Neubau-/Ausbaustrecke Ulm-Augsburg

  • Volle Zustimmung! Leider ist es oft so, dass das Engagement in einer "Bürgerinitiative" für den einen oder anderen einzig der Durchsetzung persönlicher Interessen und Ziele auf öffentlich beachteter Plattform dient. Herr Zimmermann und seine persönlichen Interessen und Meinungen sind ja nicht unbekannt.

  • Bei der Neubau-/Ausbaustrecke Hannover-Hamburg passiert gerade genau das gleiche. Ich weiß gar nicht, ob es den Bürgern eigentlich klar ist, dass sie diese Form des Protests völlig entwerten, wenn wirklich jedes einzelne Projekt damit konfrontiert ist. Das verleitet die Verantwortlichen dazu, jedes Mal diese erwartete Protestbewegungen dann zu antizipieren und zu ,,verwalten". Protest sollte nie Gewohnheit werden, das ist wie eine Alarmanlage, die ständig Fehlalarm gibt. Irgendwann nimmt man den Alarm nicht mehr ernst, selbst wenn dann wirklich Einbrecher ein Fenster aufhebeln.

  • Das bestätigt meinen allgemeinen Eindruck. Noch bevor erste Pläne veröffentlicht sind haben sich nach ersten Gerüchten oder Absichtserklärungen zu Projekten bereits unzählige Interessengemeinschaften oder Bürgerinitiativen zusammengetan. Dann ist man erst einmal pauschal dagegen, frei nach dem Motto: "muss ja schlecht sein und ich will da mitreden!!"


    Mir kommt das inflationär vor, egal ob es um regionale oder überregionale Vorhaben geht, Hauptsache dagegen! Häufig sind die lautesten diejenigen, welche Einzelinteressen unter dem Deckmantel der "Initiativen" als Mehrheitsmeinung verkaufen wollen.


    Protest und kritisches Hinterfragen ist richtig und gut in unserer Demokratie aber eben nur dann wenn es auch angebracht ist und wirklich bspw. gestalterische oder ökologische Aspekte betrifft.

  • Kann mich den allgemeinen Einschätzungen eigentlich nur anschließen. Mich bedrückt es, dass das eigentlich gute und wichtige Instrument der Bürgerbeteiligung so konsequent missbraucht wird - und ich kann es mittlerweile mittragen, dass zur Planungsbeschleunigung bei bestimmten Infrastrukturvorhaben Eingriffsmöglichkeiten zurückgeschnitten werden.


    Wolfe hat das aus meiner Sicht gut zusammengefasst, aber ich will das noch um eine Facette erweitern: Die viel gescholtene politische Entscheidungsebene ist laufend mit solchen Wortmeldungen, Eingaben und Forderungen konfrontiert. Das macht es richtig schwer, zwischen berechtigten und unberechtigten Interessen zu unterscheiden und - gerade als Kommunalpolitiker/in mit kurzem Draht zur Bevölkerung oder als Abgeordnete/r mit eigenem Wahlkreis - eine Entscheidung im übergeordneten Interesse zu treffen, die den kurzsichtigen Interessen vor Ort entgegenläuft. Klar, das ist ihre Aufgabe und die haben sie sich selbst ausgesucht, aber neidisch bin ich nicht darauf.


    Ich habe mir auch das Positionspapier auf der (sehr professionell aufgezogenen) Internetseite der BI angesehen. Da sind so einige Punkte drin, die ich unterschreiben würde - Flächenverbrauch ist zu minimieren, Ingenieurbauwerke verbrauchen Ressourcen und Energie, Lärmschutz für die Anrainergemeinden ist wichtig, die Hauptbahnhöfe Ulm und Augsburg müssen (zwecks Ausbau) in die Planung integriert werden und der öffentliche Nahverkehr in der Region muss profitieren. Alles gut und richtig.


    Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man doch, dass vieles vorgeschützt ist und mit anderen Forderungen hinterlaufen wird. Einerseits:

    Zitat

    Eine Trasse, die in hohem Maße aufwändige Tunnel und Talbrücken benötigt, hat eine verheerende CO2-Bilanz.

