Neubau Hauptbahnhof (Citybahnhof)

  • Vor allem werden die letzten Preissteigerungen bei S21 sicher nicht an den Investitionstöpfen der Bahn vorbeigehen. Unter Grube war ja schon nur eine kosmetische Aufhübschung für den Bahnhof vorgesehen, bei Einsparungszwang dürfte auch das Vorhaben ein Streichkandidat werden.


    Vielleicht ist es aber sogar gut, falls die Gelder dafür gestrichen werden; die Bahn könnte vielleicht eher darüber nachdenken, den ganzen Kladderadatsch am Bahnhof zu veräußern und sich räumlich zu verkleinern. Die Untersuchung von vor ein paar Jahren hat ja ergeben, dass für Betriebszwecke ein Technikgebäude mit zweieinhalb Geschossen genügt. Sollen sie das halt vom Geld bauen, dass sie aus der Veräußerung des Bahnhofsgebäudes erhalten...

  • Ja das sind schon riesige Flächen die der Masterplan umfasst, aber vieles wird wohl leider Wunschdenken bleiben, gerade der Turm an der Stelle des Intercity-Hotels hätte schon was. Das einzige was wohl weitestgehend zeitnah umsetzbar wäre ist das Dichterviertel und die Flächen an der Schillerstraße. Bis Telekom und Post ihre Flächen geräumt haben werden wohl noch Ewigkeiten vergehen und auch dass die DB auf die Mieteinnahmen aus dem Bahnhofsgebäude verzichten will und es verkauft, kann ich nur schwer glauben. Davon abgesehen wäre das Gebäude Bahnhofsplatz 7 sowie inzwischen zumindest die im Masterplan gezeigte Überbauung des ZOB nicht annähernd wirtschaftlich zu betreiben.
    Aber er regt zum Träumen an, was alles auf diesen Flächen möglich wär, insbesondere die Freilegung der Blau an den Gleisen wäre schon schön :)

  • Bin so frei und ziehe da noch einmal die Hauptaussagen heraus:

    • Die Bahn will das Stellwerk am Hbf (an der Schillerrampe) digitalisieren, was auch die alte Technik im Untergrund des Bahnhofsgebäudes verzichtbar macht, die 2016 noch eine baldige Lösung für das Bahnhofsgebäude verunmöglichte.
    • Rivoir MdL sieht in der Digitalisierung eine Möglichkeit, die Technik an anderer Stelle auf dem Bahnhofsgelände unterzubringen und das Bahnhofsgebäude von dieser Infrastruktur zu befreien. Die SPD im Gemeinderat hat dies auch OB Czisch so kommuniziert; der Antrag ist leider noch nicht online.
    • OB Czisch sagt: "Ich glaube, der ganz große Wurf, der weit über 100 Millionen Euro kostet, der bleibt Wunschtraum, solange wir es mit der Bahn nicht hinbekommen, ganz konkrete Schritte zu vereinbaren. Und daran sind wir jetzt gerade, die Bahn hat ja auch zum Thema Bahnhöfe ein neues Programm aufgelegt."
    • Konkrete Schritte seien aber erst nach Abschluss und Eröffnung der NBS zu erwarten.

    Zwei Dinge will ich festhalten: Die Stadt will weiterhin die große Lösung, wie zuletzt auch einmal IIRC von Winning betonte. Das finde ich gut, und das ist mir zumindest die Wartezeit bis in die 2020er hinein wert. Und: Finde ich prima von der Kommunalpolitik (in diesem Fall die SPD-Fraktion), dass sie ein waches Auge auf die Aktivitäten der Bahn hat. Schnell kann es ja passieren, dass die Bahn etwas macht (z.B. den Untergrund des Bahnhofs neu verkabelt oder das alte Stellwerk einfach umrüstet), was eine große Lösung für das Bahnhofsgebäude oder die Schillerrampe unmöglich macht.


