Beiträge von Sputnick

    Meine Erfahrung ist, dass meine Nutzungsänderung nur bedingt mit dem Autoverkehr zusammenhängt. Klar überlegt man, ob man sich das Geld fürs Parken nicht lieber spart (oder auch das nicht ganz billige ÖPNV Ticket), klar fährt man dann im Zweifel nach Senden z.B. ins Industriegebiet. Aber viel viel öfter gehts mir so, dass ich allgemein nicht mehr die Filialisten aufsuche. Mein Einkauf beginnt sowieso mit der Recherche - was überhaupt für ein Teil meinen Bedarf decken kann - im Internet. Und wenn ich mich da entschieden habe, bin ich ehrlich gesagt selbst für einen kleinen Rabatt nicht mehr sehr motiviert das Geschäft zu finden, dass diesen Bedarf deckt. So kommt es dann, dass ich in die Stadt reinfahre, um die Stadt zu erleben, Essen zu gehen und Freunde zu sehen. Aber zum Einkaufen relativ spezifisch nur noch, z.B. weil ich ein individualisiertes Produkt brauche, einen Fachmann, bzw. einen Filialisten, den es sonst nirgends gibt. Da ich von Deinem Führerschein her auf ein ähnliches Alter schließe Aki , war ich aufmerksam bei Deiner Aussage, dass Du heute kaum mehr Geschäfte aufsuchst.

    Da glaube ich sehr wohl, dass es vielleicht eine generelle Entwicklung gibt, welche solche Städte gleicher Größe und Einzugsgebiete trifft, wie Ingolstadt/Ulm. Bisher war diese Kannibalisierung hauptsächlich auf Klein- und Mittelzentren begranzt, jetzt kommen die Oberzentren dran.

    Geht mir ähnlich, und ich bin vermutlich älter als ihr beiden ;-) Seit ich circa 2013 aus dem Fischerviertel erst auf den Eselsberg und dann ein paar Meter weiter runter in den Pfaffenhau gezogen bin, verschlägt es mich eigentlich nur noch in die Innenstadt, wenn ich dort mal mit Freunden/Kollegen was essen oder trinken gehen will (was in letzter Zeit aus gegebenem Anlass auch nicht mehr vorkommt), oder wenn ein Arztbesuch bei einem der dort ansässigen Spezialisten ansteht. Höchstens wenn man mal Besuch von außerhalb bekommt, geht man mal Richtung Münster oder Fischerviertel aus touristischen Gründen.

    Wenn's ein gastronomisch geprägter Innenstadtbesuch ist, nehme ich promillebedingt den ÖPNV, ansonsten steuere ich mit dem Auto direkt eins der Parkhäuser an, weil das einfach bequem ist, und normalerweise sind die Parkgebühren günstiger als zwei Tickets für den Bus. Zwischenzeitlich habe ich den kostenlosen ÖPNV am Samstag sehr gerne genutzt, seit Infektionsgefahr und Maskenpflicht habe ich darauf aber ehrlich gesagt keine Lust mehr. Trotzdem würde ich mir auch nach der Corona-Krise gerne weiterhin einen dauerhaften kostenlosen ÖPNV zumindest an Wochenenden wünschen...


    Zum Einkaufen gehe ich seit meinem Wegzug quasi gar nicht mehr in die Innenstadt. Wozu auch? Die relevanten Ketten gibt's im Blautal-Center und in der Glacis-Galerie leichter erreichbar, und in ersterem mit kostenloser Parkmöglichkeit. "Durch die Fußgängerzone flanieren" zu können war noch nie ein Anreiz für mich, viel zu viele Menschen und die ewig gleichen Läden. Die Galeria Kaufhof habe ich in knapp 10 Jahren nicht einmal aufgesucht. Für Lebensmittel in die Stadt zu fahren ist ja eh völliger Blödsinn. Ärzte und Dienstleister suche ich mir nach Möglichkeit außerhalb der Innenstadt, was mir mit wenigen Ausnahmen auch gelingt. Seit ich in Blaustein wohne, bleibt mir dankenswerterweise auch der Gang zur überfüllten und schwer erreichbaren Hauptpost am Bahnhof erspart, was Online-Bestellungen noch attraktiver macht - Abholshops für alle relevanten Paketdienste und die Packstation sind eh im Blaupark an der Hummelstraße vorhanden.