    Andererseits:

    Zitat

    Wenn Neubauabschnitte erforderlich werden, sind trotz schlechterer CO2-Bilzanz im Bereich von Häusern und Dörfern längere Tunnelabschnitte zu Gunsten einer besseren Verträglichkeit für die Menschen zwingend vorzusehen!

    Ah ja.


    Und so zieht sich das durch. cortauri hat ja am Beispiel von Burlafingen wunderbar aufgezeigt, welche Auswirkungen auch der Ausbau der Bestandsstrecke hätte.


    Insbesondere ist mir auch der Abschnitt "Nutzen für unsere Region" sauer aufgestoßen:

    Zitat

    Durchfahrende Hochgeschwindigkeitszüge und Ferngüterzüge zwischen Nordseehäfen und Südeuropa nutzen der Region nichts und die gute Erreichbarkeit von Augsburg und Ulm im Fernverkehr ist auch bei etwas längerer Fahrzeit bestens gesichert. Wichtig für die Region ist daher: Wie kann der Nahverkehr profitieren? Wie sehen die Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen Augsburg und Ulm aus? Und wie können die Anwohner der Bestandsstrecke profitieren, insbesondere durch Lärmschutz?

    Ich würde behaupten: Klar nutzen auch durchfahrende Hochgeschwindigkeitszüge und - insbesondere! - Ferngüterzüge zwischen Nordseehäfen und Südeuropa auch unserer Region. Ich sehe da einen sehr unmittelbaren Zusammenhang mit der Bewahrung des allgemeinen Wohlstands der Region - wohlgemerkt der Region im eigentlichen Sinn und nicht im Sinn der Sichtweite vom Gartenzaun der BI-Vertreterinnen und -Vertreter. Zum einen werden die beiden Knoten Ulm und Augsburg attraktiver, die wirtschaftlich jeweils weit in die Region hinausstrahlen, zum anderen bedeutet mehr Güterumschlag auf der Schiene auf weniger Straßenlastverkehr in der Region.


    Man denke an den Barilla-Express: Drei Mal die Woche werden je 600 Tonnen an Teigwaren, Soßen und Pesto per Zug von Italien nach Ulm gefahren und ersetzen damit jährlich 5.000 Lkw-Fahrten, die durch Italien, die Schweiz, Österreich und eben auch Schwaben rollen. (Nur halt nicht an bestimmten Gartenzäunen vorbei.)


    Die Beschränkung des eigenen Blicks nur auf eine sehr eng gefasste Region erklärt auch, wieso man 26 Minuten Fahrzeit zwischen Ulm und Augsburg für verzichtbar hält - paar Minuten mehr und ein nur punktueller Ausbau täten es doch auch. Aber so überlastet und kaputtgespart unser Bahnnetz ist, brauchen wir wirklich jede Minute und jeden Schienenkilometer, um für das Gesamtsystem Redundanz und Puffer zu generieren. Ein sauber laufender SPNV in Süddeutschland hilft auch dem Ruhrgebiet oder Mitteldeutschland. So, wie auch wir mittelbar von einer guten Lösung für Hamburg-Hannover profitieren würden. Ich finde es schade, dass man diese Zusammenhänge auf Kosten anderer ignoriert.

  • Die CSU Fraktion hat sich zu Wort gemeldet und bittet um zügige Befassung des Stadtrates zum Thema Neubaustrecke.


    Im Prinzip wollen Sie eine eigene Bewertung des möglichen Streckenverlaufs bewirken. Was - wenn das so vollausführlich gemacht wird - ordentlich Geld kosten wird.


    Von meiner Seite aus, würde ich hier erstmal abwarten, was die Bahn als Bauträger erstmal ermittelt und vorschlägt. Und jetzt die entsprechenden Forderungskatalog erstellen. Das würde der Bahn auch viel mehr bringen, als diese Aktion.


