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    Streit ums Blaubeurer Tor in Ulm: Kommen alle Zinnen zurück?

    Von Dagmar Hub | 27.07.2026 – aktualisiert: 28.07.2026, 07:16 Uhr

    Sechs Jahrzehnte lang musste sich das Blaubeurer Tor unter der Brücke der B 10 verstecken. Seit der Abriss dieser Brücke das einst größte und beeindruckendste Stadttor wieder freigestellt hat, wird über seine künftige Gestaltung diskutiert. In den späten 60er Jahren wäre das Tor beinahe geschleift worden. Bei der Landesgartenschau 2030 soll es nun eine wichtige Rolle spielen. Am Sonntag, 2. August, will der Förderkreis Bundesfestung das Tor mit Aktionen in die Herzen und Köpfe der Menschen bringen.

    Begehbar ist das Blaubeurer Tor derzeit nicht. Die Baustellensituation lässt das nicht zu, auch wenn das Bauwerk aus der Ferne nun besser wahrnehmbar ist. Das Tor wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als bedeutendes Bauwerk der Bundesfestung Ulm errichtet. Es gilt als architektonische Meisterleistung und steht auf 736 Holzpfählen im Überschwemmungsgebiet der Blau. Der Förderkreis Bundesfestung will das Tor deshalb zu den Menschen bringen. Dem Verein liegt es besonders am Herzen: Seine Gründung 1974 geht auf den damaligen Kampf um den Erhalt des Tores zurück, den vor allem Otmar Schäuffelen und Hellmut Pflüger führten.

    Eine Illumination im August des Förderkreises Bundesfestung

    Weithin sichtbar soll das Tor am Abend des 2. August werden. Nach Einbruch der Dämmerung startet eine Illumination, abgestimmt mit der Stadt Ulm und dem Denkmalschutz. Zudem ist ein Livestream geplant. Er soll unter anderem vom Dach des Tores senden, das zu einer begrünten Fläche werden soll. Auch Einblicke in die derzeit weitgehend leeren Innenräume sind vorgesehen. So sollen die Menschen in der Region die Punkte sehen, über die aktuell diskutiert wird.

    Eine Abstimmung soll ein Meinungsbild liefern. Befürworten die Menschen den von der Stadt Ulm vorgestellten Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs? Er sieht stadtseitig eine schlichte Ziegelmauer vor. Oder wünschen sich die Menschen Schmuckelemente zurück, wie sie das Blaubeurer Tor einst prägten? Im Mittelpunkt stehen die Zinnen, über die besonders diskutiert wird. Hinzu kommen zwei kleine Türmchen, die es früher gab. Bei einer Rekonstruktion wären sie für die Öffentlichkeit wieder begehbar.

    Das Blaubeurer Tor in Ulm hatte Ecktürmchen

    Matthias Burger, Vorsitzender des Förderkreises Bundesfestung, verweist auf Details, die heute kaum bekannt seien. Das Blaubeurer Tor habe nicht nur die beiden massiven Tore gehabt, die jeder kennt. Stadtseitig habe es auch zwei zierlichere kleine Ecktürmchen gegeben.

    Dem Förderkreis geht es nach eigenen Angaben nicht um Nostalgie. Es gehe darum, das Tor als Identifikationsort von der heutigen Stadtgesellschaft wieder in Besitz zu nehmen. Zudem gebe es nun die einmalige Chance, das Tor wieder so repräsentativ zu gestalten, wie es einst gewesen sein müsse. Der Förderkreis wirbt deshalb für einen ostseitigen Abschluss mit Zinnen – und nicht für die im Siegerentwurf vorgesehene schlichte Ziegelmauer. Der Entwurf habe sonst durchaus seine Qualitäten, sagt Burger. Die Lösung am stadtseitigen Gesims im Osten des Tores sei mit einer Ziegelmauer jedoch unbefriedigend. Erst nach dem Abriss der Brücke werde richtig sichtbar, wie sehr die Zinnen fehlen. Für den Bau der Brücke waren sie abgeschlagen worden.

    Der Förderkreis Bundesfestung setzt in diesem Zusammenhang auf Demokratie: „Wir werben für das Thema, für die Zinnen. Sollte die Umfrage zeigen, dass die Menschen gegen eine Rekonstruktion der Zinnen sind, beugen wir uns einer Mehrheit“, sagt Matthias Burger.