Allgemeiner Diskussionsthread & Lounge

  • Genau daran hatte ich auch gedacht. Wenn es zu einer teilweisen Rückverlagerung der Medikamentenproduktion nach Europa kommen sollte, würde ich persönlich aber eher Ansiedlungen z.B. in Osteuropa als in unserer Hochlohnregion erwarten.

    Die Entwicklung war zuletzt, dass China enorm Fokus auf die Biotech Branche gelegt hat. Hier geht es um enorme Entwicklungs- und Produktionsabteilungen und damit gut bezahlte Jobs. Diese wurden nach der rein chemisch-synthetischen Pharmazeutik nun auch beginnend nach Fernost verlagert. Wäre also ein Supergau, wie bei den Erneuerbaren. Ich bin überzeugt davon, dass die Grundstoffchemie in China verbleibt und selbst beim Wirkstoff (häufig Indien) ist schwer zu argumentieren, warum man den nicht lieber stärker einlagert, als kleinteilig zu produzieren. Aber der Hochlohnbiotechbereich sollte Europa nicht verloren gehen, denn er hat potentiell die besten Chancen hier etabliert zu bleiben. Es sind instabilere Wirkstoffe mit kürzerer Haltbarkeit, mehr Individualpharmazeutik, kleinere Mengen, Diagnostik.


    Du sprachst von etwas viel Positivität, hier etwas Negatives: Durch die Krise wird eine Auflösung der Verzerrungen im Mobilitätssektor verzörgert oder unmöglich. So müsste man die Mautgebühren mindestens so hoch machen wie die Trassengebühren auf der Schiene (pro Transporttonne). Die Kerosinsteuer mindestens in Europa einführen. Die Mehrwertsteuer bei Fernbussen genauso senken, wie bei der Bahn. Bei innerdeutschen Flügen müsste die Mehrwertsteuer dann wohl auch runter, wäre aber fairer und im Vergleich zu steuerfreien Fernflügen, die auch besteuert gehörten. Die ganzen Verzerrungen haben direkten Einfluss auf Ulm und Umgebung, Du und andere haben schon dazu geschrieben.

  • Schön, dass Albsteiger die etablierte enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten nahtlos fortsetzt. In den letzten Wochen, in den Bayern und Baden-Württemberg mit ihren Verordnungen in unterschiedlichem Tempo unterwegs waren, zeigte sich doch mal wieder, dass eine Landesgrenze durch die Doppelstadt geht...


    Ich fasse grob zusammen: Die FWG formuliert am offensivsten, dass der Rotstift angesetzt werden muss, während die anderen zitierten Parteien - CDU/UfA, SPD, Grüne - im Gegenteil gerade jetzt nicht streichen wollen, aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen.


    Sehr interessant:

    Zitat

    Noch lassen sich die Auswirkungen nicht in Euro und Cent beziffern, sagt Finanzbürgermeister Martin Bendel. Er geht davon aus, dass Ulm finanziell weniger gebeutelt wird als viele andere Kommunen. Erstens, weil die Stadt finanziell gut dastehe. Zweitens, weil die Wirtschaft stark und in breitem Branchenmix aufgestellt sei. Um die Wirtschaft anzukurbeln, schlägt die Stadtverwaltung vor, die jährlichen Bau-­Investitionen um 20 Millionen Euro auf 60 Millionen zu steigern und dafür Schulden zu machen.

    Wenn man genug Firmen findet, die bauen... aber möglicherweise werden durch einen Wegfall privater Investitionen ja Kapazitäten frei. Ich kann das nicht einschätzen.


    Ich habe mir übrigens gerade live die Pressekonferenz mit Bundesfinanzminister Scholz zur neuen Steuerschätzung angesehen. Die Steuerschätzer/innen rechen für dieses Jahr mit 81 Mrd. Euro Mindereinnahmen, davon ca. 20 Mrd. Euro allerdings nur gestundet. Für die Kommunen rechnet man mit etwa 13 Mrd. Euro weniger Steuern als vor der Krise prognostiziert, für die der Staat aber einspringen will. Das geschieht teilweise in Form einer Altschuldenübernahme, wovon eher wohlhabende Gutachten im Süden wenig profitieren dürften, aber ich finde das prinzipiell gut. Krisenpolitik à la Keynes, den Scholz auch zitiert hat.

