Bauvorhaben Science Park III | Oberer Eselsberg




  • Kleiner Schnappschuss des Science Park III von hinter Mähringen aus. Linkerhand im Ausschnitt kann man die vielen Kräne sehen, die um diverse Baustellen dort rotieren: Z4, Bosch Rexroth, Joyson. Rechterhand das fertiggestellte Sartorius-Gebäude. Dazwischen wird noch alles aufgesiedelt... eindrucksvoll.

  • Dazwischen wird noch alles aufgesiedelt... eindrucksvoll.

    Wahrscheinlich eher eine Nischenmeinung in einem Bauforum trotzdem bin ich immer wieder verstört wie stark die Zersiedelung und Versiegelung von Landwirtschaftsflächen bei uns voran schreitet. Fahrt nur mal das Illertal hinab, ist sogar egal, ob Landstraße oder Autobahn, es ist echt bedrückend.

  • Ich kann nicht einschätzen, ob das eine Nischenmeinung ist - aber das Thema gehört definitiv ins Forum und auch in diesen Thread. Wir hatten das vor allem bei Gewerbegebieten (z.B. Nellingen-Merklingen), bei Nachverdichtungsvorhaben (z.B. Postdörfle) und bei Außenentwicklung vs. Innenentwicklung (z.B. Kohlplatte) angeschnitten. Mir liegt die Landschaftszersiedelung auch schwer im Magen und ein flächeneffizientes Bauen sehr am Herzen, aber bei so konfliktreichen Angelegenheiten ist das auch leichter gesagt als getan. Fläche ist auch ein Schlüssel für Arbeitsplätze, Gewerbesteuern, (sozialen) Wohnraum,...


    Ich selber habe mich so ein bisschen auf Parkierungsflächen in Gewerbegebieten und EFH-Neubaugebiete an den Ortsrändern eingeschossen, letztere stark beschleunigt durch den § 13b BauGB (Beispiel aus der Region). Asphaltierte Flächen wie weitläufige Parkplätze sind biologisch tot und oft auch noch durch die Wärmespeicherung mikroklimaschädlich, und gesetzlich begünstigte Siedlungserweiterungen nehmen jeden Anreiz weg, die Ortsmitten zu entwickeln und aufzuwerten. Tut auf mehreren Ebenen weh.


    Man muss aber auch sagen: Wir leben in einem Verdichtungsraum, und auch das Illertal läuft schon länger nicht mehr als Ländlicher Raum. Ich habe mal in den Landesentwicklungsplan Bayern und seine Strukturkarte reingeblättert, wo es schön dargestellt ist:

    (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklungund Energie)


    Das heißt jetzt aber nicht, dass man dort Flächenfraß einfach hinnehmen muss, weil's eh schon vorbei ist - im Gegenteil, gerade in solchen Gegenden muss man da noch sensibler sein. In vielen Rathäusern und Gemeinderäten und auch bei vielen Bürger/innen steckt vielleicht noch in den Köpfen, man sei ja hier im Ländlichen, Fläche gibt's hier noch und nöcher...


    Um auf das Thema zurückzukommen: Mit dem Science Park III und dem interkommunalen Wohngebiet Oberer Scheibenberg wird der größte Teil der verbliebenen landwirtschaftlichen Fläche auf dem Oberen Eselsberg aufgefressen, selbst der Science Park IV ist ja schon informell vorgemerkt. Jetzt muss man diese landwirtschaftliche Fläche nicht aus Prinzip auf Biegen und Brechen verteidigen, wenn man dafür prima erschlossenen Wohnraum für 2.300 Personen und Flächen für Schlüsselindustrien für die Stadt und die Region bekommt... aber wenigstens effizient sollte man mit der Fläche schon umgehen ?(.

