Neubau Hauptbahnhof (Citybahnhof)

  • Ich habe die neuesten Meldungen zum Anlass genommen, das Thema des möglichen Neubaus des Bahnhofsgebäudes aus dem Thread zum Bahnhofsvorplatz mit Tiefgarage, Passage und ÖPNV-Haltestelle herauszulösen. Kann sein, dass es dazu bald doch mehr zu schreiben gibt...


    Nehmen wir die Sache doch zum Anlass, einen Wunschzettel zu schreiben. Was müsste in euren idealen neuen Ulm Hbf rein, um ihn für das 21. Jahrhundert fit zu machen?

  • Im Prinzip finde ich den Bahnhof garnicht so schlecht. Allein die Grösse der Wartehalle ist für mich nicht mehr angemessen. Da gibts doch bloß die eine Bank in der Mitte mit gerade mal 10 Sitzplätzen. Klar, die Barrierefreiheit mit den nun vorhandenen Aufzügen ist auch nur suboptimal, wird aber nach Beendigung der Bauarbeiten vor dem Bahnhof sicherlich auch angenehmer. Die Versorgung im Bahnhof selbst ist ganz gut. Gastro, Supermarkt, Bäcker und Zeitschriften sind vorhanden. Es ginge sicherlich auch etwas vielfältiger und üppiger. Ein Supermarkt, der preislich nicht ganz so überteuert ist und evtl. auch Produkte des täglichen Bedarfs bietet, wäre angebracht. Sollte es wirklich nur auf eine Sanierung hinauslaufen, müssen unbedingt mehr Sitzplätze im witterungsfreien Raum geschaffen werden.


    Bei einem Neubau würde ich mir eine lichtdurchflutete Halle mit Blick auf Wilhelmsburg und Sedelhöfe (und die Münsterspitze) wünschen. Architektonisch fände ich eine organische Form der Halle, welche von kubischen Gebäudeteilen und einem Hochpunkt (mindestens so hoch wie Bahnhofplstz 7 bald wird) teilweise eingefasst wird, am schönsten. Dann sollte auch genügend Platz für die oben erwähnten Sitzbänke und den Supermarkt vorhanden sein. Den Bereich, wo die Bundespolizei und der Parkplatz neben der Post ist, würde ich zu den Gleisen offen gestalten.Mit Grünflächen und Sitzmöglichkeiten für schönes Wetter. In diesem Bereich könnte man auch grosse Stufen zum Sitzen am neuen Bahnhofsgebäude schaffen, wo sich dann die Trinker/Drogenszene, die man nunmal nicht wegbekommen wird, versammeln könnte.

  • Die exorbitante Kostensteigerung von S21 war wohl einer der Sargnägel des Neubauprojekt Hbf Ulm. Wiederum hoffnungsvoll stimmt mich die künftige staatliche Förderung der Schiene im Gesamten. Auch ich würde gerne, wenn das Geld locker sitzen würde eine futuristische oder organische Architektur umgesetzt sehen. Die Halle ist für eine Stadt wie Ulm ein schlechter Witz. Und gibt Zeugnis über den Zustand vieler Bahnhöfe in Deutschland ab.

    Obwohl die Probleme der Welt immer komplexer werden, bleiben die Lösungen beschämend einfach.
    Bill Mollision

  • Ganz so drastisch wollte ich das jetzt nicht ausdrücken, aber ja, die Hallengröße stört mich schon jedes mal, wenn ich zu Stosszeiten durch den Bahnhof muss. Als Übergangslösung könnte ich mir da, nach der Fertigstellung der Tiefgarage, eine Verlängerung der Halle zur Friedrich Ebert Straße hin vorstellen.

    Ich suche schon länger ein Bild der geplanten Unterführung. Gab es da überhaupt eins, oder bilde ich mir das nur ein? Jedenfalls wäre es doch eine relativ günstige Lösung, das geplante neue Vordach mit Mauern und Fenstern zu umranden, um es jetzt mal salopp auszudrücken. Anschliessend natürlich die momentanen Ausgänge/Fassade entfernen und die neuen dann seitlich, zur Post und zum Steg hin, platzieren.

    Dann wäre auch die Rolltreppe/Übergang etc. zur Unterführung im Innenraum und das Gedränge könnte sich etwas entspannen.

    Aber das würde dann vermutlich die ersehnte Platzwirkung zu sehr stören.

  • guyincognito : Guter Post mit guten Ideen!


    Meinst du mit der Unterführung die Passage, die gerade im Bau ist? Ulmer hatte einmal auf Facebook Visualisierungen gefunden, siehe hier: https://www.facebook.com/Ulmer…ng/posts/1566056366742396 - Architektur von Hochstrasser, aber auf deren Seite fand ich leider nichts.