  • Die Entwicklung war zuletzt, dass China enorm Fokus auf die Biotech Branche gelegt hat. Hier geht es um enorme Entwicklungs- und Produktionsabteilungen und damit gut bezahlte Jobs. Diese wurden nach der rein chemisch-synthetischen Pharmazeutik nun auch beginnend nach Fernost verlagert. Wäre also ein Supergau, wie bei den Erneuerbaren. Ich bin überzeugt davon, dass die Grundstoffchemie in China verbleibt und selbst beim Wirkstoff (häufig Indien) ist schwer zu argumentieren, warum man den nicht lieber stärker einlagert, als kleinteilig zu produzieren. Aber der Hochlohnbiotechbereich sollte Europa nicht verloren gehen, denn er hat potentiell die besten Chancen hier etabliert zu bleiben. Es sind instabilere Wirkstoffe mit kürzerer Haltbarkeit, mehr Individualpharmazeutik, kleinere Mengen, Diagnostik.

    Ich muss zugeben, dass ich in diesem Bereich fachlich hoffnungslos überfordert bin. Sind aber sehr spannende Einblicke, danke dafür. Ist denn so ein Projekt wie die 500-Millionen-Euro-Investition von TEVA im Donautal etwas, was sich im globalen Maßstab bemerkbar macht? Hast du den Eindruck, dass die Bundes- und Landespolitik das hinreichend auf dem Schirm hat?


    Du sprachst von etwas viel Positivität, hier etwas Negatives: Durch die Krise wird eine Auflösung der Verzerrungen im Mobilitätssektor verzörgert oder unmöglich. So müsste man die Mautgebühren mindestens so hoch machen wie die Trassengebühren auf der Schiene (pro Transporttonne). Die Kerosinsteuer mindestens in Europa einführen. Die Mehrwertsteuer bei Fernbussen genauso senken, wie bei der Bahn. Bei innerdeutschen Flügen müsste die Mehrwertsteuer dann wohl auch runter, wäre aber fairer und im Vergleich zu steuerfreien Fernflügen, die auch besteuert gehörten. Die ganzen Verzerrungen haben direkten Einfluss auf Ulm und Umgebung, Du und andere haben schon dazu geschrieben.

    Wieso wird die Krise das denn unmöglich machen? Dem kann ich noch nicht folgen.

  • Wieso wird die Krise das denn unmöglich machen? Dem kann ich noch nicht folgen.

    Zunächst muss der Staat mit knapp 100 Mrd. Einsparungen dem Steuerausfall begegnen. Sprich kostspielige Mehrwertsteuersenkungen sind da nicht wirklich drin. Dann stehen die Busunternehmen massenhaft kurz vor der Insolvenz, wie die Flieger und die Flughafenbetreiber leiden ebenso. Der perfekte Nährboden, um zusätzliche Belastungen abzublocken. Dazu kommt unsere Autoindustrie, die die Richtung vorgibt mit Forderungen nach Kaufanreizen und Verschiebung von Grenzwertverschärfungen. Da wird wohl kaum eine Schwächung derer LKW- und Autosparten auch nur riskiert.

    Ich hoffe daher, dass die Wette mit den Wasserstoff LKW von Iveco und den Elektrobusentwicklungen im Ulmer Raum mehr Chancen bringen als die verschleppten Reformen im Verkehrsbereich. Auch dass die Elektrifizierung des Nahverkehrs auch von allein diese Verkehrsmittel durchsetzt.

  • Ist denn so ein Projekt wie die 500-Millionen-Euro-Investition von TEVA im Donautal etwas, was sich im globalen Maßstab bemerkbar macht? Hast du den Eindruck, dass die Bundes- und Landespolitik das hinreichend auf dem Schirm hat?

    Dass der größte Generikahersteller der Welt die Biotechnologie für sich als Zukunftsmarkt sieht ist natürlich ein starker Wink, ebenso, dass sich der Ulmer Raum hier in der Standortwahl zunächst zumindest durchgesetzt hat. Gleichzeitig sind die Investitionen in dem Bereich immer sehr groß, weswegen die 500 Mio. auch nicht überschätzt werden sollten. Man bedenke, dass die Entwicklung eines Medikaments grob zwischen 800 Mio. und 1 Mrd. kostet. Da sind die generischen Biosimilars leider auch deutlich teurer als die günstigere Generikaentwicklung. Speziell die Biosimilars müssen erst sich ökonomisch erst beweisen denke ich, daher auch dieser Testballon von TEVA.

    Dadurch, dass die Bundesländer BY und BW (die kenne ich) Biotechclusterregionen ausgerufen haben, bin ich voller Erwartung, dass es auf dem Schirm ist. So gibt es in Martinsried bei München auch eine rare Start-up Szene für Biotec gefördert von staatlicher Seite. Die Gefahr von China ist aber wohl noch nicht so auf dem Schirm. Sonst müsste da noch viel mehr kommen auch an Universitätsausgründungen und vor allem Risikokapital. So eine kapitalintensive Branche kann entwerder nur von einem Oligopol multinationaler Konzerne dominiert werden oder intensivst gefördert werden.

