Mobilität und Infrastruktur

  • Das ist doch eine geschickte Sache mit der Fahrbahnmarkierung, denn es gibt ja doch sehr unterschiedliche Radnutzungen und um Strecken spezieller auszurichten, finde ich ein Farbsystem nicht falsch. So ist es etwas ganz anderes mit Rennrad, Berufspendlern und Pedelecs zu fahren, oder mit Familien, und Rentnern den Vekehr mit Fußgängern gemischt zu teilen. Solche Fernwege hätten sicher auch mehr Akzeptanz, da leise, sofern sie nicht soviel Land extra zubetonieren. Aber wie Finn ja schon benennt, gehört auch gute Planung dazu, nicht immer einfach parallel zur Straße, denn Steigungen und Hindernisse wollen gut bedacht sein. Im Video sieht das für mich recht vorbildlich aus, mit Beleuchtung sogar und Zäunen mit Puffern dran.

  • Ich bin die Tage gerne mit dem Mountainbike unterwegs und schlage mich bis in Gegenden durch, in denen ich noch nie oder herzlich selten war. Heute kam ich durch Bräunisheim und Stubersheim durch, ganz im Norden des Alb-Donau-Kreises unweit der Landkreise Heidenheim und Göppingen. Unterwegs ging mir wieder durch den Kopf, dass die Lokalbahn Amstetten-Gerstetten, die hier verläuft, gerade vom Verkehrsministerium als Reaktivierungskandidat für regelmäßigen SPNV geprüft wird. Im April 2019 hatte ich dazu mal etwas geschrieben.



    Kurz zu den Fakten: Die Lokalbahn Amstetten-Gerstetten ist 19,9 Kilometer lang und wird vom Verein der Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) gepflegt, die hier auch einen touristischen Saisonverkehr anbieten. Daneben wird ein kurzes Stück der Strecke noch von einem gewerblichen Betrieb genutzt, der das ehemalige Bundeswehrdepot im Benzwang übernommen hat - im Bild zwischen Amstetten und Stubersheim zu sehen. Die Strecke kreuzt an einer Stelle die B 10 in Amstetten.


    Ich war damals skeptisch, dass eine Reaktivierung Erfolgsaussichten hat - und bin es immer noch. Ich will aber auch nicht ausschließen, dass man ein Betriebsmodell findet, mit dem eine Reaktivierung möglich wäre.


    Was spräche gegen die Reaktivierung? Die Strecke ist recht lang und hat zwischen Amstetten und Gerstetten keine nennenswerten Unterwegshalte. Wenn wir die erfolgreich reaktivierte Strecke Weißenhorn-Senden danebenlegen, wird es noch deutlicher; Weißenhorn-Senden ist nur halb so lang (9,8 km), verbindet auf dieser kurzen Strecke zwei veritable Städte (13.500 bzw. 22.500 Einwohner) und zwei Unterwegshalten in Witzighausen und Wullenstetten mit jeweils vernünftiger Größe, und ist direkt nach Ulm durchgebunden. Die Halte der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten zum Vergleich:

    • Amstetten (insgesamt 4000 EW, gemeinsam mit Lonsee Unterzentrum im ADK)
    • Stubersheim (OT von Amstetten, 350 EW)
    • Schalkstetten (OT von Amstetten, 330 EW)
    • Waldhausen (OT von Geislingen/Steige, 250 EW)
    • Gussenstadt (OT von Gerstetten, 1360 EW)
    • Gerstetten (insgesamt 11.600 EW, Unterzentrum im LK Heidenheim)

    Sehr schmal, zumal die Haltepunkte sich gewissermaßen gegenseitig kannibalisieren, weil sie einander nicht als "Einzugsgebiet" dienen können; allenfalls Bräunisheim (OT von Amstetten, 230 EW) und Hofstett-Emerbuch (280 EW) könnte man auf Stubersheim aufschlagen. Mit etwas Goodwill kann man aus den weiter nördlich gelegenen Orten Söhnstetten (OT von Steinheim am Albuch, 1800 EW) und Böhmenkirch (5500 EW) Interesse an einem Halt in Gussenstadt generieren. Dann aber wieder einschränkend: Wir befinden uns mittenmang im Ländlichen Raum, die Abhängigkeit vom und damit die Eigentums-/Nutzungsquote des Automobils ist enorm.


    Was spräche für die Reaktivierung? Das eindeutig beste Argument ist, dass man die Strecke eigentlich gar nicht reaktivieren muss - sie ist in Betrieb. Das Teilstück, das ich abgefahren bin, sah auch wirklich sehr gepflegt aus. Investitionen wären vermutlich bei den Bahnübergängen notwendig, und natürlich müsste man mit dem UEF über die Betriebskosten verhandeln. Eine gewisse Grundauslastung könnte man mit dem Schülerverkehr erreichen, Eltern in den Orten mit Unterwegshalten dürften ihre Kinder jeweils nach Amstetten bzw. Gerstetten, teilweise Geislingen auf die weiterführenden Schulen schicken. Außerdem erhielte die etwas isoliert liegende Stadt Gerstetten einen Anschluss an die Hauptstrecke Stuttgart-Ulm.