    Wünschenswert fände ich, wenn die Bahn nicht nur das Bahnhofsgebäude von der Alttechnik befreit, sondern auch das Stellwerk an der Schillerrampe freigibt. Vielleicht wäre es nun kurz- bis mittelfristig möglich, wie ursprünglich angedacht alles in einem neuen Technikgebäude unterzubringen. Das würde in Sachen Citybahnhof sehr viel Erleichterung bringen.

  • Schönes Ding. Ich hab das in Altona so ein bisschen mit einem müden Auge mitverfolgt, weil die Bahnhofsverlegung im Rahmen des städtebaulichen Projekts Neue Mitte Altona ja lange und hart diskutiert wurde. Die Räumung der Gleisfelder soll ja Baufläche für rund 1900 WE abwerfen, wobei bis zuletzt (meine ich) nicht klar war, wie viele davon sich auch eine Durchschnittshamburger leisten kann.


    Interessant ist ja, dass der neue Bahnhof am Standort Diebsteich mit seinen acht Durchgangsgleisen, davon zwei für die S-Bahn, "nur" für 22.000 Fahrgäste am Tag ausgelegt ist. In Ulm haben wir rund 40.000 Fahrgäste am Tag, mit sieben Durchfahrts- und fünf Stumpfgleisen (5a, 5b, 25, 27, 28). Mit dem Aufbau/Ausbau der S-Bahn werden es noch einmal mehr. Vielleicht sollte man auch das Thema des fünften Bahnsteigs zu gegebener Zeit wieder ins Gespräch bringen...


    Nun ist Ulm nicht Altona, man darf das nicht überstrapazieren, aber in diesen Dimensionen sollte man wahrscheinlich schon denken.

  • Ja, klar, sage ich ja auch: Die Größe kommt auf jeden Fall so in etwa hin. Ulm hat deutlich mehr Fahrgäste, dafür ist Altona ein Fernverkehrsbahnhof in einer Millionenstadt, daher nur muss man den Vergleich nicht überstrapazieren. Aber ich finde es schon erstaunlich, dass ich mir die Visualisierung fast 1:1 in Ulm vorstellen könnte...

  • Nach Diebsteich passt der prima, finde ich. Im MoPo-Artikel sieht man ein Luftbild von der Gegend, und die hat keine prägenden Hochpunkte und keine urbane Geschlossenheit, wo der neue Bahnhof hinkommt. Da finde ich so eine Gestaltung, mit zwei prägnanten Türmen und einem interessanten, sehr luftigen Sockelbau echt gut. Und wenn die Gegend wie berichtet in Zukunft noch weiter entwickelt wird, kann das ein ganz guter Taktgeber und Orientierungspunkt sein.



    Wenn ich "1:1" sage, meine ich auch eher die Dimensionen, die echt erstaunlich gut passen, und den gestalterischen Willen. In Ulm haben wir ja eine ganz andere Lage, wo rund um den Bahnhofsvorplatz aktuell und geplant eine sehr großstädtische Randbebauung entsteht. Man denke nur an das Hotel Bahnhofstraße 7. Für das, was man dann vom Bahnhof "sieht", etwa von der Olgastraße oder den Sedelhöfen her, würde ich mir eher eine hochwertige, aber geschlossene urbane Front zum Platz hin wünschen.


    Die Bahnhofshalle, die wohl die Passage integrieren und damit vor allem auf Ebene -1 stattfinden soll, kann gerne transparent und luftig und locker sein. Aber ich bräuchte es nicht für das gesamte Bahnhofsgebäude bzw. den Sockelbau. In die Höhe gehen, mit einer Büro- oder Hotelnutzung, darf man aber gern.