    Ich hatte gestern mal überlegt, was ich gerne funktional im neuen Hbf hätte. In mehr oder weniger absteigender Reihenfolge/Priorität/Dringlichkeit:

    • Durchbindung der Unterführung. Es ist viel dazu geschrieben worden. Eine so gute Möglichkeit, die trennende Wirkung der Bahnanlagen zu überwinden, wird es nicht mehr geben. Das Darf man nicht aufgeben.
    • Platz. Der Hbf Ulm hatte 2015 laut dem damaligen Bahnchef Grube über 40.000 Gäste pro Tag, 2005 sollen es 28.600 gewesen sein - die Tendenz zeigt klar nach oben. Mehr Platz heißt nicht nur, endlich Kapazität für das angestrebte Wachstum zu schaffen (S-Bahn!), sondern auch Komfort und vor allem auch Sicherheitsgefühl. Ich denke, man darf hier auch städtisches Selbstbewusstsein ins Feld führen.
    • Fünfter Bahnsteig. Ich bezweifle, dass sich das angestrebte Wachstum (S-Bahn!) und bequeme Umstiegsrelationen ohne einen weiteren Bahnsteig realisieren lässt. Erst recht, sollte der Deutschlandtakt kommen und die Gleise dadurch länger belegt sind.
    • Attraktvität der Unterführung. Hell, weit, hoch, mit möglichst viel sozialer Kontrolle.
    • Westportal. Vielleicht sogar eine Art kleines Bahnhofsgebäude, Angemessen dimensionierte Flächen für Kiss+Ride, Taxis, Bushaltestelle(n) für SEV und ggf. auch Linienverkehr.
    • Rolltreppen und Aufzüge von der Unterführung zu den Bahngleisen. Für die Bahn ist das Thema mit den Treppen und Aufzügen zum Steg gegessen, aber viele werden den Weg zum Ende der Bahnsteige und die große Höhendifferenz scheuen.
    • Fahrrad-Abstellanlage. Muss angemessen Platz haben und die Anbindung über die Ebenen 0 (Bahnhofsvorplatz) und -1 (Unterführung, ggf. Wartehalle) sicherstellen.
    • Sicherheit. Eine gewisse Präsenz der Bundespolizei, und wenn es nur eine verdunkelte Fensterfront zur Wartehalle ist.
    • Mobilitätsdrehscheibe. Für alle Teilnehmer klar ersichtliche Zugänge zu Angeboten des SPNV und ÖPNV sowie aller weiteren Angebote: Taxi, E-Scooter,...
    • Flächennutzung. Integration von möglichst vielen Angeboten auf möglichst wenig Platz - z.B. Bahntechnik, Stellwerk, Büros, Sozialräume auf den Ebenen 2+
    • Rückbau von Bahngleisen. Abstellgleise in innenstädtischer Lage sind keine tolle Flächennutzung. Wenn bahnverkehrlich nicht mehr unbedingt nötig, würde ich die Flächen entlang der Schillerstraße überbauen.

    Ein angemessenes gastronomisches Angebot und der übliche Besatz von Einkaufsmöglichkeiten (Presse, Bücher, Tabak, Lotto, Blumen,...) wird schon sichergestellt werden, da mache ich mir die geringsten Sorgen.


    Architektonisch habe ich keine großen Vorstellungen; ich bin mir auch sehr bewusst, dass ich kein Architekt bin. Ich schaue aber gerne durch die Wettbewerbsbeiträge, die 2011 und 2014 eingereicht wurden und noch online sind. Die 2011er umfassen ja das gesamte Citybahnhof-Areal inklusive Theater- und Dichterviertel, und daraus habe ich vor allem mitgenommen, das Bahnhofsgebäude als Kernstück und nicht als Solitär zu sehen. Eine Ensemblewirkung kann man sicherlich nicht erzielen (ist auch besser so), aber eine bauliche Integration finde ich sympathischer als ein freistehendes Gebäude.


    Von den Entwürfen aus dem 2011er Wettbewerb haben es mir vor allem, was das Bahnhofsgebäude selber angeht, die Beiträge von Heide und Gößler/Kinz/Kreienbaum angetan. Mir gefällt die Idee einer großzügigen und luftigen Bahnhofshalle ab Ebene -1. Idealerweise gibt es am Rand der Bahnhofshalle auf Ebene 0 ebenfalls Nutzungen, die baulich nicht abgetrennt sind, sondern z.B. über eine Galerie offen einsehbar. Das lindert den Eindruck ab, dass man als Fußgänger auf Ebene -1 dem Straßen-/Bahnverkehr psychologisch untergeordnet wird.


    Für die Gebäude und Gebäudeteile neben der Bahnhofshalle gibt es sicher gute Lösungen und Nutzungen. Hier fände ich eine gewisse Höhenentwicklung ganz gut, mit einigen Hochpunkten am Ehinger Tor (Schillerrampe), am Bahnhof und im Dichterviertel.