    Mit viel wohlwollendem Nachdenken sehe ich gerade in diesen Umständen eine gewisse Chance für eine Reaktivierung, weil man die Latte gar nicht so hoch hängen muss. Die Strecke eignet sich für ein Basisangebot im Sinne eines Schienenbusses, das bestehende Schülerverkehre von der Straße auf die Schiene holt, aber auch einen Zusatznutzen erzielen kann. Vertaktet man einen solchen Schienenbus vernünftig mit den Ankünften und Abfahrten in Amstetten, kann man Gerstettern ein interessantes Angebot zur Weiterfahrt nach Ulm oder in die Filstalgemeinden bis hin nach Stuttgart machen.


    Natürlich fehlt diesen Betrachtungen komplett die finanzielle Dimension. Das muss dem VM und den Landkreisen überlassen werden. Ein wenig Geld könnte durch den Wegfall von Schulbusleistungen zur Verfügung stehen, und vielleicht würden auch der LK Heidenheim und die Gemeinde Gerstetten etwas zuschießen wollen. Für den Betrieb würde schon ein einziges gebrauchtes Regio-Shuttle reichen; die Strecke sollte einfach in <30 Minuten schaffbar sein, entsprechend wäre ein Stundentakt prinzipiell möglich.


    Ich bleibe skeptisch, aber nach dem heutigen Tag glaube ich zumindest nicht mehr, dass es quasi unmöglich ist.

  • Mal ein ganz anderes Thema:

    Die SWU-Verkehr hat seit Anfang März vier MAN Lions City Hybrid im Fuhrpark. Das sind meines Wissens die ersten MAN überhaupt im Fuhrpark, wenn man von den Büssing-Bussen in den 50er oder 60er Jahren absieht oder auch den SETRA SG 180 die mit Büssing (MAN)-Motoren fuhren.

    Daten:

    Bezeichnung: Lion's City 12 Hybrid

    Fuhrparknummer: 911 – 914

    Im Fuhrpark seit: 02.03. 2020
    Türen: 2
    Sitzplätze: 38

    Stehplätze: 65




  • Interessant, dass grade Ulm sich diesen Bus anschafft, habe gelesen, dass er längere und stärkere Steigungen gar nicht gerne macht. Ist auf jeden Fall ne spannende Technik ohne großen Akku und dafür günstig im Preis und mit langer Lebensdauer.

    Gesehen habe ich ihn bisher nur auf den Linien im Westen wie 8, 13 und 14.

    Für größeres Fassungsvermögen haben sie ja noch die Hybrid-Citaro Gelenkbusse.

  • Etwas verspätet:


    So ist die Lage auf der Brenz- und Donaubahn [SWP+]

    Zitat

    Das Verkehrsunternehmen SWEG und Minister Winfried Hermann ziehen nach einem Jahr positive Bilanz. Längere Züge für Berufspendler in Richtung Ulm sind vorgesehen.

    Daraus:

    Zitat
    Tobias Harms, Vorstandsvorsitzender der SWEG, lieferte beim Pressegespräch im Mehrzweckabteil eines Dieseltriebwagens vom Typ „Alstom Lint 54“ Zahlen: Die Pünktlichkeitswerte der SWEG-Züge auf der Brenzbahn und der Donaubahn liegen in der Ankunft im Jahr 2020 bislang bei 95,8 Prozent. In dieser Berechnung gilt ein Zug ab drei Minuten als verspätet. Werde jedoch der bei der Deutschen Bahn übliche Wert von sechs Minuten zugrunde gelegt, ergebe sich sogar ein Wert von 97,8 Prozent, sagte Harms. Die Zugausfallquote gab der Vorsitzende mit geringen 0,62 Prozent an.

    Flutscht, so sollte es überall aussehen.

  • Schnellstraßen für die Radfahrer rund um Ulm und Neu-Ulm [SWP+]

    Zitat

    Rad fahren, ohne Belästigung durch Autofahrer, ohne Kreuzung mit anderen Straßen – dafür mit viel Platz für moderne Mobilität auf dem Zweirad. Um die Siedlungsachsen für Touristen, Pendler und andere Alltagsradler besser ans Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm anzubinden, klopft der Regionalverband Donau-Iller zurzeit die Möglichkeiten für Radschnellverbindungen ab.


    Bürger schlagen Radwege in Blaustein vor [SWP+]

    Zitat

    Blaustein ist nicht Berlin, wo in der Corona-Pandemie Pop-Up-Radwege entstehen. Aber auch in Blaustein könnten Fahrbahnmarkierungen Radwege-Verbindungen verbessern, finden mehr als 20 Bürgerinnen und Bürger, die sich an die Stadtverwaltung und das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises gewandt haben. Konkret fordern sie rot markierte Fahrradspuren auf beiden Seiten der Ehrensteiner Straße zwischen der Osttangente und dem Anschluss an die B 28, um die Radwege, die von Ulm beziehungsweise Arnegg kommen, zu verbinden.