    Aber naja, eher ein Thema für die 2020er... :|

  • Hallo Finn,


    mit dem "luftigen" gebe ich Dir recht und ich bin bei der Halle auch für Transparenz, z.B. aus Glas. Allerdings finde ich an der Ulmer Stelle, muss unbeding ein höherer Bau (zumindest wie Stand heute), wegen mir sogar noch etwas höher. Ich kann mich irgendwie mit dem Entwurf aus Diebteich an Ulmer Stelle nicht anfreunden.
    Es gab ja schon mal ein paar ganz gute Entwürfe für den Citybahnhof.
    https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/51569


    Dieser Entwurf gefällt mir persönlich besonders gut. Quelle und andere Entwürfe, siehe Link oben.

  • Bevor der Post von @mucerl unverdienterweise untergeht: Die beiden direkt im Post verlinkten Entwürfe fände ich für Ulm richtig spannend. Der linke stammt von der Albert Wimmer ZT-GmbH aus Wien und ist ein für meine Begriffe angenehm ganzheitlicher Entwurf, vom Dichterviertel bis zum Südzipfel des ZOB stimmig durchgeplant mit vertikaler Fassadenbegrünung als tolles Schmankerl. Der rechte stammt von AURA aus Ulm, und an ihm finde ich interessant, wie gut er in den aktuellen Masterplan passen würde mit seiner in den Platz hineinragenden Haupthalle.


    Beide haben 2011 allerdings nur eine Anerkennung und keinen Preis bekommen. Nach einigen Jahren stelle ich mir allerdings auch ein bisschen die Frage, wozu man diesen Wettbewerb eigentlich damals veranstaltet hatte... ?(


    Bei beiden Entwürfen würde ich aber gerne noch auf ein Element hinweisen, dass ich in vielen anderen Beiträgen auch gesehen habe und das mir persönlich nicht gut gefüllt. Eine zu große Transparenz oder Durchlässigkeit, gar ein ebenerdiger Durchgang vom Platz zum Hausbahnsteig 1 käme mir irgendwie merkwürdig provinziell vor, wie bei einem Haltepunkt auf dem Land mit Pendlerparkplatz nebendran. Für eine Großstadt erwarte ich da eher eine geschlossene ubane Fassade. Den schnörkellosen Direktzugang liefert ja recht bald der Steg mit seinen neuen Abgängen und Aufzügen.

  • Den ebenerdigen Zugang zu Gleis 1 fände ich schon ok, aber wichtiger wäre für mich eher der direkte Zugang auf Ebene -1 von der Passage in den Bahnhof und zum Bahnsteigtunnel ohne Wechsel der Ebene. Für den Zugang in den ebenerdigen Teil der Halle gibt es Rolltreppen und Aufzüge.
    Möglich wäre dadurch auch die Weiterführung des Tunnels zur Schillerstraße. Aber daran glaube ich nicht mehr wenn am Bahnhofsteg die Aufzüge installiert sind.


    edit: Wichtig wäre für mich auch der Erhalt des "Bayerischen Bahnhof" mit seinen Stumpfgleisen und direkt daneben endlich mal eine Öffnung des Zauns vom ZOB her.

  • Für den Bayerischen Bahnhof fände ich eine direkte Zugänglichkeit von der Stadtseite her voll okay, wenn der ZOB an Ort und Stelle bleibt. Das macht Sinn. Nur direkt am Bahnhofsgebäude sehe ich das mehr als städtisch-repräsentativen Raum denn als alles andere, und da käme so eine Baulücke doch arg löchrig daher, meine ich.


    Bei der Passage etc. sind wir voll d'accord. Wir werden Geduld brauchen... :(

  • Aus meiner Sicht ist der Entwurf von Hähnig & Gemmeke aus Tübingen zumindest was das Bahnhofsgebäude anbetrifft und die Umsetzung des Theaterviertels der beste Entwurf. Diesen könnte man mit dem AURA Entwurf ganz gut kombinieren. Die jetzige Umgestaltung ließe eine Umsetzung trotzdem zu. Ich bin voll bei meinen beiden Vorschreiben, dass ein direkter Zugang zu den bayerischen Gleisen vom ZOB und Steg (und neuem Gebäude zw. ZOB und Bahnhofsvorplatz) Top wäre. Ebenso wichtig ist, dass die Ebene -1 der Passage in eine neue Bahnhofshalle übergeht.

