Nachrichten aus Handel und Wirtschaft

  • Dieses "Kleinteiligere" deutet auch auf zu hohe Mietpreise hin. Das passiert im Wohnungsmarkt ja genauso. Kann ich die 5 Zimmer Wohnung nicht vermieten für den Preis, mache ich eine fünfer WG draus oder teile sogar baulich und verdiene nochmal mehr.

    Es ist schon witzig, das Zitat das Du herausgenommen hast trifft halt genau auf die zuletzt diskutierten Innenstadtprojekte zu: Nahversorger im Untergeschoss (Sedelhöfe, Galeria), normaler Einzelhandel im EG und alles andere am liebsten Hotel.

    Ich finde man sollte gesellschaftlich diskutieren, was man haben möchte: Man kann beide Richtungen gehen. Entweder eine gleichmäßige Verteilung von ehemals zentralen Strukturen, dann passt das, Innenstadtflächen am besten in Wohnraum umzuwandeln (beginnend mit den höheren Stockwerken). Oder man refokussiert wieder auf Zentralität, dann lebt die Innenstadt auch, muss aber dafür auch mehr Verkehrslasten usw. tragen und das Umfeld muss zurückbauen. Mieten müssten gedeckelt werden, insgesamt einiges beschränkt werden. Ich bin da beim Handel für Zentralität, weil ich glaube dass Synergieeffekte nur so auftreten und weil unsere Städte deswegen so attraktiv (optisch) sind im Vergleich zu amerikanischen, asiatischen. Aber man kann genauso gut sagen, eine breite Verteilung ist ausgleichender und niederschwelliger gerade auch im Kontext der Konkurrenzsituation zum Onlinehandel.

  • Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mietkosten mit einem sehr hohen Prozentsatz zu den Schließungen der Geschäfte in den 1a Lagen geführt hat. Es war und ist immer wieder zu lesen, dass bekannte Ketten wie ZARA, H&M etc., die zu Teil mehrmals in der gleichen Strasse zu finden waren, Filialen wegen den Mietkosten geschlossen haben. Das war aber auch schon vor Corona so und begann Anfang 2019. Da spielt sicher auch der Online-Handel mit eine Rolle und jetzt zum Teil auch das geänderte Kaufverhalten in Corona Zeiten. Aber in Metropolen wie München oder auch Städte mit starker wirtschaftlicher Kaufkraft wie Ulm, haben hohe Mietpreise. Diese müssen erst mal mit einem entsprechenden Umsatz kompensiert werden.

    Und hier sind meiner Meinung nach jetzt auch die gierigen Immobilien Haie gefragt, um am Beispiel Kaufhof die Mieten zu senken, um mehr Filialen erhalten zu können.

  • Stimmung bei den hiesigen Firmen miserabel wie selten [Schwäbische+]

    Zitat

    „Die Corona-Pandemie trifft die regionale Wirtschaft hart und in ihrer ganzen Breite“, so die Ulmer IHK am Montag. Und weiter: Das Tal sei noch lange nicht durchschritten. Basis dieser Feststellung: der neue IHK-Konjunkturklimaindex.


    Corona-Krise setzt regionaler Wirtschaft massiv zu [RegioTV]

    Zitat

    Die Corona-Pandemie trifft die regionale Wirtschaft hart und in ihrer ganzen Breite. Der IHK-Konjunkturklimaindex stürzt ab. Die Verunsicherung über die weitere Entwicklung ist zudem groß. Mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität rechnen nur wenige Unternehmen.

  • https://www.spiegel.de/wirtsch…76-4a4e-957f-8a5f9a4a600e

    Artikel zur Entwicklung der Innenstädte

    Zitat

    Ein gemeinsames Projekt der Stadtgesellschaft.

    Wir haben hier zwar schon so ziemlich jedes dieser Aspekte diskutiert, aber es ist immer noch die gelebte Realität, daher finde ich die Zusammenfassung hilfreich. Die Forderung nach der Straßensanierung in der Bahnhof-/Hirschstraße würde ich genau so einordnen.

  • Den Artikel habe ich heute auch gelesen (auf der Arbeit ^^). Am bemerkenswertesten fand ich diese Passage:

    Zitat

    SPIEGEL: Was kann man dagegen tun?

