Mobilität und Infrastruktur

  • Ja die Einstellung von der CSU, hier besonders Hans-Georg Maier, unterliegt schon stark der Autofahrerlobby. "Dazu komme, dass in Neu-Ulm jeder Parkplatz, der wegfalle, einer zu viel sein." Es gibt in Neu-Ulm genügend Parkplätze, besonders, wenn das Parkhaus beim Stadtbogen fertig ist. Dieser Kampf um jeden Stellplatz, als wenn damit die Welt untergeht, ärgert mich. Autos brauchen einfach viel zu viel Platz, besonders wenn Sie ungenutzt irgendwo rumstehen.

    Der Anspruch, jede Wohnung muss vor der Haustür einen Stellplatz haben, ist Weltfremd und zeugt von einer Ideologie aus den 1960zigern. Die Stadt kann hier wunderbar gestalten, öffentliche Parkplätze wegnehmen, Alternativen (Quartiersparkplätze, etc.) und der Markt regelt das. Manchmal muss man die Leute auch zu etwas stupsen. Wie jetzt Corona, das die Fahrradbegeisterung extrem angekurbelt hat.

    Hier übrigens ein paar Beispiele für interessante Fahrradstraßen über Straßen- bzw. Bahnstrecken:


    https://www.rvr.ruhr/fileadmin…iok_03_web_098678c422.jpg

    http://www.bahntrassenradwege.…osandratal-radweg_008.jpg

    https://www.rvr.ruhr/fileadmin…iok_15_web_95d3844262.jpg

  • Eieiei, aber 30 cm breite Radwege mit Gegenverkehr? Ist die ganz linke Spur für Fußgänger vorgesehen? Bei den Dimensionen hätte ich das ja wirklich als gemischten Rad-/Fußweg gelabeled, und nicht durch Straßenmarkierungen noch halsbrecherisches Tempo ermutigt...

    Naja, die Idee an sich ist gut, aber eigentl. für den Aufwand viel zu schmal. Finde ich bei allen 3 Bildern.

    Und wie dolle so was genutzt wird hat man ja in NU bei der Brücke an der Ringstraße gesehen...

  • was mich an all diesen Diskussionen extrem stört, ist das viele in ein Ideologisieren ihres Standpunkts verfallen anstatt nach Möglichkeiten für einen praktischen Konsens zu schauen, wo alle Seiten berücksichtigt werden. Ich denke es gibt Möglichkeiten das Fahrradfahren attraktiver, angenehmer und sicherer zu gestalten ohne zwangsläufig die Autofahrer übermäßig einzuschränken, nur oft kostet es eben bisschen mehr als die gewöhnlichen Hau-drauf Maßnahmen.

    Ich wünschte mir zB. es gäbe überall vernünftige Möglichkeiten die Fahrräder abzuschließen, und zwar am Rahmen und nicht bloß an einem Rad. Ein weiteres Thema sind fehlende Unter- oder Überführungen, damit man als Radfahrer an größeren Kreuzungen nicht an Ampeln 'verhungert'. Radstreifen die plötzlich im Nichts enden, oder Fälle wie in der Söflinger Straße, wo es sowohl einen Radweg auf dem Gehweg, als auch einen Radstreifen auf der Straße gibt, sind auch ärgerlich

    Die Vorschläge finde ich alle gut und vernünftig, aber halt auch eher so ein bisschen kosmetischer Natur. Damit reißt man nix raus.


    Ich muss zugeben, dass sich mir beim populären Diskussionsansatz "Ideologie vs. Pragmatismus" so ein bisschen die Nackenhaare aufstellen. Beim genaueren Hinsehen sind die wenigsten "pragmatischen" oder "ideologiefreien" Positionen tatsächlich pragmatisch oder ideologiefrei. Das ist auch gar nicht mal so schlimm, schließlich ist eine Ideologie erstmal immer nur eine kohärente Art und Weise, die Welt zu betrachten, zu deuten und - in der Politik - zu formen. Das ist legitim und in einer gesunden Demokratie komplett unproblematisch. Aber es bringt die Sachdiskussion halt nicht weiter, wenn man sich auf solchen Nebenschauplätzen einen abrödelt.