  • Neue Pläne der Bahn für die Umgestaltung? Stadträte sorgen sich um Bahnhof [SWP]

    Zitat

    Will die Deutsche Bahn den Bahnhof Ulm nicht wie geplant umgestalten? Dieses Gerücht beunruhigt die Fraktionen des Gemeinderates. Sie fordern mehr Informationen über die angeblich neuen Pläne der DB.

    Ob da nicht einfach ein Missverständnis vorliegt? Die Position der Bahn ist ja schon seit längerem, dass das bestehende Gebäude nur saniert werden soll und die Neubaupläne der Stadt ablehnt. Oder erinnere ich mich hier falsch?


    In jedem Fall gut, dass die Gemeinderäte fraktionsübergreifend auf einen Neubau beharren.

  • Neue Pläne der Bahn für die Umgestaltung? Stadträte sorgen sich um Bahnhof [SWP]

    Ob da nicht einfach ein Missverständnis vorliegt? Die Position der Bahn ist ja schon seit längerem, dass das bestehende Gebäude nur saniert werden soll und die Neubaupläne der Stadt ablehnt. Oder erinnere ich mich hier falsch?


    In jedem Fall gut, dass die Gemeinderäte fraktionsübergreifend auf einen Neubau beharren.

    Die DBAG kann reden was sie will, von denen erwarte ich nix mehr. Wenn nicht die irrwitzige, irgendwann mal genannte Summe von 40 Mio. Euro im Raum stünde hätte die Stadt den hässlichen Bunker schon längst kaufen müssen.

  • Ich fände es enorm fahrlässig, sich zum aktuellen Zeitpunkt von der DB die Tür für einen Neubau zuschlagen zu lassen. Damit meine ich eine wie auch immer geartete Sanierung; den optischen Mängeln mag man damit etwas abhelfen, aber es sind ja die städtebaulich-funktionalen, die das Problem sind.


    Auch abgesehen vom Mondpreis kann ich es ja irgendwo einsehen, dass die Stadt kein eigenes Geld in ein Gebäude stecken will, das in der Verantwortung eines Fremdunternehmens steht. Aber spätestens mit der (sehr guten!) Idee der Durchbindung von der Schillerstraße zu den Sedelhöfen steckt da eben auch viel städtebauliche Zielsetzung drin, für die ein Fremdunternehmen halt auch keine Verantwortung übernehmen muss. Und in einer solchen Gemengelage muss die Stadt dann eben doch einen angemessenen finanziellen Beitrag leisten. An einer Kooperationslösung führt meines Erachtens kein Weg vorbei. Je mehr die Stadt sich bewegt, desto mehr Einfluss dürfte sie auf den Ausgang haben.


    Das schwierigste und vielleicht teuerste Problem soll ja wohl die viele Bahntechnik sein, die auf Ebene -1 unter dem Bahnhofsgebäude schlummert. Unlösbar dürfte das Problem nicht sein. Da die Lösung aber wirklich eine genuine Bahnaufgabe wäre, kann ich mir schon vorstellen, dass aktuell vielleicht die Kapazitäten fehlen, um so ein Projekt anzugehen - okay. Dann wartet man halt. Eine Eröffnung zur LGS 2030 wäre doch ein schönes, nicht ganz unrealistisches Ziel...


    ***


    Brandbrief an Ulmer OB: Springt die Bahn beim Citybahnhof ab? [Schwäbische+]

    Zitat

    Lässt die Deutsche Bahn die Stadt Ulm beim Projekt Citybahnhof im Regen stehen? Dies befürchten die Ulmer Fraktionen im Gemeinderat. Sie schlagen Alarm und fordern von OB Gunter Czisch schnellstmögliche Aufklärung.