    Abgesehen von Barfüßer und diverser anderer Gastronomie hat die Ulmer Innenstadt für mich einfach kein Alleinstellungsmerkmal, das einen Besuch derselben für mich rechtfertigen würde...

    Ich glaube was gern missverstanden wird -auch weil die Politik aus rechtlichen Gründen das so provoziert- ist, dass diese Projekte keine Verkehrsprojekte im klassischen Sinn sind. Es geht zwar auch am Rande um effektivere Strukturen (weniger Material mehr Leistung), jedoch hauptsächlich geht es um eine effektivere heißt wirtschaftende Nutzung von Innenstadtflächen. Man sieht das in Altona, in München, in Stuttgart, selbst in Ulm, überall wird Gleisfläche zugunsten von Wohn-und Büroflächen zurückgebaut. Rechtlich darf die Infrastruktur jedoch nicht weniger leistungsfähig werden. Daher werden die Projekte teurer, weil mehr unter den Boden muss, mehr Durchgangsbahnhöfe sein müssen, einfach weil bei gleicher Leistungsfähigkeit weniger Fläche genutzt werden darf. Ist bis zu einem gewissen Grad sinnvoll, da Wir Unsere begrenzten Flächen natürlich maximal effektiv nutzen müssen. Die Folgen sind aber mangelnde Reziprozität und schwierigere Ausbauoptionen und genannte Kosten, welche sich mehrfach niederschlagen (limitiertes Gesamtbudget fürs Schienennetz). Also ein schmaler Grad.

    Bei S21 hat man dann leider (sicherlich bedingt durch die Proteste, die jahrelangen Verzögerungen und Kostensteigerung) am falschen Ende gespart, indem man sich den Weg für eine sofortige oder auch spätere Kapazitätserweiterung auf 10 unterirdische Gleise buchstäblich verbaut hat. Die wären unter den gegebenen Platzverhältnissen gerade noch drin gewesen, eine bauliche Vorbereitung hätte aber zu Mehrkosten geführt. Heutzutage würde man es vermutlich trotzdem machen (andere Erweiterungsoptionen beispielsweise an der Wendlinger Kurve werden ja bereits umgesetzt), aber nun ist es wohl zu spät und die Achtgleisigkeit in Beton gegossen...

    Auch ganz spannend, den Zustand bzw. die Existenz der umliegenden Gebäude mal mit dem heutigen Zustand zu vergleichen (ich hab dafür einfach mal Google Maps in 3D verwendet). Beispielsweise wurde im Film noch beschrieben, wie das damalige AOK-Gebäude aufwendig unterfangen und mit Trafostation im Keller versehen wurde. Heute ist da eine Grünfläche... Die Gebäude, die dem Xinedome Platz machen mussten, sind im Film auch noch zu sehen, ebenso das alte Stellwerk. Und die alte Zinglerbrücke in Stahlrahmenbauweise!

    Vielen Dank für die Bilder, reinhold, ganz toll! Damit läßt sich was anfangen. Ich habe auch noch eine Einfahrt in den Hbf bei S21Bau.TV gefunden:


    Man erkennt ganz klar, dass man in der Sperrpause nur das nötigste machen konnte, um die neuen Gleise der Filstalstrecke anzubinden, und da noch sehr viel umzubauen ist, hoffentlich dann durch Gleisverlegungen machbar ohne nochmal längerfristig sperren zu müssen.


    Die neuen Gleise sind ja nun geometrisch auf ihr zukünftiges Ziel, Bahnsteig 3/4, ausgerichtet. Man hat sie dann provisorisch an das existierende Vorfeld dieser Bahnsteige angeschlossen (die alten Weichen sind an den Holzschwellen gut zu erkennen). Aus Stuttgart kommend fädelt sich das rechte Gleis jetzt auf die alte Zufahrt von Bahnsteig 3 ein, die ja kurz vor Bahnsteiganfang noch eine Querverbindung zu Bahnsteig 2 bietet, die nun auch genutzt wird. Das ist der Weg, der im oben verlinkten Einfahrtsvideo genommen wird.