    Krüger: Es rächt sich jetzt, dass die Innenstädte Jahrzehnte lang nur nach dem Prinzip der Mietenmaximierung bewirtschaftet wurden. Die Erdgeschosse der City-Häuser gleichen ja inzwischen einem mittelmäßigen Shoppingcenter: Alles ist gleichförmig, überall dasselbe Angebot. Ja: Warum sollen denn die Menschen da noch hingehen? Händler, die die Wertschöpfung leisten, und Eigentümer, die davon eine Rente beziehen, müssen sich sehr ernst unterhalten und sich klarmachen: Wenn wir jetzt nichts tun, ist die Party bald ganz vorbei. Die Einbrüche durch Corona sind für viele Betriebe lebensgefährlich. Ich glaube nicht, dass da so schnell etwas Neues entsteht. Es braucht Jahre, neue Geschäftskonzepte zu konsolidieren. Und wenn die Geschäftsstraßen erst mal sichtbar bröckeln, ist es wahnsinnig schwer, sie neu zu beleben. Wir brauchen jetzt einen organisierten Übergang von einer alten Innenstadt in eine neue. Ideen wie wir die Zentren beleben: Wie gehen wir mit weniger Flächen um, wie kann die Innenstadt wieder einzigartig werden und nicht uniform bleiben?

    So ähnlich hatten wir das auch hier diskutiert. Die aparte Formulierung der mietenmaximierten Bewirtschaftung muss ich mir merken, sehr elegant den Nagel auf den Kopf getroffen. Die bloße Aufhübschung der Bahnhof- und Hirschstraße, auch wenn sie weiterhin notwendig ist, wird keine umfassende heilende Wirkung entfalten.


    Krüger fordert einen vereinenden Dialog aller Akteure in der Innenstadt. So einen haben wir ja, buchstäblich den Innenstadtdialog. Da gab es auch einen Zwischenbericht im März, der aber wieder aus der Bürgerinfo verschwunden ist. Gespeichert habe ich ihn noch - muss ich mal sichten und aufarbeiten...

  • Interessanter Artikel in der Süddeutschen mit Bild der Fußgängerzone in Ulm zum Thema:

    " Das Coronavirus beschleunigt das Sterben der Innenstädte durch die Monokultur des Konsums. Warum es nötig ist, sich das Stadtzentrum zurückzuholen."


    https://www.sueddeutsche.de/po…I7cmugboc6ksgBHRlQaSpErN4

    Ich halte den Artikel für nicht besonders reflektiert, streckenweise geradezu faktisch falsch. Die Urbanisierung mit ihrer Zentralitätsfunktion auf eine Zeit zwischen vor und nach dem Krieg herunterzubrechen ist bei einer mindestens 800 jährigen fortwährenden Entwicklung in Deutschland irreführend - außer man bezieht tatsächliche Entwicklungen dieser Zeit wie den Indivualverkehr ein. Auch sagen aktuelle Untersuchungen genau das Gegenteil aus ihrer Behauptung, nämlich dass der heutige Stadtbesucher sehr wohl hauptsächlich konsumgeleitete Interessen hat.

    Gut gemacht, was in anderen Artikeln nicht mal erwähnt wurde, ist die Betonung des konstanten Zubaus von Einzelhandelsflächen dezentral und der nachvollziehbare Zusammenhang zwischen Langweile und Mieten und die Hilflosigkeit der Politik. Es ist auch richtig dem Zentrum wieder mehr Zentralität einzuräumen, was die Autorin anskizziert.

  • Na ja unrecht hat die Autorin ja nicht und ich zitiere mal folgenden Absatz: „Denn Corona beschleunigt eine Entwicklung, die längst im Gang war: die Krise der Einkaufsstraßen. Boutiquen, Filialen aller Art litten zuvor schon unter dem boomenden Internetshopping, horrenden Mieten in der City sowie unter immer neuen Kaufhallen auf der grünen Wiese. Nun sagt der Handelsverband Deutschland (HDE): Rund 50 000 Geschäfte könnten dichtmachen; zu befürchten seien 40 Milliarden Euro Umsatzeinbuße.

    Das bestätigt auch die heute veröffentliche Meldung in der Presse der Esprit Schließungen und wie ich sehe ist Ulm und MUC auch mit dabei. Ich gehe davon aus, dass bis zum Jahresende weitere Geshäfte schließen werden. Eine weitere Pressemeldung von heute war, dass z.B. Zalando einen noch nie da gewesenen Umsatz erzielte und der Onlinehandel boomt wie nie zuvor.

  • Diesen Part der Analyse habe ich auch nicht bemängelt, ja sogar positiv herausgehoben. Aber was ist denn ihre Schlussfolgerung? Sie sagt quasi, dass die Innenstädte ihre Funktion als Einkaufsstätten aufgeben sollen. Es sollen stattdessen Handwerk (eine ganz und gar realitätsferne Vorstellung eines modernen Schreinerbetriebs) und Kulturstätten Einzug halten. Ich habe versucht es als Ergänzungsvorschlag zu lesen, aber das steht so nicht drin.