  • Danke für diesen ausführlichen Wortbeitrag dazu und auch die Einordnung. Mir sind auch manche Konflikte sehr bewusst, so z.B. dass Industrieflächen heute nur noch ebenerdig erstellt werden, weil man kosteneffektiv und vor allem logistisch stärker gefordert ist. Da hängen also auch globale Motive mit drin, die man nicht einfach negieren kann. Daher klammere ich mal die Unternehmen für den folgenden Beitrag aus:

    Den Wenigsten dürfte klar sein, welche Dimension an Konsequenzen wir hier haben. Es ist nämlich nicht möglich solche Flächen einfach hin und zurückzuwechseln von Industrie zurück zu Landwirtschaft. Ist die oberste Bodenschicht abgetragen, hilft es nicht einfach von woanders Humus wieder auf eine "renaturierte" Fläche zu kippen. Da kann man jeden Bauern fragen, der würde so eine Fläche nicht geschenkt nehmen. Noch perverser ist, dass wir momentan soviel Aushub haben, dass es nicht mehr genug Lagerstätten gibt und diese Böden für sehr teures Geld weit gefahren werden zur Deponierung.

    Ich finde gut Finn , dass Du pragmatisch mal an den unnützlichsten Ecken anfängst, jedoch sind selbst im Wohnungsbau derartig extreme Fehlstellungen im Gange, dass man schon fragen muss, was systematisch geändert werden kann. Unsere Wohnungsnachfrage ist nämlich, wie es das Ausland bereits vormacht, hauptsächlich Kapitalmarkt getrieben. Sprich es wird Nahrungsmittelproduktion geopfert für ein Gut, dass bei einer geldpolitischen Korrektur eher Wert verlieren wird und auch heute schon im Zweck fragwürdig ist. So hat Deutschland genug Wohnraum, nur ist dieser woanders, als unsere Wirtschaftsplanung die Ströme hinleitet. Im Osten verarmen ganze Landstriche, weil deren Immobilien leer stehen und auch nicht mehr gebraucht werden. Aber damit auch nur rudimentär zurückgebaut werden. Jetzt blasen wir hier im Süden unsere Städte auf, man kann ahnen was möglich ist. Daher sehe ich auch den verlinkten Landesentwicklungsplan skeptisch. Die Rahmenbedingungen haben sich stark verändert, weswegen man eigentlich davon ausgehen muss, dass es mehr Umnutzung vorhandener Ressourcen geben müsste und weniger, wir bauen quasi ganze Städte neben den alten Städten neu auf.

  • Versteht mich nicht falsch, ich finde Wachstum und Wandel essentiell und bin auch keiner, der sagst unser System muss weg. Ich vermisse einfach nur ausreichend Legitimation für die jetzige Zerstörung. Und die wäre z.B. schonmal, dass eben nicht irgendwo anders in Deutschland der versiegelte Boden massenhaft ungenutzt rum steht. Allgemein mehr bestehende Ressourcen zu nutzen. Grade da kann eigentlich ein Markt wunderbar arbeiten. Warum lässt man sich nicht den Rückbau davon bezahlen, dass anderswo Land zugebaut wird. Wie ich oben ausführte ist das immernoch nicht ganz gleichwertig, aber besser als das was heute passiert und ein Anreiz dichter zu bauen bzw. Finanzmittel, um schwache Kommunen aus der Versenkung zu heben.

  • Nah, der Betrachtung kann ich mich schon anschließen - muss das aber erst noch einmal zu einer christlicheren Uhrzeit genauer lesen ^^.


    Ich sehe das teilweise auch als eine Frage der Zoomstufe. Auf der rein lokalen oder regionalen Ebene sind die Mechanismen relativ klar: Hoher Zuzugsdruck muss zu vermehrter Bauaktivität führen, um den Preis für das Wohnen sozial verträglich zu machen. Dem ist die Kurzsichtigkeit quasi angeboren, weil die Regie über das Baugeschehen auf der kommunalen Ebene liegt. Der eigene Markt ist der eigene Auftrag.


    (Da denke ich schon, dass man sich in unserer Region ein bisschen am eigenen "Erfolg" berauscht und den Zuzugsdruck als Qualitätsabzeichen versteht - da schließe ich mich nicht aus. Bisschen so, wie man sich als Exportweltmeister feiert, obwohl eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz das erstrebenswertere Ziel ist - Weltmeister ist halt geil.)