    Zusätzlich gibt es bereits den Bypass vom linken Gleis direkt auf Bahnsteig 2, der auch für den Endzustand vorgesehen ist, in dessen Verlauf allerdings noch 1-2 Weichen fehlen. Diese Verbindung scheint auch schon genutzt zu werden, zumindest ist auf einem von reinholds Bildern ein IC aus Stuttgart auf diesem linken Gleis zu sehen. Das ist eigentlich das falsche Richtungsgleis; ich vermute, diese Züge nutzen den Gleiswechsel nordöstlich des Bahnhofsbereichs, um vor der Einfahrt zu wechseln. Es gibt also momentan zwei Wege, um aus Stuttgart an Bahnsteig 2 zu kommen, somit kann man am jeweils anderen Weg herumbasteln.


    Früher oder später wird man Bahnsteig 2 trotzdem temporär abhängen müssen, da an die Stelle der aktuellen Querverbindung von 2 nach 3 dann die Weiche zwischen Tunnel und Bypass zu liegen kommt (das dürfte übrigens auch der Grund sein, warum das linke Tunnelgleis nicht bereits während der Sperrpause angeschlossen wurde!). Man sieht auf den Bildern schön, dass anstelle des ehemaligen Durchgangsgleises, das die ganze Diskussion hier angestoßen hat, bereits entsprechende Kabelschächte und Fahrleitungsmasten installiert wurden und man die zukünftige Gleisführung bereits gut erahnen kann. Es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis zumindest die Fernzüge aus Stuttgart tatsächlich an Bahnsteig 3 oder 4 ankommen werden...

    Leider erkennt man auf der Webcam die entscheidenden Stellen nicht. Falls jemand mal in der Nähe sein sollte und Fotos vom Vorfeld machen könnte, wo man die Weichen und Fahrwege sehen kann, evtl. von der Ludwig-Ehrhardt-Brücke runter in Richtung Bahnhof, wäre ich dankbar und könnte vielleicht noch etwas mehr spekulieren ;-)


    Aber von dem, was ich sehen kann, und nochmal den finalen Gleisplan als Kontext hernehmend: Es sieht so aus, als wäre das Richtungsgleis aus Stuttgart direkt an Gleis 2 angebunden. Im Bereich vor Gleis 3/4 sind im Endzustand ein Dutzend Weichen vorgesehen, die ich auf der Webcam nicht erkennen kann. Meine Vermutung ist daher, dass man nun "auf die Schnelle" nur das nötigste eingebaut hat, um aus Richtung Stuttgart auf Gleis 2 zu kommeṇ, d.h. nur die Kreuzungsweichen über das Gegengleis, oder vielleicht nichtmal das, wenn man den Gleiswechsel nordöstlich des Bahnhofs in Anspruch nimmt und dort bereits aufs Gegengleis wechselt. Ich kann auf der Webcam leider nicht erkennen, wieviele und welche Weichen bereits unter der Ludwig-Ehrhardt-Brücke liegen. Das würde auch erklären, warum die Fernzüge nach wie vor von 1/2 fahren, weil man durch das fertiggestellte Ostgleis und eben den nun eingebauten halb-provisorischen "Shortcut" die Anbindung relativ zügig vornehmen konnte.


    Mehr als ein Dutzend Weichen nebst den notwendigen Änderungen im Stellwerk in 3 Wochen Sperrpause zu bauen, hatte ich von vorneherein als sehr sportlich empfunden, zumal der Betrieb auf 3/4 aufrecht erhalten werden musste und eben auch in deren Vorfeld ein Totalumbau stattfinden muss, um die Strecke aus Geislingen final einzuführen. Ich denke, man wird dann im neuen Jahr die Bahnsteige 3/4 Nord sperren (Regiozüge dann von 5/6) und das Kuddelmuddel im Vorfeld in Ruhe und ordentlich neu sortieren. Ich hoffe nur, dass man jetzt bereits die für den Fernverkehr relevanten Weichen eingebaut hat, um da nicht nochmal sperren zu müssen.