    Ich sehe zum Beispiel in der Deutung, dass es sich bei der Neuorganisation des öffentlichen Raums um einen Verteilungskampf handelt, eine ideologische Position - als ob es nur fest abgezirkelte Gruppen von Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern, Straßenbahnnutzern gibt, die sich gegenseitig Quadratmeter abluchsen. Das dürfte ein Ausfluss des Paradigmas der "Autogerechten Stadt" sein, das zwar keine Ideologie ist, aber die direkte Folge aus einer bestimmenden Ideologie der Nachkriegszeit: des maximalen Individualismusstrebens in seiner liberalen Spielart. Freie Fahrt für freie Bürger.


    Klar stellt jede entsprechende Maßnahme ganz automatisch eine Umverteilung dar - der öffentliche Raum ist halt begrenzt. Und wenn eine solche Maßnahme dem MIV "weh tut", dann ehrlicherweise doch vor allem deswegen, weil der größte Teil der öffentlichen Verkehrsflächen dem MIV vorbehalten ist oder von ihm dominiert wird. Das wird auch weiterhin so bleiben, ebenso, wie der größte Teil des MIVs über das gesamte Stadtgebiet gesehen weiterhin vom MIV abgewickelt werden wird. Aber an bestimmten Stellen verschieben sich die Gewichte, etwa in der besonders eng bebauten Innenstadt - und ich finde es einfach nicht mehr begründbar, beispielsweise die Herrenkellergasse oder die Herdbruckerstraße mit parkenden Autos zuzustellen und Durchfahrtsverkehr zuzulassen.

  • Ich sehe zum Beispiel in der Deutung, dass es sich bei der Neuorganisation des öffentlichen Raums um einen Verteilungskampf handelt, eine ideologische Position - als ob es nur fest abgezirkelte Gruppen von Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern, Straßenbahnnutzern gibt, die sich gegenseitig Quadratmeter abluchsen.

    Ich kann es leider nur anekdotisch darlegen, aber in meinem Bekanntenkreis ist es tatsächlich so. Da gibt es eine klare Trennung zwischen Leuten, die das Auto nutzen, das Fahrrad, oder zu Fuß/Nahverkehr. Es steckt ja auch eine gewisse Logik dahinter. Habe ich ein Auto, zahle ich dafür, ob ich es nutze oder nicht, ich zahle Versicherung, Stellplatz und Alterung des Fahrzeugs. Also wäre es unlogisch es nicht möglichst oft zu nutzen, zumal es bequemer meist ist. Wenn man ein Paar hat mit einem Auto wird das Auto zwar aufgeteilt, aber es ist immer noch Dreh- und Angelpunkt über das Pendeln hinaus, z.B. für Einkäufe usw. Dagegen gibt es dann auch passionierte Fahrradfahrer, die ansonsten Zug/Öffis nutzen. Die haben praktisch keinen Kontakt zum Auto außer vielleicht mal einen Leihwagen. Und dann gibt es die, die weder Auto haben, noch gern Fahrrad fahren und alles ohne diese bestreiten. Durch diese Trennwirkung kommt es auch zu so wenig Verständnis füreinander. Ich, persönlich wandele genau zwischen diesen Welten. Ich zähle zur beschriebenen Fahrradfraktion, aber sobald ich bei meinen Eltern bin, passionierte Autofraktion mutiere ich selbst dazu. Da werden die Kinder nur noch mit Auto verbracht und auch für kleinere Trips kramt man doch nicht das Fahrrad aus dem Keller raus. Auch zum Sonntagsspaziergang wird erstmal wohin gefahren. Und das alles relativ unabhängig davon, ob es nun ein Öffi Angebot gäbe, oder man mit dem Fahrrad schneller wäre.