    Im Prinzip will die CSU jetzt Geld für etwas ausgeben, was andere erledigen müssen.


    https://www.csu-fraktion-nu.de…sse-ulm-neu-ulm-augsburg/


    Wo sind denn die Forderungen der Stadt wie:


    - neue Haltestelle Burlafingen mit P+R

    - neue Haltestelle Offenhausen

    - 4 spuriger Ausbau bei Nutzung Bestandsstrecke

    - Lärmschutz an der Bestandsstrecke

    - Untertunnelung Burlafingen für Nah-und Fernverkehr

    - falls Strecke südlich des Buchberges, dann nur als Tunnel oder Einhäusung...

    - falls Ausbau der Bestandstrecke, welche Umleitungsstrecke ist dann bei Bedarf vorgesehen?

    - werden die Züge dann über Donauwörth - Günzburg umgeleitet oder via Memmingen - Senden (letztere hat keine Oberleitung, kann das in das Projekt

    mit aufgenommen werden?

    - Liste der gewünschten Ausgleichsmaßnahmen?

    - Renaturierung Leibi

    - Renaturierung Donau (Auflösung der Begradigung)


    Aber auch von den anderen Städten oder Orten hört man nichts. Hier sind nur pauschale Aussagen: Ja/Nein zu hören. Keiner beschäftigt sich mit Optimierungsmaßnahmen, so wie es einst Merklingen gemacht und geschafft hat.

    Günzburg könnte z.B. einen neuen Verbindungsast Günzburg Bf via Reisensburg -> Leinheim -> Legoland (zwischen Park und Hotels) -> Kötz fordern. Diesen Streckenast bis Ichenhausen, könnte man dann später als S-Bahn von Ulm aus anbinden.



    Das sind übrigens Punkte, die von keinem kommt, weder von der Stadt, bischt oder sonst wen...

  • Sehr gute Vorschläge, Cortauri, wann können wir uns zum Gedankenaustausch treffen? Info: das Dialogforum ist am 7. Februar, die Forderungen sollten in den Kriterienkatalog aufgenommen werden!

  • Auf diesem Kanal wird die Planung der Strecke genauer beschrieben:


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  • Was sicherlich in die Planung mit einfließt, wird die geplante Geschwindigkeit auf der Strecke sein. Je niedriger diese ist, um die Zielvorgabe zu erreichen, desto besser, da hier massiv Strom gespart werden kann, jedoch auch leichter eine Erhöhung der Geschwindigkeit, z.B. bei Verspätung, umgesetzt werden kann.


    Hier haben die Varianten Türkis und Orange mit einer geplanten Geschwindigkeit von 250 km/h definitiv Vorteile, als die anderen Strecken mit 300 km/h. Auch das Thema Lärmschutz ist natürlich mit einer Geschwindigkeit von 250 km/h deutlich besser, als mit 300 km/h. Und je gerader die Strecke ist, desto leiser ist der Zug.

  • Naja, dann wäre im Prinzip immer die Luftlinie die aller beste Route, koste es was es wolle. Dass dem nicht so ist, liegt dann daran, dass man so viel Geld darin binden würde, dass man zwar einen tollen 100 km Abschnitt hätte, aber das Geld dann sonst überall fehlen würde - auch im teureren Unterhalt. Der Kompromiss muss da lauten, eine möglichst kurze, aber tunnel-,brücken-, und steigungsarme Route. Ich finde, da sind die heutigen Neubaustrecken der Bahn etwas zu verschwenderisch. Unsere Vorfahren waren auch nicht dümmer als wir, sie hatten nur nicht vor Augen, dass zukünftig Strecken mit 300kmh befahren werden würden und dass der Immissionsschutz so an Bedeutung zunehmen würde. Und natürlich, dass heute Tunnel mit halbautomatischen Maschinen günstiger auffahrbar sind.

  • Das wäre dann ja fast etwas für Unseren Besonderheiten und Superlativen Strang :)

    Der Hintergrund ist eigentlich ganz witzig. Die Anreihnergemeinden konnten sich nicht einigen, wie die Strecke verlaufen soll und welche Orte einen Halt bekommen sollen. Da hat der König Wilhelm aber einen zügigen Bau zur seiner Sommerresidenz in Friedrichshafen haben wollte, legte er ein Lineal auf die Karte und beschlossen, das die Strecke so gebaut wird.