    Klar ist das in Ordnung, die Quelle ist angegeben und verlinkt :). Danke für das Update!


    Ich bin heute über den Berliner Ring gefahren, und beim Vorbeifahren und jetzt wieder dachte ich mir, dass eine Fußgängerüberführung an der Kreuzung viel Sinn ergäbe. Im Hinterkopf habe ich dabei einen möglichen vierspurigen Ausbau des Rings, wie er zwischen den Kreuzungen Science Park III und Science Park I bzw. Sporthalle Nord möglich und nötig wäre.

    Und ich frage mich immer noch, wie man über dieselbe Kreuzung dann irgendwann mal noch die Straßenbahn führen möchte...

    Naja, ich denke das Durchfahrtsgleis wurde vor allem für Güterzüge genutzt, und davon werden ja eher wenige über die Schnellbahnstrecke kommen, und wenn dann nachts, wenn am Bahnhof eh nichts los ist. Von der Geislinger Altstrecke aus die Schnellbahntrasse zu kreuzen, nur um den Bahnsteigen fernbleiben zu können, ist betrieblich vermutlich nicht sinnvoll. Da kann man sich die Weichen, Signalisierung und Aufwand im Stellwerk schon sparen.


    Wenn man sich den zukünftigen Gleisplan [1] betrachtet, sieht man auch, dass schon platztechnisch kaum möglich wäre. Aus Richtung Neu-Ulm müsste noch im Bereich des Hausbahnsteigs auf Gleis 1 gewechselt werden, um dann die Ostumfahrung der Tunnelrampe zu nutzen; da kann man den Zug auch gleich komplett am Bahnsteig entlangführen (oder eben weiter westlich, was logischer erscheint). Für die Gegenrichtung hat das noch weniger Sinn: da müsste man nicht nur das eigene Gegengleis, sondern auch noch das Gleis der Schnellbahnstrecke kreuzen, um das Durchgangsgleis zu erreichen, und das in dem sehr begrenzten Raum zwischen Tunnelrampe und Bahnsteigbeginn. Kurzum, die Altstrecke fädelt nunmal zukünftig an Gleis 3/4 ein, und somit ist das Durchgangsgleis zwischen 1 und 2 völlig unnötig (außer man wollte Züge der Schnellbahnstrecke von den Ulmer Bahnsteigen fernhalten... s.o.).


    Dazu kommt noch, dass ein Gleiswechsel zwischen 1 und 2 im Bereich der Bahnsteige vorgesehen ist, dem das Durchgangsgleis ebenfalls im Weg wäre. Ich denke, der ist notwendig, falls mal eine der Tunnelröhren gesperrt werden muss. Weiß jemand, ob diese Weichen in der aktuellen Sperrpause bereits eingebaut werden? Beim Bau der Ostumfahrung hatte man sich ja merkwürdigerweise die dort noch vorgesehene Weiche für das noch zu bauende Abstellgleis Ost erst mal gespart...


    [1] Gleisplan erkennbar in dem von mir weiter oben verlinkten Video, ca. 14:40

    Heute gesehen:

    - Abschnitt zwischen Hasenkopf und der Waldtrasse ist fertig.

    - zwischen Uni-Süd und Botanischer Garten wurde diese Woche mit der Begrünung begonnen.

    Richtig, wollte ich ja auch noch berichten, ich bin Donnerstag da lang gefahren. Auf ganzer Länge sind die Gleise in der Wissenschaftsstadt bereits mit diesen "Gummiteilen" (in Ermangelung des Fachbegriffs) versehen, die Schachtdeckel auf die endgültige Höhe gebracht, und Restarbeiten bei der Asphaltierung erledigt, so dass es nun zügig weitergehen kann.