    Zoomt man raus, überregional, national, global, kommen andere Fragen auf: Wo kommt der Zuzug her? Zuzug hier bedeutet Wegzug andernorts - was bedeutet das woanders? Was macht das mit den Ökosystemen, dem Klima, den Verkehrsströmen, auch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt? Es kann ja immer noch perverser werden: Sand für die Zementherstellung in Deutschland wird teilweise schon aus Indien importiert, wo illegal Flussläufe ausgebaggert werden, damit das n-te Town & Country Flair 152 RE zwischen Flensburg und Garmisch in ein Neubaugebiet mit "-äcker" im Namen gesetzt wird.

    Warum lässt man sich nicht den Rückbau davon bezahlen, dass anderswo Land zugebaut wird. Wie ich oben ausführte ist das immernoch nicht ganz gleichwertig, aber besser als das was heute passiert und ein Anreiz dichter zu bauen bzw. Finanzmittel, um schwache Kommunen aus der Versenkung zu heben.

    Oh, spannender volkswirtschaftlicher Ansatz. Erinnert mich etwas an den Emissionszertifikatehandel, der in seiner Umsetzung freilich arg zahnlos ausfiel (wenn ich mich richtig an mein Studium erinnere), oder an die kommunalen Ökokonten. Flächenverbrauch als externer Effekt, den es zu internalisieren gilt... muss dazu mal etwas recherchieren.

  • Der Bau der Halle von Naturspeicher braucht recht lange finde ich. Aktuelle Bilder zeigen, es wird immer noch gewerkelt:)

    Die Fassade ist für meinen Geschmack aber fast schon zu sehr verspiegelt

    Ich muss sagen ich find's schön. Von oben sieht es aus wie Wiese, von der Seite sieht man blauen Himmel - also je nach Wetter. :-)

  • Neuigkeiten vom Science Park:

    Einzug Liebherr, Richtfest bei Rexroth, etc.


    Raum für innovative Firmen auf dem Science Park III


    Der Oktober 2020 bringt sichtbare Veränderungen auf dem Science Park III mit sich: Am 12. Oktober war Richtfest für einen Erweiterungsbau des im Bereich Antriebs- und Steuerungstechnik tätigen Unternehmens Bosch Rexroth. Tags darauf eröffnete die Gruppe Liebherr ihren Standort für die Sparte Hausgeräte. Ende des Monats wird dann Scanplus, das bereits auf dem Science Park angesiedelt ist, Richtfest für sein neues Gebäude feiern.

  • Hoffentlich stellt sich nicht raus, dass massenhaft Vögel die Fassade auf tödliche Weise misinterpretieren.

    :-(


    Bin ja mal gespannt, was sie mit der Fassade machen.


    Das Problem soll jetzt erstmal gebannt sein:


    Vögel knallen gegen Spiegelfassade - Helfen die Maßnahmen am Firmengebäude? [SWP+]

    Zitat

    Monatelang waren im Science Park III auf dem Eselsberg immer wieder Vögel gegen die Spiegelfassade eines Firmengebäudes geflogen. Hat das von der Stadt angeordnete Zwangsgeld etwas bewirkt?

    Daraus:

    Zitat

    Das Gebäude im Science Park III sieht aus der Ferne immer noch gleich aus. Die großen Fenster sind da, und darüber spiegelt sich in der Fassade die unbebaute Naturlandschaft. Erst wenn man näher kommt, bemerkt man auf den Fenstern eine Lochfolie und an der Spiegelfassade viele kleine schwarze Punkte. Hat sich inzwischen doch etwas getan für den Vogelschutz?


    „Unsere Mitarbeiter haben 60.000 Punkte einzeln von Hand aufgeklebt“, sagt Alexander Schechner, Firmeninhaber der Envola Energiespartechnologie. Kürzlich hat die Stadt diese letzte „Maßnahme zur Vermeidung von Vogelschlag“ für gut befunden und abgenommen. Damit geht für alle Beteiligten ein langer Kampf zu Ende. Ein Kampf samt Mahnwache von Naturschützern, Zwangsgeld und einem Vergleich vor Gericht.