  • Ich kann es leider nur anekdotisch darlegen, aber in meinem Bekanntenkreis ist es tatsächlich so. Da gibt es eine klare Trennung zwischen Leuten, die das Auto nutzen, das Fahrrad, oder zu Fuß/Nahverkehr. Es steckt ja auch eine gewisse Logik dahinter. Habe ich ein Auto, zahle ich dafür, ob ich es nutze oder nicht, ich zahle Versicherung, Stellplatz und Alterung des Fahrzeugs. Also wäre es unlogisch es nicht möglichst oft zu nutzen, zumal es bequemer meist ist. Wenn man ein Paar hat mit einem Auto wird das Auto zwar aufgeteilt, aber es ist immer noch Dreh- und Angelpunkt über das Pendeln hinaus, z.B. für Einkäufe usw. Dagegen gibt es dann auch passionierte Fahrradfahrer, die ansonsten Zug/Öffis nutzen. Die haben praktisch keinen Kontakt zum Auto außer vielleicht mal einen Leihwagen. Und dann gibt es die, die weder Auto haben, noch gern Fahrrad fahren und alles ohne diese bestreiten. Durch diese Trennwirkung kommt es auch zu so wenig Verständnis füreinander. Ich, persönlich wandele genau zwischen diesen Welten. Ich zähle zur beschriebenen Fahrradfraktion, aber sobald ich bei meinen Eltern bin, passionierte Autofraktion mutiere ich selbst dazu. Da werden die Kinder nur noch mit Auto verbracht und auch für kleinere Trips kramt man doch nicht das Fahrrad aus dem Keller raus. Auch zum Sonntagsspaziergang wird erstmal wohin gefahren. Und das alles relativ unabhängig davon, ob es nun ein Öffi Angebot gäbe, oder man mit dem Fahrrad schneller wäre.

    Sehr gut beschrieben. Bei mir ist es so, dass ich viele Jahre lang, in meiner Zeit in Karlsruhe, passionierter Fahrradfahrer war, natürlich mit Jahreskarte für den ÖPNV und sogar für einige Jahre mit einer BahnCard 100 (beruflich bedingt, aber privat bezahlt). Karlsruhe und Umland sind topfeben, so dass Radfahren wirklich Spaß macht, und über die Qualität des KVV-Angebotes muss man eh nichts sagen, so dass ein Auto für mich einfach komplett unnötig war.


    Als ich dann nach Ulm kam und oben auf den Eselsberg gezogen bin, war der Spaß beim Radfahren plötzlich vorbei, und die ollen Busse ohne brauchbaren Nachtverkehr sind auch nicht sonderlich attraktiv. Einkäufe und Getränkekisten erst mal ein paar Hundert Meter bergauf zu schleppen, macht keinen Spaß. Da kam die Tatsache, dass mein neuer Job bei einem großen Automobilhersteller auch einen guten Deal für einen ordentlichen Firmenwagen beinhaltete, wirklich nicht ungelegen. Und wenn man dann mal so ein schickes Auto daheim stehen hat, für das man zwar keinen Sprit zahlen muss, dafür aber ein paar Hundert Euro monatliche Flatrate entrichtet ob es rumsteht oder nicht, dann will man das auch nutzen... und so beschränkten sich seitdem meine Busfahrten auf gelegentliche alkoholbeinhaltende soziale Events, für die ich keine Mitfahrgelegenheit finden konnte. Und es gibt in der Umgebung von Ulm wirklich viele schöne Orte für den Sonntagsspaziergang, die aber quasi alle nur mit dem Auto erreichbar sind - solange man eben kein passionierter und trainierter Lang- und Bergstreckenradler ist.


    Trotzdem vermisse ich die BC100-Zeiten, wo ich "mal eben" für einen Tagesausflug mitm ICE nach Hamburg gecruised bin, um dort mittags Fisch zu essen, danach wieder zurück, und die 12-14 Stunden Fahrt zum konzentrierten Arbeiten genutzt habe. Sowas würde ich mir selbst mit schickem Auto nebst Tankflatrate nie antun.

  • Was ihr beschrieben habt ist für sich alles logisch.

    Bei meiner Frau und mir sieht das wieder anders aus.

    Fahrzeuge im Haushalt sind ein SUV und zwei E-Bikes. Dazu jeder eine BC25 erste Klasse.

    Das Auto wird nur genutzt um in Gegenden zu kommen wo kaum ÖPNV fährt - zu unseren Freunden in der Nähe von Horb z.B. Dazu schwere Einkäufe wie Sprudelkisten oder ähnliches. Und natürlich die Fahrt zur Arbeit bei schlechtem Wetter. Ich bin nicht gerne nass wenn ich arbeiten muß.

    Bus und Tram nutzen wir grundsätzlich für Fahrten im Stadtgebiet, z.B. abends ins Kino, zum Essen oder wenn wir auf den Wochenmarkt fahren. Ebenso seit Neuestem die E-Bikes. Viel entspannender als mit der Blechkiste, und die Parkplätze kosten nichts.

    Meine Frau pendelt täglich mit der Bahn nach Stuttgart, dafür hat sie unter anderem ein Jobticket.