  • Der Fairness halber will ich noch einmal den Beitrag von Jogi aus dem letzten Thread zitieren:

    Also ich bin einer der so einen Steingarten vor dem Haus hat. Die Fläche ist etwa 3 x 7m.


    Aber:


    Ich hab mich wirklich bemüht dort was wachsen zu lassen. Die Erde war immer steinhart - Ostseite. Ich hab dort (von Hand) 20cm abgetragen und beste Muttererde eingebracht und bepflanzt, bereits 3 Jahre später wieder nur halb vertrocknetes Unkraut im verdichteten Boden. Mir war das ehrlich gesagt zu blöd vor dem Haus mir einen abzureißen. Da ist jetzt ein Kiessteingarten mit ein paar Gräsern und ich bin der Meinung da versickert das Wasser jetzt sogar besser als vorher. Früher bei Starkregen war der Boden sofort dicht und das Wasser ist auf den Gehweg und dann in den Gulli geflossen. Das passiert jetzt nicht mehr.

  • Jeder wie er mag, Finn.

    Bei uns in der Reihenhaussiedlung haben auch einige Steingärten hinter dem Haus - Südwestlage!

    Muß ich nicht verstehen denn da wuchs so einiges. Jetzt nur noch Zierrasen und die vorherigen Blumenrabatten mit Kies oder schwarzem Schotter aufgefüllt. Zur Nordseite hin, da wächst selbst bei unserer Bude wenigstens noch Gras und ein paar Blümchen, da wurde komplett eingekiest. <X

  • Ich hab ja auch noch einen klitzekleinen Garten hinterm Haus ;)

    Die halbtote Blutpflaume lass ich seit Jahren stehen, weil sich da die Blaue Holzbiene eingenistet hat, ist toll zu beobachten wie es in dem toten Holz raschelt. Für die normalen Bienen streu ich jedes Jahr eine Bienen-Blumenmischung in die Tröge. Und die meisten Spatzen, Amseln, Kohl- und Blaumeisen treiben sich in meinem Garten rum, hin- und wieder auch ein Buntspecht.


    Achja, und nachts kommt auch der Igel regelmäßig zu Besuch, so schrecklich kann es bei mir nicht sein :D

  • Jeder wie er mag, Finn.

    Bei uns in der Reihenhaussiedlung haben auch einige Steingärten hinter dem Haus - Südwestlage!

    Muß ich nicht verstehen denn da wuchs so einiges. Jetzt nur noch Zierrasen und die vorherigen Blumenrabatten mit Kies oder schwarzem Schotter aufgefüllt. Zur Nordseite hin, da wächst selbst bei unserer Bude wenigstens noch Gras und ein paar Blümchen, da wurde komplett eingekiest. <X

    Haha, wollte nur den Einwand bringen, dass es bei manchen trotz aller Bemühungen nicht klappt. Ich hatte das Thema im März ins Forum eingebracht und mich sehr klar positioniert - und zwar ganz bei dir ;).

  • Ich finde das ist schon recht oberflächlich reguliert. Schotter sieht man halt am ehesten an, dass er tot ist und doch gibt es viele tote grüne Optionen und wahrscheinlich auch Wege Schotter lebensfreundlichen zu gestalten. Ich denke zum Beispiel an Eidechsen. Gleichzeitig ist ein gepflegter Rasen mindestens genauso tot, auch die meisten Koniferengärten. Tendenziell kann sogar ein vollblühender Garten tot sein, da immer mehr Sorten aus dem Baumarkt auf maximale Blütenpracht gezüchtet werden, was bedeutet, dass sämtliche Blütenorgane zu Blütenblättern gezüchtet werden.

    Zielführender wäre in meinen Augen den Städten das Recht zu geben einzugreifen, die könnten dann viel individueller die jeweiligen Stellen sich anschauen, anstatt alles über einen Kamm zu scheren. Wer tatsächlich per Verbot ran will, der sollte bestimmte Gifte für Privatanwender verbieten und Pflanzen einheitlich klassifizieren als schädlich und nicht schädlich (zum Beispiel Stauden fördern), Altbaumbestand fördern. Dann kann man einen Schottergarten auch gar nicht einfach mehrere Jahre arbeitsarm betreiben, weil selbst auf Unkrautvliesen die Natur nach ein paar Jahren Wege findet.

  • Post Corona City [Zeit]

    Zitat

    Leere Geschäfte und Büros, aber knapper Wohnraum und volle Radwege: Das kann man doch einfach umverteilen. Corona zeigt, wie sich deutsche Innenstädte verändern müssen.

    Den Artikel lese ich eher als Diskussionsanstoß denn als Maßnahmenkatalog, interessant ist er allemal als Schnappschuss aus der städtebaulichen Diskussion in Coronazeiten.