    Nach mehrmaligem Befahren der Linie 2 hatte ich gesehen daß fast alle geschotterten Abschnitte nun mit dem Substrat befüllt wurden auf denen das Gras wachsen soll. Nur der Abschnitt zwischen Hasenkopf und der Endschleife fehlt noch größtenteils.

    Ich glaube zumindest die Lise-Meitner-Straße fehlt auch noch (falls sie das nicht diese Woche erledigt haben), vermutlich auch Albert-Einstein-Allee. Kanaldeckel etc. sind aber schon auf die finale Höhe gesetzt worden in den letzten Tagen...

    Das Problem dabei ist für mich folgendes:

    Die Stadt Ulm und mit ihr alle Steuerzahler, nicht nur Handel und Wirtschaft, müssen diese Infrastruktur bereitstellen und bezahlen. Daß dafür Gebühren erhoben werden halte ich nur für folgerichtig. Ich finde deswegen das Angebot kostenlosen ÖPNV und kostenfreie P&R-Plätze für richtig, auch vielleicht irgendwann unter der Woche.

    Wenn so ein Angebot da ist sehe ich keinen Grund Parkhäuser und Parkplätze am Straßenrand in der Innenstadt kostenfrei anzubieten. Es wird keiner gezwungen sich in den Stau zu stellen und teure Parkgebühren abzudrücken. Das ist ja nur der finanzielle Aspekt.

    Ich fände ein Umdenken in den Köpfen der Menschen viel wichtiger: Nämlich daß die Menschen in der Stadt auch eine lebenswerte Umgebung haben wollen. Die Zeiten mit halb so vielen Autos auf Ulms Straßen sind seit ca. 20 Jahren vorbei. Und der Platz ist endlich, sonst hätten wir nämlich wieder 4-spurige Schneisen durch die Stadt.

    Da gehe ich voll mit dir konform. Infrastruktur gehört in öffentliche Hände. Steuerfinanziert, und nicht gewinnorientiert betrieben. Gilt natürlich nicht nur für Ulm und nicht nur für den ÖPNV. Dass z.B. die Bahn als gewinnorientiertes (glücklicherweise dann doch nicht vollprivatisiertes) Unternehmen betrieben wird, halte ich für ein Unding.


    Und natürlich darf Parkraum dann auch was kosten, wenn es sinnvolle Alternativen gibt.

    Nunja, vor Einführung des samstags kostenfreien ÖPNV haben die P&Rs doch was gekostet, meine ich? Der Deal "3,50€ für Parken + ÖPNV-Tagesticket für 5" war ein trotzdem ein recht guter, gerade für Familien. Leider eben nur samstags. Ich weiß nicht, ob man an anderen Tagen auf den P&Rs kostenfrei parken darf/durfte und dann eben nur für das Ticket gelöhnt hat, ich hab das nie in Anspruch genommen.


    Mein Punkt ist aber ein anderer: Solange es Geld kostet, in die Innenstadt zu kommen, sei es für den ÖPNV oder fürs Parken, fahren eben weniger Leute in die Innenstadt. Wer aus dem Umland kommt und für den Besuch der City mindestens 4,20€ berappen muss, der geht dann eben eher ins Blautal-Center oder bestellt online. Das mag man gut finden, dann darf man sich aber auch nicht über die Probleme des innerstädtischen Einzelhandels beschweren.


    Will man den Einzelhandel wieder attraktiver machen, und ihm im Kampf gegen den Onlinehandel helfen, die Kunden aus dem Umland in die Innenstädte locken, dann muss man diese Hürden beseitigen. Entweder durch gute Erreichbarkeit und kostenloses Parken, oder (sehr viel besser) durch einen kostenlosen oder zumindest sehr viel günstigeren ÖPNV mit P&R an der Peripherie, und das vorzugsweise nicht nur am Samstag, wenn eh alles voll ist. Ein Kompromiss wäre vielleicht die von mir angesprochene Verrechnung der Park-/ÖPNV-Kosten mit Einkäufen oder Gastronomie, als Anreiz dann in der City auch Geld auszugeben. Die Sedelhöfe werden sicherlich Bummler anlocken, aber oft braucht man eben nur eine Kleinigkeit und will nicht stundenlang durch Ladenzeilen flanieren - und dann lohnt es sich einfach nicht, dafür extra zu zahlen.


