Ulm | Fertiggestellt | Das Ulmer Münster eine Bürgerkirche 5

Ulmer Münster Geschichte Die alte Pfarrkirche stand einst ungeschützt vor den Mauern der Stadt, „über Feld“. 1376 wurde Ulm von Kaiser Karl IV. belagert. Der Kirchgang wurde zur Gefahr. So entstand der Plan, eine neue Kirche innerhalb der Stadtmauern zu errichten, zumal die alte Pfarrkirche gar nicht der Stadt, sondern dem Kloster Reichenau am Bodensee gehörte. Das bedeutete nicht nur, dass die Reichenauer Mönche allein bestimmten, wer in Ulm als Pfarrer eingesetzt wurde, sondern es flossen auch sämtliche Spenden geradewegs in die Kassen des Klosters. Die Ulmer hätten dieses Geld viel lieber selbst verwaltet. Grundsteinlegung Nachdem der Kaiser zum Abzug gezwungen und im Mai 1377 auch der württembergische Graf Ulrich durch den Städtebund unter der Führung Ulms besiegt worden war, konnte mit dem Bau der neuen Pfarrkirche begonnen werden. Am 30. Juni 1377 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung durch den Altbürgermeister Lutz Krafft. Man wählte dafür einen Platz in der Mitte und auf dem höchsten Punkt der Stadt, unweit des Kaufhauses am Marktplatz, das damals gerade zum Rathaus umgewandelt wurde. Das Geld für den Bau brachten die Bürger und der Rat der Stadt selbst auf. Erste Baumeister Als erster Baumeister wurde Heinrich Parler aus Schwäbisch Gmünd nach Ulm berufen. Nach seinem frühen Tod führte Michael Parler, vermutlich ein Bruder Heinrichs, der zusammen mit einem weiteren Bruder Peter am Prager Dom arbeitete, 1383 den Münsterbau fort. Ihm folgte als letzter Vertreter aus der Parlerfamilie der Sohn Heinrichs, ebenfalls Heinrich genannt. Als der jedoch an die Dombauhütte zu Mailand wechselte, stand Ulm Ende des Jahres 1391 ohne Baumeister da. Ulrich von Ensingen Doch dann kam Ulrich von Ensingen. Und der änderte sogleich den Bauplan. Zwar hatte es Abänderungen auch vorher schon gegeben. So hatte Michael Parler zum Beispiel den vorgesehenen Plan einer Hallenkirche mit drei gleich hohen Schiffen verworfen und die Form der Basilika mit einem erhöhten Mittelschiff vorgezogen. Aber Ulrich von Ensingens Vorhaben, nun den höchsten Kirchturm des christlichen Abendlandes zu errichten, sprengte alles bisher Gekannte. Die geniale Konzeption seines Turmes brachte ihm eine Berufung nach Straßburg ein, der er 1399 folgte, ohne jedoch die Bauleitung am Ulmer Münster aufzugeben. 100 Jahre später Fast 100 Jahre danach bekam einer seiner späteren Nachfolger, Matthäus Böblinger, die Folgen des kühnen Planes seines Vorgängers zu spüren. Die Schiffe waren schon eingewölbt und der Turm bis über das zweite Obergeschoss hinaus errichtet, als zwei große Steine aus dem Turmgewölbe stürzten und sich merkwürdige Brüche zeigten. Der Rat der Stadt kündigte ihm, obwohl in selbst keine Schuld an den Schäden traf. Einbau der Rundpfeiler Burkhard Engelberg aus Augsburg wurde zum neuen Baumeister berufen. Er sanierte und stabilisierte als erstes den Turm. Aber inzwischen drohten auch die Seitenschiffe einzustürzen, denn die weit gespannten Gewölbe drückten die Außenwände immer mehr auseinander. Es gab nur eine Möglichkeit: Die Gewölbe der Seitenschiffe wieder herauszunehmen und diese noch einmal durch je eine Reihe schlichter Rundpfeiler zu unterteilen, die einen Großteil des Schubes aufnahmen und dadurch die Außenwände entlasteten. Diese Rettungsaktion, die mit der erneuten Einwölbung der Seitenschiffe 1502-1507 abgeschlossen wurde, beendete die Bautätigkeit am Münster für mehr als drei Jahrhunderte. Die Fertigstellung 1543 wurde die Münsterbauhütte geschlossen und erst 1844 wieder ins Leben gerufen. Auf der Grundlage der mittelalterlichen Pläne sollte das Münster endlich vollendet werden. Unter Ferdinand Thrän entstanden Strebepfeiler, Strebebögen und Wasserspeier. August Beyer vollendete 1890 in nur drei Jahren den Westturm in weitgehender Anlehnung an den Plan Matthäus Böblingers. Damit hatten die Ulmer 513 Jahre nach der Grundsteinlegung ihre Kirche endlich fertig gestellt. Text Das Ulmer Münster | www.ulmer-muenster.de

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