    Natürlich habe ich die hier diskutierten Ideen im Kopf auch gleich für Ulm und die Region durchgedacht... sollten die Trends aus dem Artikel sich einigermaßen bewahrheiten, werden auch in unserer kleinen Regiopole neue Entwicklungen zukommen. Ich denke da zum Beispiel an das Blautalcenter, bei dem immer mal wieder angedeutet wurde, dass auch tiefgreifende Umbauoptionen auf dem Tisch sind.

  • Reiche Stadt, arme Auswahl [Zeit]

    Zitat

    In Ingolstadt legt die Pleite von Galeria Kaufhof offen, was schon lange geschieht: Die Innenstadt verödet – trotz ihrer historischen Pracht. Sie zu retten wird schwer.

    Vor dem Hintergrund des Erhalts der Ulmer Kaufhof-Filiale, aber auch der allgemeinen Vergleichbarkeit der Städte Ulm und Ingolstadt, fand ich diesen Artikel sehr interessant.

  • Ich denke Ingolstadt hat mehrere Probleme, die wir hier nicht haben. Die Stadt hat ein kleineres Einzugsgebiet, liegt verkehrstechnisch nicht so gut wie der Großraum Ulm und hat mit Audi einen proportional sehr großen Hauptarbeitgeber, von dem viel abhängt. Da ist Ulm insgesamt besser aufgestellt. Ich denke auch deshalb läuft unser Kaufhof besser. Wir haben kein Outlet Center, aber auch wenn wir eines hätten denke ich würden die Händler hier das besser wegstecken.

    Aber manchmal scheint mir, als ob Ulm (unbewusst) daran arbeitet, das weniger Menschen in die Innenstadt kommen. Baustellen, aber auch immer weniger Parkplatzmöglichkeiten und das reduzieren von Verkehrsflächen ist für eine Stadt wie Ulm, mit großem Einzugsgebiet verheerend.

    Man muss nur mal die Autokennzeichen gerade an Wochenenden in den Parkhäusern sich ansehen, da weiß man dann, das Ulm einen großen Radius hat und auch attraktiv ist und dieses Potential nicht verbaut

  • Ich denke Ingolstadt hat mehrere Probleme, die wir hier nicht haben. Die Stadt hat ein kleineres Einzugsgebiet, liegt verkehrstechnisch nicht so gut wie der Großraum Ulm und hat mit Audi einen proportional sehr großen Hauptarbeitgeber, von dem viel abhängt. Da ist Ulm insgesamt besser aufgestellt. Ich denke auch deshalb läuft unser Kaufhof besser. Wir haben kein Outlet Center, aber auch wenn wir eines hätten denke ich würden die Händler hier das besser wegstecken.

    Aber manchmal scheint mir, als ob Ulm (unbewusst) daran arbeitet, das weniger Menschen in die Innenstadt kommen. Baustellen, aber auch immer weniger Parkplatzmöglichkeiten und das reduzieren von Verkehrsflächen ist für eine Stadt wie Ulm, mit großem Einzugsgebiet verheerend.

    Man muss nur mal die Autokennzeichen gerade an Wochenenden in den Parkhäusern sich ansehen, da weiß man dann, das Ulm einen großen Radius hat und auch attraktiv ist und dieses Potential nicht verbaut

    Ich kann dir da, was die Parkmöglichkeiten in der Innenstadt angeht, absolut nicht zustimmen. Die Anzahl der Stellplätze in den Tiefgaragen/Parkhäusern wurden in den letzten 20 Jahren stark vergrößert.

    Daß das zu Kosten der kostenlosen Parkplätze am Straßenrand geht halte ich für verständlich, denn da hat die Stadt nichts zu verschenken. Solche Stellplätze in der Innenstadt nehmen anderen Verkehrsteilnehmern die nötigen Flächen, da sind Rad- und Fußwege sowie ÖPNV-Trassen die besseren Investitionen.

    Und wer meint aus z.B. Weißenhorn mit dem Auto nach Ulm zu kommen mit dem Anspruch in der Innenstadt zu parken, der muß halt zahlen oder sich in den Stau stellen. Zumal es von Weißenhorn eine hervorragende Bahnverbindung nach Ulm gibt (den Fall gab es tatsächlich mal in einem Interview bei regio-TV).

    Stattdessen kommt dann der Ausspruch daß man halt in Zukunft zum einkaufen woanders hinfährt. Also der Typ beleidigte Leberwurst die nicht bekommt was sie sich in den Kopf gesetzt hat.

    Dazu kommen noch die Verkehrsbelastungen durch Lärm und Abgase für die Stadtbewohner, die auch nicht unerheblich sind. Aber das wollte ich nur am Rande erwähnen.