    Jetzt die Baustellen dafür verantwortlich zu machen halte ich für verfehlt. Zumindest ich persönlich würde die City auch ohne Baustellen nicht wesentlich häufiger frequentieren, weil es mir eben um die Mehrkosten geht, die ich mir dann halt durch die grüne Wiese oder Onlinehandel erspare. Ich denke, ich stehe damit nicht alleine.

    Früher bin ich "mal eben" beim Mükra in der Neutorstrasse vorbei, wenn ich ein paar "wichtige" Kleinigkeiten gebraucht hab. Das sind so spontane Einfälle, da fährt man mal kurz vorbei aufm Weg von der Arbeit. Nur ein paar Minuten Umweg und man hat das gewünschte gleich in der Hand.


    Eigentlich kaufe ich gern da, wo man die Ware mit den Fingern angucken kann, Ulm legt einem da aber mächtig Steine in den Weg. Da kauf ich doch lieber online … das schlimme daran: man gewöhnt sich an die schnelle unkomplizierte Lieferung in die Packstation, die rund um die Uhr ”geöffnet” ist. Mir ist inzwischen lieber, 2 bis 3 Tage auf etwas zu warten, als mit dem Auto nach Verkehrs- und Parkhorror-Ulm zu fahren.


    Und wegen irgendwelchen Kleinigkeiten mit ÖPNV nach Ulm fahren? Fällt mir ja im Traum nicht ein, da kostet mich das Strassenbahnfahren mehr als das Porto für einen Onlinekauf.

    Sehe ich ähnlich, hat aber bei mir nicht mit dem Verkehr zu tun, sondern mit dem Nichtvorhandensein kostenloser Parkplätze. Ich hätte kein Problem damit, mal ne Viertelstunde im Stau zu stehen, wenn ich dafür eine Ware "sofort" (also taggleich) bekommen kann. Dafür dann aber 3 Euro Parkgebühren oder 4,20€ für die Bahn zu berappen, wenn der große Onlinehändler mir die Ware am nächsten Tag portofrei in die Packstation beim Aldi legen kann, sehe ich nicht ein - zumal der Onlinehändler den Einzelhandel in den allermeisten Fällen auch preislich unterbietet. Dann warte ich halt bis zum nächsten Tag und verbinde die Abholung gleich mit dem Lebensmitteleinkauf.


    Bei Dingen, die meine Präsenz erfordern (z.B. Ärzte), spielt die Parkplatzsituation inzwischen auch eine große Rolle bei mir. Ich fahre lieber nach Erbach, wo ich einen kostenlosen Parkplatz neben der Praxis habe, statt mit Bahn/Bus/Auto zum Facharzt in die City zu fahren und wahlweise für Ticket oder Parken zu löhnen. Der Zeitaufwand ist ähnlich, der Frust deutlich geringer.


    Mir ist durchaus bewusst, dass ich damit dem Einzelhandel schade, aber wenn ich Zeit und Geld investieren soll, möchte ich auch einen Mehrwert haben, und es ist ja leider in den meisten Fällen heutzutage nicht so, dass persönliche Beratung das rausreißt - ich recherchiere sowieso online und weiß meistens ziemlich genau, was ich haben möchte. Häufig (leider) besser als der Verkäufer.


    Vielleicht muss man wirklich über kurz oder lang den Weg gehen, ÖPNV grundsätzlich kostenlos zu machen und an der Peripherie auch kostenloses P&R anzubieten, wenn man den Einzelhandel in den Städten erhalten will - zumindest, wenn man auf Kundschaft aus dem Umland angewiesen ist. Eine andere Idee wäre zum Beispiel, den Preis für Tickets bei Einkauf in der Innenstadt verrechnen zu können, wie manche Parkhäuser es ja schon machen...