Nachrichten aus der Region

  • Gehört Geislingen bald zum Alb-Donau-Kreis? [SWP+]

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    Nach umstrittenem Klinik-Beschluss: Die Geislinger Stadtverwaltung will die Bürger fragen, ob sie einen Kreiswechsel wollen. Dann würden Optionen geprüft.


    Der Landtag hat das letzte Wort [SWP+]

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    Der Ruf nach einem Wechsel in den Alb-Donau-Kreis wird seit dem Aus für die Helfenstein-Klinik im Raum Geislingen immer lauter. Die Chancen dafür sind aber wohl eher gering.


    Massives Misstrauen – ein Kommentar zur Debatte über einen Kreiswechsel [SWP+]

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    GZ-Redakteur Ruben Wolff hofft, dass die Proteste im Raum Geislingen gegen die Schließung der Helfenstein-Klinik auch in Berlin gehört werden.


    Der Versuch ist meines Erachtens reichlich aussichtslos und daher auch ein bisschen amüsant :).


    Wobei der Hintergrund ja ernst ist und auch ernstgenommen werden sollte. Vor allem, weil so eine Aktion schon einen ziemlich maximalen Affront gegen den Landkreis Göppingen darstellt - erst recht, wenn die Aktion aussichtslos ist. Näher kommt man einem Misstrauensvotum in der Kommunalpolitik kaum noch. Es scheinen ja auch weitere Gemeinden aus der Ecke mit demselben Gedanken zu spielen. Rund um die Auseinandersetzung zum De-Facto-Aus der Helfensteinklinik scheint da schon richtig viel kaputtgegangen zu sein (kaputtgemacht worden sein?).

  • Schon erstaunlich, dass nicht mal mehr 30.000-Einwohnerstädte wie Geislingen genug Einzug generieren, um ein Krankenhaus wirtschaftlich zu betreiben. Ich vergleiche jetzt hier etwas Äpfel mit Birnen, aber da ist Weißenhorn mit seiner Klinik (zur Erinnerung etwa 13,5k Einwohner) dann auch plötzlich nicht mehr so sicher gesetzt. Laupheim wird auch momentan umstrukturiert und faktisch stark abgestuft.

  • Das Aus der Helfensteinklinik hat ja auch wesentlich mit dem Bau des neuen und teuren Zentralklinikums in Göppingen zu tun. Im LK Neu-Ulm wurde ja auch diskutiert, die drei Krankenhausstandorte zu einem solchen Zentralklinikum zusammenzulegen. Am Einzugsgebiet Geislingens, das für das obere Filstal und auch einige Gemeinden im Alb-Donau-Kreis klar als Mittelzentrum fungiert, dürfte es nicht so sehr liegen.


    Nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben gemessen sind solche Schritte in aller Regel vernünftig, aber es wird auch die (meines Erachtens nicht unberechtigte) Frage erhoben, ob man die medizinische Versorgung der Bevölkerung nur oder weit überwiegend nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben messen sollte. Dann wiederum können Kommunen wie der Landkreis Göppingen auch nur nach den Spielregeln handeln, die eben herrschen. Vertrackte Situation. Wahrscheinlich brauchen wir eine gesundheitsökonomische Fundamentaldiskussion auf Bundesebene mit anschließenden Reformen... wird sich die nächste Koalition sicher vornehmen :S .


    Nette Fußnote am Rande: Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises, hat vor wenigen Tagen den Vorstandsvorsitz der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft übernommen, mit gut 1.000 Einrichtungen und 190.000 Beschäftigten.

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    Scheffold selbst sagt über seine Motivation: „Als Vorstandsvorsitzender setze ich mich für eine dezentrale, hochwertige und nachhaltige Struktur der Gesundheitsversorgung, Rehabilitation und Pflege im Land Baden-Württemberg ein, die zu finanzierbaren Konditionen aufrechterhalten, weiterentwickelt und – wo notwendig – ausgebaut werden muss

    Hat man vielleicht auch in Geislingen gelesen ^^ .

  • Das läuft in Geislingen wie in Laupheim, wo das Zentralkrankenhaus in Biberach steht. Im LK NU kann ein Zentralkrankenhaus wohl nur schwer bestehen. Mit Ulm, Memmingen, Krumbach und Günzburg hat man in 20 Min (GMaps) praktisch überall im Landkreis ein Krankenhaus. Die Kliniken kannibalisieren sich zumindest in der Breitenversorgung gegenseitig. In der Breitenversorgung zählt die Anfahrtszeit. Das spielt jetzt genau in die Richtung, die Finn schon angeschnitten hat, medizinische Grundversorgung vs. betriebswirtschaftlicher Ansatz. Daher habe ich die Anfahrtszeiten für die Breitenversorgung für verschiedene Kliniken durch Travel Time Map bestimmt, bezogen auf eine bestimmte Fahrtzeit, welche ein Gebiet erzeugte, das eine möglichst breite Fläche abdeckte, aber auch möglichst kleine Überscheidung mit der Nachbarklinik aufwies. Die Zahl liegt bei 20 Min (laut GMaps 12-15 Min) vom Patienten bis zur Klinik. Diese muss man nicht absolut nehmen, aber relativ ergeben sich zwischen den Kliniken so vergleichbare Gebiete.

    So kann man z.B. herauslesen die bereits erwähnte Überschneidung der Versorgungsgebiete hier für Weißenhorn:

    Man beachte, dass es sich bei den Überschneidungen natürlich nicht um scharfe Kanten handelt, sondern dass auf diesen Flächen eine Doppelversorgung stattfindet, was auf die Wirtschaftlichkeit der Klinik Auswirkungen hat, es sei denn die Bevölkerungsdichte ist sehr hoch. Es soll aber hier wie gesagt um die ländliche Versorgung in der Breite gehen, daher dieser Fokus.