  • Moin allerseits,


    beim Stöbern im Sitzungskalender der Stadt Neu-Ulm ist mir im Planungs- und Umweltausschuss der TOP 5 aufgefallen.


    Strategiekonzept Memminger Straße unter anderem mit Machbarkeitsstudie einer ÖPNV Trasse auf der Memminger Straße für eine Straßenbahnlinie !

    Viele Grüße


    RT




    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehenbleiben soll, muss recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine.

    J-W Goethe

  • Danke RT, das ist sehr interessant mal durchzulesen.


    Was mir beim überfliegen des BRT-Ergebnisberichts (qualifizierte Busbeschleunigung) so aufgefallen ist, ist dass die Technik in Neu-Ulm wohl ziemlich veraltet sein muss. Busse und Ampelanlagen haben z.T. keine ÖPNV-Bevorrechtigung weil technisch nicht vorhanden, bzw. nicht richtig funktioniert ... die größte Bremse für den ÖPNV sind wohl die Ampeln in Neu-Ulm. Laut dem Bericht könnten für die Linie 5 und 73 allein für den Bereich Herdbruckerstraße ⇒ Ludwigsfeld - Ludwigsfeld ⇒ Herdbruckerstraße Zeiteinsparungen bis 133 Sekunden rausgeholt werden, im Mittel.

  • Naja, ein richtiges BRT-System hat ja nur unabhängige Trassen, das geht zwar auf der Memminger Straße, aber in der Innenstadt ist das in NU ein Ding der unmöglichkeit.

    Man müßte dort die Trasse von der Herdbrücke bis zumindest zum Rathaus Neu-Ulm und Ludwigstraße für den MIV sperren. In NU wäre das für Geschäftsleute und die führenden Politiker ein nicht vorstellbarer Supergau.

    Demzufolge ist so eine Studie und deren Realisierung schlichtweg unmöglich. Für mich ist das nur ein Vorwand um die Realisierung einer Tramlinie zu verhindern.

  • So wie ich den Ergebnisbericht gelesen hab, zielt der auch nicht auf ein reines BRT-System ab, es wird auch an mehreren Stellen darauf eingegangen, dass es zwar wünschenswert, aber sehr oft aus den verschiedensten Gründen gar nicht geht oder gewolltes Ziel sein kann. Mir erscheint der Bericht ziemlich realistisch.

  • Ja, BRT wird in der Beschlussvorlage eine ziemlich deutliche Absage erteilt:

    Zitat

    [...] In kleineren Städten ist eine solche Trennung aufgrund der kurzen Distanzen und der mit dem Umstieg verbundenen Reisezeitzuschläge i. d. R. nicht sinnvoll.

    [...] Mischverkehr, Tempo-30-Zonen, ruhender Verkehr am Straßenrand sowie Elemente der Verkehrsberuhigung stehen hingegen dem Ansatz von BRT-Systemen diametral gegenüber.

    Gleichwohl die Anwendung vieler Elemente klassischer BRT-Systeme wie geschlossene Systeme oder die durchgehende Trennung der Busse vom übrigen Verkehr für Neu-Ulm nicht geeignet erscheinen, war zu prüfen, inwiefern einzelne BRT-typische Maßnahmen zu einer Beschleunigung des Busverkehrs und damit zu dessen Attraktiveren beitragen können.


    Die Machbarkeitsstudie sollte ja im Kern untersuchen, ob eine ÖPNV-Trasse unabhängig vom Fortbewegungsmittel - Bus, BRT, Tram - in der Memminger Straße umsetzbar wäre. Das Ergebnis finden wir auf S. 14:

    Die Zahl der MIV-Fahrspuren zu bewahren und zusätzlich eine ÖPNV-Trasse einzuziehen dürfte am Platz scheitern. Deswegen will die Verwaltung nun auch eine Variantenuntersuchung:



    Hätten Sie mal mich gefragt - für eine Linienführung durchs Wiley trommel ich schon seit Jahren ^^.

  • Im Moment halt ich das auch noch für die bessere Lösung. Im westlichen Teil von Ludwigsfeld wird aber einiges an Potential dazu kommen, Conti, Wohnen am Illerpark, ein Teil wird Wohl oder Übel das nachsehen haben.

    Mit dem Illerpark und Conti verschiebt sich der Siedlungsschwerpunkt in diesem Bereich, ganz klar. Vor diesen Plänen war ich sehr überzeugt von einer Wiley-Linienführung, mittlerweile nicht mehr ganz so sehr.


    Die Fraunhofer-Untersuchung zu den Neu-Ulmer Buslinien formuliert einen Vorschlag für einen Quartierbus als Ergänzung zu einer "begradigten" Linie 5, nimmt diese Neubaupläne nach meinem Dafürhalten aber nicht ausreichend in den Blick. Trotzdem kann man das mal für alle weiteren Pläne im Auge behalten.


    (Quelle: Stadt Neu-Ulm; Bildrechte: Fraunhofer IVI)