßenbild „stückweise“ verändern und mit Ihnen auch eine neue Stadtgestalt…


    - Durch dieses Strangthema bekommt man ein geschultes Auge für das große Ganze der Altstadt 2.0. Wie bereits geschrieben, wird dass aber erst so richtig deutlich, wenn ganze Straßenzüge gemacht werden könnten oder mithilfe einer Visualisierung / VR-Brillen arbeiten, um verschiedenste Möglichkeiten der Stadtgestaltung der Bürgerschaft gut veranschaulichen zu können / nahe zu bringen. Ulm ist ja Smart-City. Da gibt es also reichlich Potential…


    - Die Stadtverwaltung hat einem klaren Auftrag von der Bürgerschaft bekommen. Die Leute wollen Spitzgiebel sehen und dann sollen sie auch welche bekommen. Das höre ich auch immer wieder in Gesprächen heraus. Wie das Argument mit dem „gesichtslosen Kuben“, die überall ja gleich aussehen. Wobei ich entgegen würde: Es kommt auch niemand auf die Idee, nach Paris, Wien, Budapest… zu gehen und danach zu sagen, ach alles gleich!! Das „ist“ / war der Zeitgeist einfach. Und darum ist die Stadtgestalt auch so wichtig. Vielleicht ist es sogar "ein Geschenk." Ulm hat eine bedeutende Geschichte und dass muss sich „mindestens in der Altstadt 2.0.“ auch sichtbar werden...