    Ich sehe mich auch nicht speziell als Nutzer eines Verkehrsmittels an sondern nutze und nehme auf alles und jeden Rücksicht weil ich den Verkehr aus fast allen Perspektiven kenne.


    Die schönste Zeit war als wir in Berlin und Hamburg gewohnt hatten, mitten in der Stadt mit hervorragendem ÖPNV.

    Wir erledigten die Einkäufe zu Fuß, mit Fahrrad oder der U-Bahn.

    Was zu schwer war wurde mit car2go transportiert, ebenso die Besuche bei den Schwiegerleuten auf dem Land bei Lübeck. Entweder Bahn oder car2go.

  • Heute ein Beitrag im Eselsberg-Magazin 3/21. Die CDU-Gemeinderatsfraktion gibt da auch gerne ihr Denken zum Besten:

    U.a.:


    "Neubetrachtung der Frauenstraße

    Vor wenigen Jahren hat die Stadt mit großem Einsatz die Frauenstraße saniert und umgebaut.

    Seitdem "funktioniert" diese Straße nicht mehr und ihr Charakter ist unklar. Für eine Einkaufstraße mit anliegenden Geschäften fehlt es an Aufenthaltsqualität mit Bäumen und Bänkenund es herrscht zuviel Verkehr.

    Insbesondere in den Feierabendstunden ist die Straße dauer-verstopft.

    Andererseits, als eine zentrale Nord-Süd-Verbindung, gibt es dagegen keinen ausreichenden Verkehrsraum mehr.

    Den Autos wurde eine Spur genommen, den Radfahrern aber noch nicht mal eine Spur gegeben.


    Wir sprechen uns für eine Stärkung des sogenannten Altstadtrings zur Erschließung der Ulmer Innenstadt aus mit einer Achse nach Neu-Ulm über die Münchner Straße.

    Daher beantragten wir eine Neubetrachtung der Frauenstraße unter den Gesichtspunkten , wie zum einen die Aufenthaltsqualität gesteigert und künftig der Radverkehr eingebunden werden kann.

    Zudem bitten wir um eine verbesserte Verkehrslenkung um einer Verstopfung der Frauenstraße vorzubeugen.

    Dies betrifft vor allem die Kreuzung Frauenstraße/Neue Straße."


    M.M.n. an Unentschlossenheit und Ahnungslosigkeit von der CDU-Fraktion nicht zu überbieten.

    Weniger Verkehr - Ja

    Mehr Aufenthaltsqualität - Ja

    Wieder mehr Fahrspuren für den MIV - Ja


    Dann der Pseudoaufreger daß Fahrstreifen für Fahrräder fehlten.

    Aber egal, Hauptsache es wird wieder umgebaut um eine Verkehrsschneise für den MIV zu erhalten... <X


    Quelle dazu (Seite 15 unter Neubetrachtung der Frauenstraße) :

    https://viewer.fresko.de/magazin-eselsberg/ausgabe-18/

  • Schöner Fund. So ungern ich die Stillstandsbewahrer der CDU verteidigen will, aber so wie ich das lese fordern sie eine Herausverlegung des Autoverkehrs auf die Münchner Straße und damit eine de-facto weitere Beruhigung der Frauenstraße. Heißt, keine neuen Fahrspuren für den MIV in der Frauenstraße.

  • Schöner Fund. So ungern ich die Stillstandsbewahrer der CDU verteidigen will, aber so wie ich das lese fordern sie eine Herausverlegung des Autoverkehrs auf die Münchner Straße und damit eine de-facto weitere Beruhigung der Frauenstraße. Heißt, keine neuen Fahrspuren für den MIV in der Frauenstraße.

    Für mich liest sich das wie ein sowohl-als-auch.

    Sprich, eine Erhöhung der Durchlasszahlen für den MIV als Bypass in der Frauenstraße als auch einen Aus-/Umbau der Münchner Straße wieder auf 4 Fahrspuren. Das wird aber zumindest bis zum Neubau der Gänstorbrücke Illusion bleiben.

  • Thema Frauenstraße: Ich würde das tendentiell auch so lesen wie Puquio, also keine Forderung nach einer MIV-Ertüchtigung der Frauenstraße. Hielte auch für einen vertretbaren Kompromiss, die Frauenstraße für den Umweltverbund aufzuwerten, die Münchner Straße dafür als MIV-Achse zu belassen.