    Eine weitere Pressemeldung von heute war, dass z.B. Zalando einen noch nie da gewesenen Umsatz erzielte und der Onlinehandel boomt wie nie zuvor.

    Ich bin auch der Meinung, besonders, wenn man die weiterhin exponentiell verlaufenden Umsatzzahlen des Onlinehandels betrachtet, dass der Einzelhandel noch harte Zeiten vor sich hat jedenfalls in seiner jetzigen ausgelaugten Form. Aber die Erwartung einer vollständigen oder großflächigen Obsoletmachung des stationären Handels in einer zentralen Form halte ich für verfehlt. Die Zentralität ist essentiell für Synergie und Akkumulierungseffekte, welche Unsere Entwicklung schon immer begleitet haben. Auch sagen einfache mathematische Modelle voraus, dass Händler am effektivsten nahe aufeinander zentral sitzen (ich kann den Beitrag raussuchen falls Interesse besteht). Es gibt Grundbedürfnisse die Online nicht mit egal wieviel Technologie nicht gestillt werden können. So werden heute Smartphones, welche rein online vertrieben werden komplett optimiert auf den Fotolook. Dass die Kisten furchtbar in der Hand liegen oder ihre technischen Daten nur auf dem Papier erfüllen sind Nebeneffekte. Klar kann man das auch wieder zurückschicken, aber offensichtlich funktioniert das Modell wirtschaftlich. Und das ist nur ein Beispiel eines reinen Onlineangebots.

    2 Mal editiert, zuletzt von Puquio () aus folgendem Grund: Mehr Eingehen auf die weitere Kommentierung

  • Um die Leute mehr in die Innenstadt zu bringen, helfen eigentlich Outlet Center, wie es Metzingen hinbekommen hat sicher sehr gut.


    Gerade das Blautalcenter wäre dafür doch gut gerüstet.

    Verstehe ich nicht - warum sollte ich in die Innenstadt gehen, wenn ich draußen alle Einkaufsmöglichkeiten habe? Ich hab die Innenstadt von Metzingen jedenfalls noch nie gesehen ;-) Und einen Laden, den ich im Blautalcenter finde, besuche ich genau dort und nicht in der City.

  • Verstehe ich nicht - warum sollte ich in die Innenstadt gehen, wenn ich draußen alle Einkaufsmöglichkeiten habe? Ich hab die Innenstadt von Metzingen jedenfalls noch nie gesehen ;-) Und einen Laden, den ich im Blautalcenter finde, besuche ich genau dort und nicht in der City.

    Na dann bist du sicherlich nicht der typische Schnäppchenjäger und Shoppinggänger. Ich übrigens auch nicht. Aus meinem weiblichen Bekanntenkreis ist Metzingen definitiv 2mal im Jahr ein muss und da wird schon überlegt sogar auf 2. Tage zu verlängern, mit Übernachtung.

    Es war nur eine Idee für die Rettung des BTC. Für die Ulmer Innenstadt natürlich definitiv auch ein Ankerthema.

    Ich befürchte nur, dass aufrund von Corona, viele Filialen und Geschäfte schließen werden, da ist Esprit sicherlich nur ein Anfang.


    Im Endeffekt, müssen alle Geschäfte sich ihre Strategie ganz genau überlegen und neue Wege gehen. Corona war da nur der Beschleuniger dieses Prozesses. Kaum einer fährt von außerhalb in die City, wenn er es nicht online oder in Einkaufszentren um die Ecke bekommt.

    Entweder müssen die Geschäfte eine Lösung finden, wie sie schneller liefern könnten (gleicher Tag oder innerhalb 1 Stunde) und dabei ähnlich teuer sein oder es muss ein besonderes Kauferlebnis sein. Beides sehr schwierige Themen, aber wenn die nicht gelöst werden, werden die Geschäfte in der City verschwinden.