    Geislingen hat zwar weniger Konkurrenz, dafür aber auch eine schlechtere Reichweite, das Kerngebiet ist unter 10km im Radius, wohingegen es bei der Klinik in Krumbach etwa 50% mehr ist:


    Die kaum bestehenden Überschneidungen und der Abstand zu den umliegenden Kliniken von 25km etwa begründet, weshalb diese Klinik eigentlich zwingend als Breitenversorger bleiben muss. Auch die Bevölkerungsdichte ist hier eigentlich nicht zu niedrig.


    Bei meiner kleinen Untersuchung kam übrigens heraus, dass solange Weißenhorn und Laupheim (das übrigens auch mit relativ kleinem Kerngebiet, um die 10km liegt) bestand haben, eine Illertisser (Zentral-)Klinik keinerlei Sinn macht. Und selbst bei Schließung dieser Kliniken, wäre immer noch das Versorgungsgebiet nur vergleichbar mit Weißenhorn, aber nicht deutlich besser. Das Einzige was dafür spräche sind ausreichend Abstand dann zu anderen Kliniken und eine Effizienzsteigerung von zwei auf eine Klinik. Durch die Grenze ist das aber eben noch zweifelhafter durchzusetzen. Daher halte ich es weiterhin für nicht unmöglich, dass am Ende aller Klinikreformen der LK NU ganz ohne Kliniken dasteht, spätestens wenn Neu-Ulms Kreisfreiheit kommt.


    Für alle, die sich auch für die weiteren Kliniken die Abdeckungsräume anschauen wollen, hier die Vorschau:

         

  • Habt ihr die heftige Auseinandersetzung in Bubenhausen mitbekommen? Das ging hoch bis zu einer Petition im bayrischen Landtag.

    Statt des unter Ensembleschutz stehenden Dorfzentrums waren Neubauten als Ersatz beantragt und dann abgelehnt worden, u.a. Wohnungsbau: Die damalige Planung sah vor, dass fünf Wohneinheiten in einem der Gebäude untergebracht werden. Zusätzlich Stellplätze. Städtebaulich fügte sich das Vorhaben ein.

    Interessanterweise, war die Stadt Weißenhorn bereit sich für die Aufhebung des Ensembleschutzes einzusetzen aus dieser Ablehnung von Neubauprojekten heraus, und hatte entsprechende Reaktionen erhalten:

    Zitat von Sitzungsprotokoll 01/20

    Im Rahmen dieser Besprechung signalisierten die Vertreter des Denkmalamtes, dass Sie einer Aufhebung des Ensembleschutzes nicht im Wege stehen würden. Sie begründeten dies damit, dass im gesamten Ensemble es lediglich noch zwei Denkmäler gebe und von einem schützenswerten Ensemble nicht mehr viel vorhanden sei. Sie baten jedoch darum, dass man im Stadtrat die Möglichkeit der städtebaulichen Denkmalpflege nicht unberücksichtigt lassen sollte.

    Warum der Schutz nun doch durchgesetzt wurde, konnte ich nicht rückverfolgen, es wurde nun aber ein kommunales Denkmalkonzept beauftragt, ein sehr aufwendiges Verfahren. Und wesentlich hat sich die Meinung der Stadt verändert:


    Zitat von Stadtanzeiger 06/21

    In Bubenhausen steht der Straßenzug der Babenhauser Straße unter besonderem Ensembleschutz. Er zählt damit zu den 800 wichtigsten Orts-, Platz- oder Straßenräumen in Bayern. [...]Die Straßenzeile dokumentiert mit ihrer Bebauung und im Grundriss die Anlage einer spätmittelalterlichen Webersiedlung, die auf Initiative der Fugger zurückgeht. Die heutige Bebauung stammt vorwiegend aus dem 19. Jh. Es handelt sich um eine regelmäßige Reihung streng giebelständig zur Straße stehender Häuser, zwei-geschossiger Wohnstallbauten mit z. T. noch hakenförmig angelegter Scheune. Vor dem ehem. Gasthof Hirsch kommt es zu einer platzartigen Erweiterung der Straße, die insgesamt die planmäßige Anlage des 16. Jh. anschaulich macht.Auf der Denkmalkarte sieht man rosa hinterlegt das Ensemblegebiet, mit ca. 43 Anwesen in einzigartig regelmäßiger giebelständiger Reihung der bis zu 200 Jahre alten Wohnstallhäuser. Die meisten Ausbauten oder Ersatzbauten in der Siedlung folgten diesem Bauschema bis ins 19. Jahr-hundert auf der Grundlage entsprechender Bauordnungen. Viele der Wohnstallhäuser im Ensemble sind im Kern ca. 200 Jahre alt.

    Das Konzept ermöglicht wohl jedoch auch erleichtert Neubauten zu errichten:

    Zitat von Stadtanzeiger 06/21

    Aus den abgestimmten Kriterien und Werten des geschützten Orts-, Platz- oder Straßenbildes von Bubenhausen ergeben sich also Ziele und Empfehlungen für die Instandsetzung von Bestandsbauten und ggf. für zukünftige Neubauten im Ensemblegebiet.


    Veröffentlichung Stadt, Ensemblegebiet


    Die Bürger wehren sich dagegen per Petition und auch recht prägnanten Schildern vor Ort. Selbst im Fernsehen gab es nun Diskussion, ob der Erhalt der Gebäude oder der Wunsch der Bürger höher zu bewerten ist.