  • Da muss ich Dir leider widersprechen. In irgendwelche Outletcenter oder große Shoppingcenter findet man mich so gut wie nicht. Ich fahre zum Beispiel gern ins Zentrum rein zum Shoppen und verbinde das dann gleichzeitig mit Wirtshaus, Weisswurscht essen oder Biergarten. Allerdings schaue ich zur Zeit, da bin ich ehrlich, vorallem jetzt in Corona Zeiten die alten einheimischen Geschäfte und Traditionshäuser zu unterstützen und nicht unbedingt die großen Ketten. Klar bestelle ich auch mal bei Amazon und Co., allerdings selten Bekleidung. Was meiner Meinung nach der Innenstadthandel vorantreiben muss, wäre eine Online-Plattform, wie es z.B. der Hirmer, Sport Schuster etc. macht. Ggf. auch mit einem gemeinsamen Lieferdienst und Same-Day Lieferung. Hier kann man von zuhause aus online shoppen und auf Wunsch nach Hause liefern lassen oder bequem in der Filale abholen. Damit unterstützt man auch die alten Traditionshäuser und man muss nicht unbedingt bei Amazon und Co. einkaufen. Wie gesagt, bei mir macht es der Mix aus shoppen und Freizeit, was mich dann ins Zentrum führt.

  • Ich würde drei Lösungsszenarien aus persönlicher Erfahrung einwerfen:


    Szenario 1: Von Politk und Vermietern kommt keine Änderung. Die großen Ketten kannibalisieren die kleinen Läden noch zuende, Nachfolger und Marktneueintritte sind unattraktiv. Gleichzeitig stehen die Innenstädte mehr denn je mit dem Shoppingcenter und dem Internet in Konkurrenz, da gleiches Angebot. Große Ketten reagieren darauf mit scharfer Preiskonkurrenz, günstigem Personal und noch günstigerer Ware, jedoch verbunden mit vor Ort Dienstleistungen.

    Ergebnis: Kaum Nischen im Markt, überall gleiche Angebote, lediglich Spezialprodukte (nicht in jeder größeren Stadt das gleiche) und sehr kleine Produkte locken in die Innenstädte samt Dienstleistungen, die Preise sind attraktiv, die Innenstadt nicht, der Preisdruck drängt stets zur Nebenlagen. Durch das Onlineangebot jedes stationären Händlers liegt der stationäre Fokus auf Spontankäufe/Kleinmengen mit sehr lokalem Kundenstamm.

    Szenario 2 Von Politk und Vermietern kommt keine Änderung. Der Fokus aller Marktteilnehmer liegt auf Erfahrung und Qualität, da die Online auch kleinste/größte Produkte konkurrenzfähig verschickt. Es wird ein höherer Preis und ein ausgesuchtes Angebot geboten, es kommt auf hochqualifiziertes Personal mit stark indivualisierten Produkten oder exklusiv angebotene Artikel, oder Artikel, welche schlecht ohne probieren, Eindruck funktionieren. Alle anderen Bereiche sind online mit sehr rar gesäten Flagship-stores.

    Ergebnis: Die Zahl an Geschäften ist sehr klein, massenhafter Rückbau von Ladenflächen. Die Diversität ist relativ hoch, da die Skalierbarkeit eines Ladenkonzepts nicht mehr ohne weiteres möglich ist und Flagshipstores auch von Mittelständlern nur in ein paar Städten deutschlandweit verteilt liegen. Die Innenstadt ist bedingt attraktiv, da der Rückbau auch dort nötig ist, weil jede Preislage für die Läden Bedeutung hat, aber die Gesamtzahl sinkt.

    Szenario 3: Von Politk und Vermietern kommt eine engere Begrenzung der Handelsflächen verbunden mit einem offensiven Mietmanagement. Groß-und Kleinketten profitieren, kleine Läden bleiben unter Druck, da ggf. Randlagen wegfallen und die Ketten an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Das Angebot ist durch die Ketten relativ einseitig, jedoch sind durch die niedrigeren Einstiegshürden bedingt durch politische Unterstützung moderat. Konzepte wie in Szenario 2, um sich online abzugrenzen können nur in kleinem Maße eingeführt werden, da die Kosten dennoch höher sind stationär.

    Ergebnis: Es findet eine gewisse Stabilisierung der jetzigen Bedingungen statt. Die Innenstädte sind aufgrund des aktiven Managements bedingt attraktiv, da Randkonkurrenz reduziert wird, mehr wie ein Shoppingcenter alles beieinander liegt, das Angebot jedoch ähnelt sich stärker und in der Dienstleistung wird weiter gespart. Das Einzugsgebiet bleibt dafür größer als in Szenario 1 aufgrund der gestiegenen Zentralattraktivität.



    Falls ich wichtige Einflussfaktoren oder gewisse Folgen unterschlagen habe, womöglich falsches Gewicht eingeräumt habe, gerne noch ausführen, ich passe auch gerne an. Ich höre aber auch so gerne Meinungen.